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Mechanik & Schwingungen (Q2.1)

Kreisbewegung & Zentripetalkraft

Warum eine Bewegung mit konstantem Tempo trotzdem beschleunigt ist – und welche reale Kraft dafür sorgt.

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Das Wichtigste in einem SatzEin Körper auf einer Kreisbahn ändert ständig seine Bewegungsrichtung und ist deshalb beschleunigt – zum Mittelpunkt hin, mit $a_z = \dfrac{v^2}{r} = \omega^2 r$. Dafür braucht er eine resultierende Kraft $F_z = \dfrac{m v^2}{r}$ zum Mittelpunkt. „Zentripetalkraft“ ist kein eigener Kraft-Typ, sondern die Rolle, die eine reale Kraft übernimmt: Seilkraft, Reibung, Gravitation oder Lorentzkraft.

Vorwissen aus den Jahren davor – kurz prüfen

Tippe auf eine Frage, erst selbst antworten, dann vergleichen. Wenn etwas wackelt: zuerst dort nachlesen, sonst stolperst du im neuen Stoff.

Was ist Beschleunigung – und kann man beschleunigt sein, ohne schneller zu werden?
Beschleunigung ist die Änderung der Geschwindigkeit pro Zeit: $\vec a = \dfrac{\Delta\vec v}{\Delta t}$. Die Geschwindigkeit ist ein Vektor – sie hat Betrag und Richtung. Ändert sich nur die Richtung, ist $\Delta\vec v \neq 0$ und der Körper ist beschleunigt, obwohl das Tempo gleich bleibt. Beispiel: Ein Auto fährt mit konstant $50\,\mathrm{km/h}$ durch eine Kurve – der Tacho ändert sich nicht, aber du wirst zur Seite gedrückt. Genau das ist die Zentripetalbeschleunigung.
Was sagen Newtons Axiome über Kräfte und Bewegung?
1. Axiom: Ohne resultierende Kraft bewegt sich ein Körper geradlinig gleichförmig (oder bleibt in Ruhe). 2. Axiom: $\vec F_{res} = m\cdot\vec a$ – die Summe aller Kräfte bestimmt die Beschleunigung, in Richtung der resultierenden Kraft. 3. Axiom: Kräfte treten paarweise auf (Kraft und Gegenkraft an verschiedenen Körpern). Folgerung für die Kreisbahn: Eine Kreisbahn ist keine geradlinige Bewegung, also muss eine resultierende Kraft wirken – und zwar dorthin, wohin die Beschleunigung zeigt: zum Mittelpunkt.
Wie zerlegt man eine Kraft in Komponenten?
Eine Kraft $\vec F$ unter dem Winkel $\varphi$ zur Senkrechten hat die vertikale Komponente $F\cos\varphi$ und die horizontale Komponente $F\sin\varphi$ (rechtwinkliges Dreieck: Ankathete mit $\cos$, Gegenkathete mit $\sin$). Beispiel: Seilkraft $F_S = 680\,\mathrm{N}$ unter $30^\circ$: vertikal $680\cdot\cos 30^\circ = 589\,\mathrm{N}$, horizontal $680\cdot\sin 30^\circ = 340\,\mathrm{N}$. Umgekehrt: Sind beide Komponenten bekannt, ist $\tan\varphi = F_{hor}/F_{vert}$.
Bogenmaß: Was ist ein Radiant, und wie hängen Winkel, Radius und Bogenlänge zusammen?
Im Bogenmaß ist der Winkel das Verhältnis Bogenlänge zu Radius: $\varphi = \dfrac{s}{r}$, Einheit „rad“ (eigentlich dimensionslos). Ein voller Kreis hat $2\pi$ rad $= 360^\circ$, also $1\,\mathrm{rad} = 57{,}3^\circ$. Umrechnung: $\varphi_{rad} = \varphi_{deg}\cdot\dfrac{\pi}{180^\circ}$. Folgerung: Bogenlänge $s = r\varphi$, und für die Bewegung $v = \dfrac{\Delta s}{\Delta t} = r\cdot\dfrac{\Delta\varphi}{\Delta t} = r\omega$. Alle Formeln mit $\omega$ gelten nur im Bogenmaß – Taschenrechner auf RAD stellen.
Gravitationsgesetz – wie groß ist die Anziehung zwischen Erde und Satellit?
$F_G = G\dfrac{M m}{r^2}$ mit $G = 6{,}674\cdot 10^{-11}\,\mathrm{N\,m^2/kg^2}$, $M$ Erdmasse ($5{,}972\cdot 10^{24}\,\mathrm{kg}$) und $r$ Abstand der Mittelpunkte – also Erdradius ($6{,}371\cdot 10^6\,\mathrm{m}$) plus Flughöhe. An der Erdoberfläche ergibt das $F_G = mg$ mit $g = GM/R^2 = 9{,}81\,\mathrm{m/s^2}$. In $400\,\mathrm{km}$ Höhe (ISS) ist $g' = GM/r^2 = 8{,}69\,\mathrm{m/s^2}$ – nur $11\,\%$ weniger. „Schwerelosigkeit“ dort kommt nicht vom fehlenden $g$, sondern vom freien Fall auf der Kreisbahn.
Einheiten: 72 km/h in m/s, Umdrehungen pro Minute in Hz und rad/s?
$72\,\mathrm{km/h} = \dfrac{72\,000\,\mathrm{m}}{3600\,\mathrm{s}} = 20\,\mathrm{m/s}$ (Faktor $3{,}6$). $3000\,\mathrm{U/min} = 50\,\mathrm{U/s} = 50\,\mathrm{Hz}$, also $\omega = 2\pi f = 314\,\mathrm{rad/s}$ bzw. $\mathrm{s^{-1}}$. Umlaufdauer $T = 1/f = 0{,}020\,\mathrm{s}$. Kontrolle für $F_z = m\omega^2 r$: $\mathrm{kg\cdot s^{-2}\cdot m} = \mathrm{N}$ – das „rad“ fällt als dimensionslos weg.

Die Größen der Kreisbewegung

Ein Punkt läuft mit konstantem Tempo auf einem Kreis mit Radius $r$ – gleichförmige Kreisbewegung. Für einen Umlauf braucht er die Umlaufdauer $T$; die Frequenz $f = 1/T$ zählt die Umläufe pro Sekunde. Da der Winkel pro Umlauf $2\pi$ (Bogenmaß) beträgt, überstreicht der Radius pro Zeit den Winkel

$$\omega = \frac{2\pi}{T} = 2\pi f\qquad\text{(Winkelgeschwindigkeit, Einheit } \mathrm{s^{-1}} \text{ bzw. rad/s)}.$$

Die Bahngeschwindigkeit ist Umfang durch Umlaufdauer, und weil die Bogenlänge $s = r\varphi$ ist, gilt

$$v = \frac{2\pi r}{T} = \omega\cdot r .$$

Lies die Formel richtig: Bei gleichem $\omega$ (alle Punkte einer rotierenden Scheibe) ist der äußere Punkt schneller; bei gleichem $v$ (Auto in Kurven verschiedener Radien) ist $\omega$ in der engen Kurve größer. Beispiel Erde: $T = 23{,}93\,\mathrm{h} = 8{,}61\cdot 10^4\,\mathrm{s}$, $\omega = 7{,}29\cdot 10^{-5}\,\mathrm{s^{-1}}$, am Äquator $v = \omega R = 7{,}29\cdot 10^{-5}\cdot 6{,}371\cdot 10^6\,\mathrm{m/s} = 464\,\mathrm{m/s}$.

GrößeSymbol, EinheitZusammenhang
Umlaufdauer$T$ in sZeit für einen vollen Umlauf
Frequenz$f$ in Hz$f = 1/T$
Winkelgeschwindigkeit$\omega$ in $\mathrm{s^{-1}}$$\omega = 2\pi/T = 2\pi f$
Bahngeschwindigkeit$v$ in m/s$v = 2\pi r/T = \omega r$
Zentripetalbeschleunigung$a_z$ in $\mathrm{m/s^2}$$a_z = v^2/r = \omega^2 r$, zum Mittelpunkt

Warum die Kreisbewegung beschleunigt ist

Der Geschwindigkeitsvektor $\vec v$ liegt immer tangential an der Bahn. Nach einem kleinen Zeitschritt $\Delta t$ hat er denselben Betrag, aber eine andere Richtung. Die Differenz $\Delta\vec v = \vec v_2 - \vec v_1$ ist nicht null – es gibt also eine Beschleunigung $\vec a = \Delta\vec v/\Delta t$. Zeichnest du $\vec v_1$ und $\vec v_2$ mit gemeinsamem Anfangspunkt, siehst du: $\Delta\vec v$ zeigt (für kleines $\Delta t$) genau zum Mittelpunkt der Bahn, senkrecht zu $\vec v$.

Der Betrag folgt aus zwei ähnlichen gleichschenkligen Dreiecken (Herleitung unten): das Dreieck aus $\vec v_1$, $\vec v_2$, $\Delta\vec v$ und das Dreieck aus den beiden Radien und der Sehne $\Delta s$. Beide haben denselben Spitzenwinkel $\Delta\varphi$, also

$$\frac{\Delta v}{v} = \frac{\Delta s}{r}\qquad\Rightarrow\qquad a_z = \frac{\Delta v}{\Delta t} = \frac{v}{r}\cdot\frac{\Delta s}{\Delta t} = \frac{v^2}{r} = \omega^2 r .$$

Diese Zentripetalbeschleunigung ändert nur die Richtung von $\vec v$, nie den Betrag – deshalb bleibt das Tempo konstant, obwohl ständig beschleunigt wird. Sie ist die Beschleunigung, die ein Fahrgast im Karussell spürt, der Astronaut in der Zentrifuge, das Elektron im Magnetfeld.

Zahlenbeispiel Kurvenfahrt
Auto $m = 1200\,\mathrm{kg}$, Kurvenradius $r = 50\,\mathrm{m}$, $v = 72\,\mathrm{km/h} = 20\,\mathrm{m/s}$: $a_z = \dfrac{v^2}{r} = \dfrac{(20\,\mathrm{m/s})^2}{50\,\mathrm{m}} = 8{,}0\,\mathrm{m/s^2}$ – fast $1\,g$ seitlich. Dafür braucht das Auto $F_z = m a_z = 1200\,\mathrm{kg}\cdot 8{,}0\,\mathrm{m/s^2} = 9600\,\mathrm{N}$ Haftreibung zwischen Reifen und Straße. Mit $F_R \le \mu mg$ müsste $\mu \ge \dfrac{v^2}{rg} = 0{,}82$ sein – auf trockener Straße ($\mu\approx 0{,}8$ bis $1{,}0$) gerade noch, bei Nässe ($\mu\approx 0{,}5$) nicht: Das Auto rutscht geradeaus aus der Kurve.

Zentripetalkraft: keine neue Kraft, sondern eine Rolle

Aus Newton 2 folgt sofort: Ein Körper auf einer Kreisbahn braucht eine resultierende Kraft zum Mittelpunkt vom Betrag

$$F_z = m\,a_z = \frac{m\,v^2}{r} = m\,\omega^2\, r .$$

Und jetzt der Punkt, an dem die meisten Fehler passieren: Die Zentripetalkraft ist keine zusätzliche Kraft, die neben Seilkraft, Gewicht und Reibung „auch noch“ wirkt. Sie ist der Name für die Rolle, die die resultierende Kraft spielt. In jeder Situation musst du fragen: Welche reale Kraft (oder welche Summe von Kräften) zeigt zum Mittelpunkt und liefert $mv^2/r$?

SituationWer liefert $F_z$?Ansatz
Stein an der Schnur (horizontal)Seilkraft (Fadenspannung)$F_S = \dfrac{mv^2}{r}$
Auto in der KurveHaftreibung der Reifen$F_R = \dfrac{mv^2}{r} \le \mu\, m g$
Satellit, Mond, PlanetGravitation$G\dfrac{Mm}{r^2} = \dfrac{mv^2}{r}$
Elektron im MagnetfeldLorentzkraft$qvB = \dfrac{mv^2}{r}$
Looping (oben)Normalkraft der Schiene plus Gewichtskraft$F_N + mg = \dfrac{mv^2}{r}$
Kettenkarussellhorizontale Komponente der Seilkraft$F_S\sin\varphi = \dfrac{mv^2}{r}$, $F_S\cos\varphi = mg$

Merke: In einem Kräfteplan zeichnest du nie einen Pfeil „$F_z$“ zusätzlich zu den realen Kräften. Du zeichnest die realen Kräfte, bildest ihre Resultierende und stellst fest, dass diese zum Mittelpunkt zeigt und den Betrag $mv^2/r$ hat. Fehlt die reale Kraft (Seil reißt, Reibung reicht nicht), gibt es keine Kreisbahn – der Körper fliegt tangential geradeaus weiter (Newton 1), nicht „nach außen“.

Und die „Zentrifugalkraft“?
Die Fliehkraft existiert nur im mitrotierenden Bezugssystem – als Trägheitskraft (Scheinkraft), die man einführen muss, damit Newtons Gesetze auch dort gelten. Im ruhenden Laborsystem, in dem Abituraufgaben praktisch immer gestellt werden, gibt es sie nicht: Was du im Karussell „nach außen“ spürst, ist deine Trägheit – dein Körper will geradeaus, der Sitz drückt dich zur Mitte. Schreibst du in einer Laborsystem-Rechnung „$F_{Zentrifugal} = F_{Zentripetal}$“, hast du die Kraft doppelt gezählt und die Bewegungsgleichung zerstört. Regel: Im Laborsystem nur reale Kräfte, Resultierende $= mv^2/r$.

Drei Standardaufgaben: Kettenkarussell, Looping, Satellit

Kettenkarussell. Ein Sitz (Masse $m$) hängt an einer Kette der Länge $L$, die im Betrieb den Winkel $\varphi$ zur Senkrechten bildet. Reale Kräfte: Gewichtskraft $mg$ (senkrecht nach unten) und Kettenkraft $F_S$ (entlang der Kette). Der Sitz bewegt sich horizontal im Kreis mit Radius $r = R_0 + L\sin\varphi$ ($R_0$ = Abstand der Aufhängung von der Achse). Zerlegung der Kettenkraft:

$$\text{vertikal: } F_S\cos\varphi = mg\qquad\qquad \text{horizontal: } F_S\sin\varphi = \frac{mv^2}{r}\qquad\Rightarrow\qquad \tan\varphi = \frac{v^2}{r\,g} = \frac{\omega^2 r}{g}.$$

Der Winkel hängt nicht von der Masse ab – Kind und Erwachsener hängen gleich schräg. Mit $\varphi = 30^\circ$, $L = 5{,}0\,\mathrm{m}$, $R_0 = 3{,}0\,\mathrm{m}$: $r = 5{,}5\,\mathrm{m}$, $v = \sqrt{rg\tan\varphi} = \sqrt{5{,}5\cdot 9{,}81\cdot 0{,}577}\,\mathrm{m/s} = 5{,}58\,\mathrm{m/s}$, $T = 2\pi r/v = 6{,}2\,\mathrm{s}$.

Looping. Im höchsten Punkt zeigen Gewichtskraft und Normalkraft der Schiene nach unten – zum Mittelpunkt. Beide zusammen sind die Zentripetalkraft: $F_N + mg = \dfrac{mv^2}{r}$. Die Schiene kann nur drücken, nicht ziehen ($F_N \ge 0$). Der Wagen bleibt also genau dann auf der Bahn, wenn $\dfrac{mv^2}{r} \ge mg$, d. h. Mindestgeschwindigkeit oben $v_{min} = \sqrt{g\,r}$. Für $r = 8{,}0\,\mathrm{m}$: $v_{min} = \sqrt{9{,}81\cdot 8{,}0}\,\mathrm{m/s} = 8{,}86\,\mathrm{m/s}$. Im tiefsten Punkt gilt dagegen $F_N - mg = \dfrac{mv^2}{r}$ (Normalkraft nach oben zum Mittelpunkt, Gewicht nach außen) – dort ist die Belastung am größten; mit Energieerhaltung $v_{unten}^2 = v_{oben}^2 + 4gr = 5gr$ folgt $F_N = 6mg$.

Satellit. Die Gravitation ist die einzige Kraft und übernimmt die Rolle der Zentripetalkraft: $$G\frac{Mm}{r^2} = \frac{mv^2}{r}\qquad\Rightarrow\qquad v = \sqrt{\frac{GM}{r}},\qquad T = \frac{2\pi r}{v} = 2\pi\sqrt{\frac{r^3}{GM}}\quad\Rightarrow\quad T^2 = \frac{4\pi^2}{GM}\,r^3 .$$ Die Masse des Satelliten kürzt sich heraus; höhere Bahnen sind langsamer und brauchen länger ($T^2\propto r^3$ – das 3. Kepler-Gesetz, Ausblick). ISS in $400\,\mathrm{km}$ Höhe: $r = 6{,}77\cdot 10^6\,\mathrm{m}$, $v = \sqrt{\dfrac{6{,}674\cdot 10^{-11}\cdot 5{,}972\cdot 10^{24}}{6{,}77\cdot 10^6}}\,\mathrm{m/s} = 7{,}67\cdot 10^3\,\mathrm{m/s}$, $T = 5{,}55\cdot 10^3\,\mathrm{s} = 92{,}4\,\mathrm{min}$. Geostationär ($T = 23{,}93\,\mathrm{h}$) ergibt $r = 4{,}22\cdot 10^7\,\mathrm{m}$, also $35\,800\,\mathrm{km}$ Höhe.

Kreisbewegung und Schwingung – dieselbe Mathematik

Beleuchtest du einen Punkt, der gleichmäßig im Kreis läuft, von der Seite, so pendelt sein Schatten auf der Wand hin und her. Mathematisch: Der Punkt hat die Koordinaten $x(t) = r\cos(\omega t)$ und $y(t) = r\sin(\omega t)$. Die Projektion auf eine Achse ist also eine Sinusfunktion – genau die Bewegungsgleichung der harmonischen Schwingung $y(t) = \hat y\sin(\omega t)$ mit $\hat y = r$.

Das ist mehr als eine Analogie. Die Zentripetalbeschleunigung zeigt zum Mittelpunkt mit $a_z = \omega^2 r$; ihre $y$-Komponente ist $a_y = -\omega^2 r\sin(\omega t) = -\omega^2\, y$. Die Projektion erfüllt also $\ddot y = -\omega^2 y$ – die Differentialgleichung der harmonischen Schwingung, die auf der nächsten Seite zentral ist. Das Zeigerdiagramm (rotierender Zeiger der Länge $\hat y$) ist deshalb das Standardbild für Schwingungen und Wellen: $\omega$ ist in beiden Welten dieselbe Größe, $T = 2\pi/\omega$ ebenso, und die Phase $\omega t$ ist der Drehwinkel des Zeigers.

Ausblick auf die Schwingungen
Beim Federpendel ist $\omega = \sqrt{D/m}$, beim Fadenpendel $\omega = \sqrt{g/l}$. Die Maximalgeschwindigkeit der Schwingung, $v_{max} = \hat y\,\omega$, ist genau die Bahngeschwindigkeit $v = r\omega$ des Kreispunkts; die maximale Beschleunigung $a_{max} = \hat y\omega^2$ ist seine Zentripetalbeschleunigung. Wer die Kreisbewegung verstanden hat, hat die Formeln der Schwingung schon in der Hand.

Simulation: Kreisbewegung – Geschwindigkeit, Beschleunigung und Projektion

Links läuft der Punkt auf dem Kreis; blau ist v (tangential), rot die resultierende Kraft zum Mittelpunkt. Rechts zeichnet die Projektion auf die y-Achse den Graphen y(t) – eine Sinuskurve.

Probiere in der Simulation
  • Verdopple $r$ bei festem $T$. Vorhersage mit $v = 2\pi r/T$ und $a_z = \omega^2 r$: Beide verdoppeln sich. Prüfe im Readout. Dann verdopple stattdessen $T$ bei festem $r$: $v$ halbiert, $a_z$ viertelt sich – warum?
  • Schalte das $\Delta v$-Dreieck ein und verkleinere den Zeitschritt $\Delta t$. Beschreibe, wohin $\Delta\vec v$ zeigt, wenn $\Delta t$ klein wird, und wie sich das Verhältnis $\Delta v/v$ im Vergleich zu $\Delta s/r$ verhält.
  • Wähle als Kraft „Gravitation (Satellit)“ und stelle die Erdbahn-Werte ein (Knopf). Lies $v$ und $T$ ab und vergleiche mit $v = \sqrt{GM/r}$.
  • Beobachte die Projektion rechts: Wo auf dem Kreis ist der Punkt, wenn $y(t)$ maximal ist, wo bei $y = 0$? Wo ist die Geschwindigkeit der Projektion am größten? Formuliere: Die Projektion einer Kreisbewegung ist eine harmonische Schwingung mit $\hat y = r$ und $v_{max} = \omega r$.

Herleitung: Zentripetalbeschleunigung $a_z = \dfrac{v^2}{r}$

Pflicht-Herleitung über ähnliche Dreiecke. Im Abitur: Skizze mit Kreis, zwei Bahnpunkten $P_1$, $P_2$, den Geschwindigkeitsvektoren $\vec v_1$, $\vec v_2$ und dem Differenzvektor $\Delta\vec v$ – und der Hinweis, dass der Grenzübergang $\Delta t\to 0$ die Richtung zum Mittelpunkt liefert. Tippe „Verdecken“ und versuche es zuerst selbst.

  1. Situation: Ein Körper läuft mit konstantem Tempo $v$ auf einem Kreis mit Radius $r$. In der kurzen Zeit $\Delta t$ bewegt er sich von $P_1$ nach $P_2$ und legt dabei den Bogen $\Delta s = v\,\Delta t$ zurück; der Radius dreht sich um den Winkel $\Delta\varphi$. Die Geschwindigkeitsvektoren $\vec v_1$ und $\vec v_2$ liegen tangential, sind gleich lang ($|\vec v_1| = |\vec v_2| = v$) und stehen senkrecht auf den jeweiligen Radien.
    $$ \Delta s = v\cdot\Delta t,\qquad |\vec v_1| = |\vec v_2| = v $$
  2. Geschwindigkeitsänderung: Die Beschleunigung ist die Änderung des Geschwindigkeitsvektors pro Zeit. Verschiebe $\vec v_1$ und $\vec v_2$ an einen gemeinsamen Anfangspunkt; der Vektor von der Spitze von $\vec v_1$ zur Spitze von $\vec v_2$ ist $\Delta\vec v$.
    $$ \Delta\vec v = \vec v_2 - \vec v_1,\qquad \vec a = \frac{\Delta\vec v}{\Delta t} $$
  3. Ähnliche Dreiecke: Das Dreieck aus $\vec v_1$, $\vec v_2$ und $\Delta\vec v$ ist gleichschenklig mit Spitzenwinkel $\Delta\varphi$ – denn beide Geschwindigkeiten stehen senkrecht auf ihren Radien, also haben sie denselben Winkel zueinander wie die Radien. Das Dreieck aus den Radien $MP_1$, $MP_2$ und der Sehne $P_1P_2$ ist ebenfalls gleichschenklig mit Spitzenwinkel $\Delta\varphi$. Beide Dreiecke sind also ähnlich, und entsprechende Seiten stehen im gleichen Verhältnis.
    $$ \frac{\Delta v}{v} = \frac{\overline{P_1P_2}}{r} $$
  4. Kleiner Zeitschritt: Für $\Delta t\to 0$ wird die Sehne $\overline{P_1P_2}$ gleich dem Bogen $\Delta s = v\Delta t$ (Sehne und Bogen unterscheiden sich für kleine Winkel nicht mehr). Einsetzen und nach $\Delta v$ auflösen.
    $$ \frac{\Delta v}{v} = \frac{v\,\Delta t}{r}\quad\Rightarrow\quad \Delta v = \frac{v^2}{r}\,\Delta t $$
  5. Betrag der Beschleunigung: Durch $\Delta t$ teilen. Das Ergebnis hängt nicht mehr von $\Delta t$ ab – die Beschleunigung ist konstant im Betrag. Mit $v = \omega r$ lässt sie sich auch durch die Winkelgeschwindigkeit ausdrücken.
    $$ a_z = \frac{\Delta v}{\Delta t} = \frac{v^2}{r} = \omega^2 r $$
  6. Richtung: Im gleichschenkligen Dreieck aus $\vec v_1$, $\vec v_2$, $\Delta\vec v$ sind die Basiswinkel $\tfrac12(180^\circ - \Delta\varphi)$. Für $\Delta\varphi\to 0$ gehen sie gegen $90^\circ$: $\Delta\vec v$ steht dann senkrecht auf $\vec v$, also parallel zum Radius – und zwar nach innen, denn $\vec v_2$ ist gegenüber $\vec v_1$ zum Kreisinneren hin gedreht. Die Beschleunigung zeigt zum Mittelpunkt.
    $$ \vec a_z \perp \vec v,\quad \vec a_z \text{ zeigt zu } M $$
Schlusssatz (im Abitur Pflicht): Ein Körper auf einer Kreisbahn mit konstantem Tempo $v$ erfährt eine Beschleunigung vom Betrag $a_z = v^2/r = \omega^2 r$, die stets zum Mittelpunkt gerichtet ist; nach Newton 2 muss dafür eine resultierende Kraft $F_z = mv^2/r$ zum Mittelpunkt wirken, was zu zeigen war.

Formeln, die du sicher können musst

Größe / GesetzFormelWas sie sagt · wann sie gilt
Winkelgeschwindigkeit$\omega = \dfrac{2\pi}{T} = 2\pi f$Winkel pro Zeit im Bogenmaß; $\mathrm{s^{-1}}$; $f = 1/T$
Bahngeschwindigkeit$v = \dfrac{2\pi r}{T} = \omega r$tangential; Umfang pro Umlaufdauer
Zentripetalbeschleunigung$a_z = \dfrac{v^2}{r} = \omega^2 r$zum Mittelpunkt; ändert nur die Richtung von $\vec v$
Zentripetalkraft$F_z = \dfrac{m v^2}{r} = m\,\omega^2 r$Betrag der resultierenden Kraft zum Mittelpunkt – keine zusätzliche Kraft
Kurvenfahrt$\dfrac{m v^2}{r} \le \mu\, m g$Haftreibung liefert $F_z$; $v_{max} = \sqrt{\mu g r}$, unabhängig von $m$
Kettenkarussell$\tan\varphi = \dfrac{v^2}{r g}$aus $F_S\sin\varphi = mv^2/r$ und $F_S\cos\varphi = mg$; $\varphi$ unabhängig von $m$
Looping oben$F_N + m g = \dfrac{m v^2}{r}$$F_N\ge 0$ ⇒ $v_{min} = \sqrt{gr}$; unten $F_N - mg = mv^2/r$
Satellit$G\dfrac{M m}{r^2} = \dfrac{m v^2}{r}\ \Rightarrow\ v = \sqrt{\dfrac{GM}{r}}$$r$ vom Erdmittelpunkt; $T^2 = \dfrac{4\pi^2}{GM}r^3$ (3. Kepler)
Projektion$y(t) = r\sin(\omega t),\quad \ddot y = -\omega^2 y$Kreisbewegung projiziert = harmonische Schwingung; Zeigerdiagramm

Typische Fehler – und wie du die Punkte holst

  • Im Kräfteplan einen eigenen Pfeil „$F_z$“ zusätzlich zu Seilkraft und Gewicht eingezeichnet.
    Nur reale Kräfte zeichnen (Seil, Gewicht, Reibung, Normalkraft, Gravitation, Lorentzkraft). Dann die Resultierende bilden und feststellen: Sie zeigt zum Mittelpunkt und hat den Betrag $mv^2/r$. „Zentripetalkraft“ ist die Rolle, nicht ein weiterer Pfeil.
  • „Zentrifugalkraft und Zentripetalkraft heben sich auf, deshalb bleibt der Körper auf der Kreisbahn.“
    Hielten sich die Kräfte die Waage, wäre die Resultierende null und der Körper flöge geradeaus (Newton 1). Im Laborsystem gibt es keine Zentrifugalkraft; sie ist eine Trägheitskraft im mitrotierenden System. Abitur-Rechnungen: Laborsystem, Resultierende $= mv^2/r$.
  • „Konstante Geschwindigkeit, also keine Beschleunigung“ – und $a = 0$ angesetzt.
    Konstant ist nur der Betrag. Die Richtung ändert sich ständig, $\Delta\vec v\neq 0$, also $a_z = v^2/r \neq 0$ zum Mittelpunkt. Schreib in der Erläuterung ausdrücklich „Geschwindigkeit als Vektor“.
  • Beim Looping oben $F_N - mg = mv^2/r$ geschrieben (Vorzeichen wie unten).
    Oben zeigen Normalkraft und Gewichtskraft nach unten = zum Mittelpunkt: $F_N + mg = mv^2/r$. Unten zeigt $F_N$ nach oben (zum Mittelpunkt), $mg$ nach unten: $F_N - mg = mv^2/r$. Skizze mit Mittelpunkt machen, dann stimmen die Vorzeichen.
  • Satellit: $r$ = Flughöhe eingesetzt statt Erdradius + Höhe; oder $G Mm/r^2 = mv^2/r$ mit verschiedenen $r$.
    $r$ ist immer der Abstand zum Erdmittelpunkt: $r = R_E + h = 6{,}371\cdot 10^6\,\mathrm{m} + h$. Dasselbe $r$ steht auf beiden Seiten. Plausibilitätshaken: $v_{ISS}\approx 7{,}7\,\mathrm{km/s}$, $T\approx 90\,\mathrm{min}$.
  • $\omega = 2\pi f$ mit $f$ in U/min oder Winkel in Grad in $v = \omega r$ eingesetzt.
    $f$ in Hz (U/min durch 60), Winkel im Bogenmaß. $v = \omega r$ gilt nur mit $\omega$ in rad/s. Einheitencheck: $\mathrm{s^{-1}\cdot m = m/s}$.
  • Kettenkarussell: „Die Seilkraft ist die Zentripetalkraft“ – ohne Zerlegung.
    Nur die horizontale Komponente $F_S\sin\varphi$ zeigt zum Mittelpunkt; die vertikale $F_S\cos\varphi$ trägt das Gewicht. Beide Gleichungen aufschreiben, dann $\tan\varphi = v^2/(rg)$. Und $r = R_0 + L\sin\varphi$, nicht $L$.
Abitur-Operatoren bei diesem Thema
  • Erläutern (warum beschleunigt, Rolle der Zentripetalkraft, Mindestgeschwindigkeit im Looping): Phänomen (Richtungsänderung) → Ursache (resultierende Kraft zum Mittelpunkt, reale Kraft benennen) → Gesetz ($F_{res} = mv^2/r$). Begriff „Geschwindigkeit als Vektor“ verwenden.
  • Zeigen / Leiten Sie her ($a_z = v^2/r$, $\tan\varphi = v^2/(rg)$, $v = \sqrt{GM/r}$, $v_{min} = \sqrt{gr}$): Skizze mit Mittelpunkt und allen realen Kräften; Zerlegung in Komponenten; Grenzübergang bei der Dreiecksherleitung nennen; Schlusssatz.
  • Berechnen / Bestimmen: Einheiten (km/h → m/s, U/min → Hz, Grad → rad), $r$ als Abstand zum Mittelpunkt, SCI-3, Antwortsatz mit Plausibilität ($a_z$ in Vielfachen von $g$).
  • Beurteilen (reicht die Reibung? bleibt der Wagen auf der Schiene? Aussage eines Mitschülers über „Fliehkraft“): Bedingung aufstellen ($mv^2/r \le \mu mg$, $F_N\ge 0$), mit Zahlen prüfen, Bezugssystem benennen.
Warum das über die Klausur hinaus wichtig bleibt
Die Kreisbewegung ist das Scharnier zwischen mehreren Abiturthemen: Im Magnetfeld liefert die Lorentzkraft $F_z$ (Fadenstrahlrohr, Massenspektrometer, Zyklotron), bei den Schwingungen ist die Projektion der Kreisbewegung die harmonische Schwingung und das Zeigerdiagramm erklärt Phasen und Interferenz bei Wellen. In Q3 kommt sie im Bohrschen Atommodell wieder (Coulombkraft als Zentripetalkraft, $\dfrac{e^2}{4\pi\varepsilon_0 r^2} = \dfrac{mv^2}{r}$). Im Maschinenbau-Studium rechnest du mit $\omega$ und $m\omega^2 r$ bei Turbinen, Kupplungen, Zentrifugen, Auswuchten von Wellen und bei Fahrdynamik (Kurvengrenzgeschwindigkeit, Überhöhung von Kurven).

5 harte Fragen – hast du es wirklich verstanden?

Offene Aufgaben auf Papier lösen (Zeit stoppen!), erst dann die Lösung aufdecken und ehrlich Punkte geben. Die Ergebnisse werden auf diesem Gerät gespeichert.

Aufgabe 1Offene Aufgabe · ca. 15 min10 P

Kettenkarussell

Bei einem Kettenkarussell hängen die Sitze an $L = 5{,}0\,\mathrm{m}$ langen Ketten, die im Abstand $R_0 = 3{,}0\,\mathrm{m}$ von der Drehachse befestigt sind. Im Betrieb bilden die Ketten einen Winkel von $\varphi = (30 \pm 2)^\circ$ zur Senkrechten. Eine Person hat zusammen mit dem Sitz die Masse $m = 60\,\mathrm{kg}$.

  1. Zeichne alle am Sitz angreifenden Kräfte in eine Skizze ein und leite die Beziehung $\tan\varphi = \dfrac{v^2}{r g}$ her.
  2. Berechne Bahnradius, Bahngeschwindigkeit, Umlaufdauer und die Kettenkraft.
  3. Gib unter Berücksichtigung der Winkelunsicherheit ein Intervall für die Umlaufdauer an. Ein Mitschüler behauptet, ein doppelt so schwerer Fahrgast hänge bei gleicher Drehzahl weiter außen. Beurteile die Aussage.
Erwartungshorizont
  • 3 Pa) Skizze: Gewichtskraft $mg$ senkrecht nach unten, Kettenkraft $F_S$ entlang der Kette, kein zusätzlicher $F_z$-Pfeil; Zerlegung $F_S\cos\varphi = mg$ (vertikal, keine Beschleunigung) und $F_S\sin\varphi = mv^2/r$ (horizontale Resultierende = Zentripetalkraft); Division ⇒ $\tan\varphi = v^2/(rg)$
  • 3 Pb) $r = R_0 + L\sin\varphi = 5{,}5\,\mathrm{m}$; $v = \sqrt{rg\tan\varphi} = 5{,}58\,\mathrm{m/s}$; $T = 2\pi r/v = 6{,}19\,\mathrm{s}$; $F_S = mg/\cos\varphi = 680\,\mathrm{N}$
  • 2 Pc) $\varphi = 28^\circ$: $T = 6{,}36\,\mathrm{s}$; $\varphi = 32^\circ$: $T = 6{,}03\,\mathrm{s}$ ⇒ $T = (6{,}2\pm 0{,}2)\,\mathrm{s}$
  • 2 Pc) Aussage falsch: In $\tan\varphi = \omega^2 r/g$ kommt $m$ nicht vor (kürzt sich aus beiden Komponentengleichungen); bei gleicher Drehzahl gleicher Winkel, gleicher Radius; nur die Kettenkraft verdoppelt sich
Musterlösung

a) Skizze: Drehachse senkrecht, Aufhängung im Abstand $R_0$, Kette unter $\varphi$ zur Senkrechten, Sitz am Ende; Kreisbahn horizontal mit Radius $r = R_0 + L\sin\varphi$ und Mittelpunkt auf der Achse. Am Sitz greifen genau zwei Kräfte an: die Gewichtskraft $mg$ senkrecht nach unten und die Kettenkraft $F_S$ entlang der Kette schräg nach oben.

Der Sitz bewegt sich in einer horizontalen Ebene, hat also vertikal keine Beschleunigung: Die vertikale Komponente der Kettenkraft trägt das Gewicht, $F_S\cos\varphi = mg$. Horizontal wirkt nur die horizontale Komponente der Kettenkraft; sie zeigt zur Achse und ist die resultierende Kraft, die die Kreisbahn erzwingt – sie übernimmt die Rolle der Zentripetalkraft: $F_S\sin\varphi = \dfrac{mv^2}{r}$. Division der zweiten durch die erste Gleichung: $$\frac{F_S\sin\varphi}{F_S\cos\varphi} = \frac{mv^2/r}{mg}\qquad\Rightarrow\qquad \tan\varphi = \frac{v^2}{r\,g},$$ was zu zeigen war. Masse und Kettenkraft kürzen sich heraus.

b) Radius: $r = R_0 + L\sin\varphi = 3{,}0\,\mathrm{m} + 5{,}0\,\mathrm{m}\cdot\sin 30^\circ = 5{,}5\,\mathrm{m}$.
Geschwindigkeit: $v = \sqrt{r g\tan\varphi} = \sqrt{5{,}5\,\mathrm{m}\cdot 9{,}81\,\mathrm{m/s^2}\cdot\tan 30^\circ} = \sqrt{31{,}2}\,\mathrm{m/s} = 5{,}58\,\mathrm{m/s}$.
Umlaufdauer: $T = \dfrac{2\pi r}{v} = \dfrac{2\pi\cdot 5{,}5\,\mathrm{m}}{5{,}58\,\mathrm{m/s}} = 6{,}19\,\mathrm{s}$.
Kettenkraft: $F_S = \dfrac{mg}{\cos\varphi} = \dfrac{60\,\mathrm{kg}\cdot 9{,}81\,\mathrm{m/s^2}}{\cos 30^\circ} = 680\,\mathrm{N}$ (Kontrolle: $F_S\sin 30^\circ = 340\,\mathrm{N}$ und $mv^2/r = 60\cdot 31{,}2/5{,}5\,\mathrm{N} = 340\,\mathrm{N}$ – stimmt).
Der Sitz läuft mit $5{,}58\,\mathrm{m/s}$ auf einem Kreis von $5{,}5\,\mathrm{m}$ Radius, ein Umlauf dauert $6{,}2\,\mathrm{s}$, die Kette wird mit $680\,\mathrm{N}$ belastet – etwa das $1{,}15$-fache des Gewichts.

c) Für $\varphi = 28^\circ$: $r = 5{,}35\,\mathrm{m}$, $v = \sqrt{5{,}35\cdot 9{,}81\cdot\tan 28^\circ}\,\mathrm{m/s} = 5{,}28\,\mathrm{m/s}$, $T = 6{,}36\,\mathrm{s}$. Für $\varphi = 32^\circ$: $r = 5{,}65\,\mathrm{m}$, $v = 5{,}88\,\mathrm{m/s}$, $T = 6{,}03\,\mathrm{s}$. Die Umlaufdauer liegt also bei $T = (6{,}2\pm 0{,}2)\,\mathrm{s}$ – schon $\pm 2^\circ$ Ablesefehler beim Winkel machen $3\,\%$ in $T$ aus; eine direkte Zeitmessung (mehrere Umläufe stoppen) wäre genauer.

Beurteilung: Die Behauptung ist falsch. Bei gleicher Drehzahl ist $\omega$ gleich, und aus $\tan\varphi = \dfrac{v^2}{rg} = \dfrac{\omega^2 r}{g}$ mit $r = R_0 + L\sin\varphi$ folgt der Winkel $\varphi$ ohne jede Abhängigkeit von $m$ – die Masse kürzt sich aus beiden Komponentengleichungen heraus. Schwerer und leichter Fahrgast hängen gleich schräg und laufen auf demselben Radius. Was sich verdoppelt, ist die Kettenkraft $F_S = mg/\cos\varphi$, nicht der Winkel. (Anschaulich: Die doppelte Masse braucht die doppelte Zentripetalkraft, bekommt aber auch die doppelte Gewichtskraft – das Verhältnis beider, und damit der Winkel, bleibt.)

Typische Fehler → so holst du die Punkte
Häufigste Fehler: $r = L\sin\varphi$ statt $R_0 + L\sin\varphi$; ein dritter Pfeil „$F_z$“ oder „Fliehkraft“ in der Skizze; bei c) „ja, weil schwerer“ ohne Blick auf die Formel. Bei der Unsicherheit beide Grenzen rechnen, nicht nur einen Wert ± Schätzung.
Meine Punkte:
Aufgabe 2Offene Aufgabe · ca. 12 min8 P

Herleitung und Looping

Ein Achterbahnwagen (Masse mit Insassen $m = 70\,\mathrm{kg}$ pro Sitz) durchfährt einen kreisförmigen Looping mit Radius $r = 8{,}0\,\mathrm{m}$.

  1. Leite mit einer Skizze her, dass die Beschleunigung bei einer gleichförmigen Kreisbewegung zum Mittelpunkt zeigt und den Betrag $a_z = v^2/r$ hat.
  2. Erläutere, welche Kräfte im höchsten Punkt des Loopings wirken, und bestimme die Mindestgeschwindigkeit, mit der der Wagen den höchsten Punkt durchfahren muss.
  3. Der Wagen passiert den höchsten Punkt mit $12\,\mathrm{m/s}$. Berechne die Kraft, mit der die Schiene dort auf einen Insassen wirkt, und vergleiche mit seinem Gewicht.
Erwartungshorizont
  • 3 Pa) Skizze $P_1$, $P_2$, $\vec v_1$, $\vec v_2$, $\Delta\vec v$; ähnliche gleichschenklige Dreiecke mit Spitzenwinkel $\Delta\varphi$: $\Delta v/v = \Delta s/r$; $\Delta s = v\Delta t$ ⇒ $a = \Delta v/\Delta t = v^2/r$; Richtung: für $\Delta t\to 0$ steht $\Delta\vec v$ senkrecht auf $\vec v$, zum Mittelpunkt
  • 3 Pb) Oben: Gewichtskraft und Normalkraft beide nach unten (zum Mittelpunkt), Summe = $mv^2/r$; Schiene kann nur drücken: $F_N\ge 0$ ⇒ $mg \le mv^2/r$ ⇒ $v_{min} = \sqrt{gr} = 8{,}86\,\mathrm{m/s}$
  • 2 Pc) $F_N = mv^2/r - mg = 1260\,\mathrm{N} - 687\,\mathrm{N} = 573\,\mathrm{N}$, Schiene drückt von oben mit dem $0{,}83$-fachen Gewicht; Insasse wird in den Sitz gedrückt (kein Herausfallen)
Musterlösung

a) Skizze: Kreis mit Mittelpunkt $M$, zwei nahe Bahnpunkte $P_1$ und $P_2$ (Winkel $\Delta\varphi$ zwischen den Radien), an beiden die tangentialen Geschwindigkeitspfeile gleicher Länge $v$; daneben beide Pfeile mit gemeinsamem Anfangspunkt und der Differenzvektor $\Delta\vec v$ von der Spitze von $\vec v_1$ zur Spitze von $\vec v_2$.

In der Zeit $\Delta t$ legt der Körper den Bogen $\Delta s = v\Delta t$ zurück. Da $\vec v_1\perp MP_1$ und $\vec v_2\perp MP_2$, schließen die Geschwindigkeiten denselben Winkel $\Delta\varphi$ ein wie die Radien. Das Dreieck ($\vec v_1$, $\vec v_2$, $\Delta\vec v$) und das Dreieck ($MP_1$, $MP_2$, Sehne) sind beide gleichschenklig mit Spitzenwinkel $\Delta\varphi$, also ähnlich: $\dfrac{\Delta v}{v} = \dfrac{\overline{P_1P_2}}{r}$. Für kleines $\Delta t$ ist die Sehne gleich dem Bogen, $\overline{P_1P_2}\approx\Delta s = v\Delta t$, also $\Delta v = \dfrac{v^2}{r}\Delta t$ und $$a_z = \frac{\Delta v}{\Delta t} = \frac{v^2}{r}.$$ Richtung: Die Basiswinkel des Geschwindigkeitsdreiecks sind $\tfrac12(180^\circ - \Delta\varphi)$ und gehen für $\Delta\varphi\to 0$ gegen $90^\circ$; $\Delta\vec v$ steht dann senkrecht auf $\vec v$, zeigt also entlang des Radius – nach innen, weil $\vec v_2$ gegenüber $\vec v_1$ zum Kreisinneren gedreht ist. Die Beschleunigung zeigt zum Mittelpunkt, was zu zeigen war.

b) Im höchsten Punkt greifen zwei Kräfte an: die Gewichtskraft $mg$ (nach unten) und die Normalkraft $F_N$ der Schiene (nach unten, weil die Schiene von oben auf den Wagen drückt). Beide zeigen zum Mittelpunkt des Loopings; ihre Summe ist die resultierende Kraft, die die Kreisbahn erzwingt: $F_N + mg = \dfrac{mv^2}{r}$. Die Schiene kann nur drücken, nicht ziehen: $F_N\ge 0$. Grenzfall $F_N = 0$: $mg = \dfrac{mv^2}{r}$, also $$v_{min} = \sqrt{g\,r} = \sqrt{9{,}81\,\mathrm{m/s^2}\cdot 8{,}0\,\mathrm{m}} = 8{,}86\,\mathrm{m/s}.$$ Unterhalb von $8{,}9\,\mathrm{m/s}$ ($32\,\mathrm{km/h}$) reicht die Gewichtskraft allein schon für mehr Krümmung, als die Bahn hat – der Wagen würde sich von der Schiene lösen und eine Wurfparabel nach innen fliegen. Die Mindestgeschwindigkeit ist unabhängig von der Masse.

c) $F_N = \dfrac{mv^2}{r} - mg = \dfrac{70\,\mathrm{kg}\cdot(12\,\mathrm{m/s})^2}{8{,}0\,\mathrm{m}} - 70\,\mathrm{kg}\cdot 9{,}81\,\mathrm{m/s^2} = 1260\,\mathrm{N} - 687\,\mathrm{N} = 573\,\mathrm{N}$. Der Sitz drückt den Insassen im höchsten Punkt mit $573\,\mathrm{N}$ nach unten (zum Mittelpunkt) – das ist das $0{,}83$-fache seines Gewichts. Er wird also auch kopfüber fest in den Sitz gedrückt und fällt nicht heraus; sein Körper „fühlt“ $1260\,\mathrm{N}$ Gesamtkraft zum Mittelpunkt, also $1{,}8\,g$.

Typische Fehler → so holst du die Punkte
Bei a) wird der Grenzübergang (Sehne → Bogen, Basiswinkel → 90°) oft weggelassen – ohne ihn fehlt die Richtung und ein Punkt. Bei b) ist $F_N - mg$ (Vorzeichen von unten) der Klassiker. Bei c) nicht $F_N = mg + mv^2/r$ rechnen – oben addieren sich Normalkraft und Gewicht zur Zentripetalkraft, nicht Normalkraft und Zentripetalkraft zum Gewicht.
Meine Punkte:
Aufgabe 3Offene Aufgabe · ca. 15 min10 P

Transfer: Satellitenbahn und Mond

Die Internationale Raumstation umrundet die Erde auf einer nahezu kreisförmigen Bahn in $h = 400\,\mathrm{km}$ Höhe. Erdmasse $M = 5{,}972\cdot 10^{24}\,\mathrm{kg}$, Erdradius $R_E = 6371\,\mathrm{km}$, $G = 6{,}674\cdot 10^{-11}\,\mathrm{N\,m^2/kg^2}$.

  1. Zeige, dass für die Bahngeschwindigkeit eines Satelliten $v = \sqrt{\dfrac{GM}{r}}$ gilt, und berechne $v$ und die Umlaufdauer der ISS.
  2. Ein Astronaut sagt, in der Station herrsche Schwerelosigkeit, weil die Anziehung der Erde dort „praktisch null“ sei. Berechne die Fallbeschleunigung in $400\,\mathrm{km}$ Höhe und beurteile die Aussage.
  3. Der Mond umrundet die Erde in $T = 27{,}3\,\mathrm{d}$ im Abstand $3{,}84\cdot 10^8\,\mathrm{m}$. Bestimme seine Zentripetalbeschleunigung und zeige, dass sie mit dem Gravitationsgesetz verträglich ist (Vergleich mit $g$ an der Erdoberfläche).
Erwartungshorizont
  • 3 Pa) Gravitation als einzige Kraft = Zentripetalkraft: $GMm/r^2 = mv^2/r$ ⇒ $v = \sqrt{GM/r}$ ($m$ kürzt sich); $r = R_E + h = 6{,}77\cdot 10^6\,\mathrm{m}$; $v = 7{,}67\cdot 10^3\,\mathrm{m/s}$; $T = 2\pi r/v = 5{,}55\cdot 10^3\,\mathrm{s} = 92{,}4\,\mathrm{min}$
  • 3 Pb) $g_h = GM/r^2 = 8{,}69\,\mathrm{m/s^2}$ ($89\,\%$ von $g$); Aussage falsch – Schwerelosigkeit, weil Station und Astronaut im freien Fall mit derselben Beschleunigung um die Erde „fallen“ (Gravitation ist genau die Zentripetalkraft, keine Stützkraft)
  • 2 Pc) $a_z = \dfrac{4\pi^2 r}{T^2} = 2{,}72\cdot 10^{-3}\,\mathrm{m/s^2}$
  • 2 Pc) $g/a_z = 3600$ und $(r/R_E)^2 = 3630$ bzw. $GM/r^2 = 2{,}70\cdot 10^{-3}\,\mathrm{m/s^2}$ – Abweichung $\approx 1\,\%$: verträglich mit $F\propto 1/r^2$ (Newtons „Mondrechnung“)
Musterlösung

a) Auf den Satelliten wirkt nur die Gravitationskraft $F_G = G\dfrac{Mm}{r^2}$, gerichtet zum Erdmittelpunkt. Für eine Kreisbahn muss die resultierende Kraft zum Mittelpunkt den Betrag $mv^2/r$ haben; die Gravitation übernimmt also die Rolle der Zentripetalkraft: $$G\frac{Mm}{r^2} = \frac{mv^2}{r}\qquad\Rightarrow\qquad v^2 = \frac{GM}{r}\qquad\Rightarrow\qquad v = \sqrt{\frac{GM}{r}},$$ unabhängig von der Satellitenmasse, was zu zeigen war. Mit $r = R_E + h = 6{,}371\cdot 10^6\,\mathrm{m} + 0{,}400\cdot 10^6\,\mathrm{m} = 6{,}771\cdot 10^6\,\mathrm{m}$: $$v = \sqrt{\frac{6{,}674\cdot 10^{-11}\cdot 5{,}972\cdot 10^{24}}{6{,}771\cdot 10^6}}\,\mathrm{m/s} = \sqrt{5{,}886\cdot 10^7}\,\mathrm{m/s} = 7{,}67\cdot 10^{3}\,\mathrm{m/s},\qquad T = \frac{2\pi r}{v} = \frac{2\pi\cdot 6{,}771\cdot 10^6\,\mathrm{m}}{7{,}67\cdot 10^3\,\mathrm{m/s}} = 5{,}55\cdot 10^3\,\mathrm{s} = 92{,}4\,\mathrm{min}.$$ Die ISS fliegt mit $7{,}67\,\mathrm{km/s}$ ($27\,600\,\mathrm{km/h}$) und braucht $92\,\mathrm{min}$ für einen Umlauf – knapp 16 Umläufe pro Tag.

b) Fallbeschleunigung in der Höhe $h$: $g_h = \dfrac{GM}{r^2} = \dfrac{6{,}674\cdot 10^{-11}\cdot 5{,}972\cdot 10^{24}}{(6{,}771\cdot 10^6)^2}\,\mathrm{m/s^2} = 8{,}69\,\mathrm{m/s^2}$ – das sind $89\,\%$ des Wertes an der Erdoberfläche. Die Anziehung ist also keineswegs „praktisch null“; die Aussage ist falsch. Schwerelosigkeit entsteht, weil Station und Astronaut beide genau mit $g_h$ zur Erde hin beschleunigt werden: Die Gravitation wird vollständig als Zentripetalkraft „verbraucht“, um die Kreisbahn zu erzwingen, und es bleibt keine Stützkraft zwischen Boden und Astronaut übrig ($F_N = 0$). Die ISS fällt ständig um die Erde herum – wie ein Looping-Wagen genau bei $v_{min}$, nur ohne Schiene. Schwerelosigkeit heißt „freier Fall“, nicht „keine Gravitation“.

c) Umlaufdauer $T = 27{,}3\,\mathrm{d} = 27{,}3\cdot 86\,400\,\mathrm{s} = 2{,}359\cdot 10^6\,\mathrm{s}$. Zentripetalbeschleunigung aus der Bahn: $$a_z = \omega^2 r = \frac{4\pi^2 r}{T^2} = \frac{4\pi^2\cdot 3{,}84\cdot 10^8\,\mathrm{m}}{(2{,}359\cdot 10^6\,\mathrm{s})^2} = 2{,}72\cdot 10^{-3}\,\mathrm{m/s^2}.$$ Vergleich mit dem Gravitationsgesetz: Nimmt die Anziehung mit $1/r^2$ ab, muss $\dfrac{g}{a_z} = \left(\dfrac{r}{R_E}\right)^2$ gelten. Links: $\dfrac{9{,}81}{2{,}72\cdot 10^{-3}} = 3{,}61\cdot 10^3$. Rechts: $\left(\dfrac{3{,}84\cdot 10^8}{6{,}371\cdot 10^6}\right)^2 = 60{,}3^2 = 3{,}63\cdot 10^3$. Beide Werte stimmen auf $1\,\%$ überein (direkt: $GM/r^2 = 2{,}70\cdot 10^{-3}\,\mathrm{m/s^2}$). Die Mondbahn ist also genau mit dem Gravitationsgesetz $F\propto 1/r^2$ verträglich – dieselbe Rechnung, mit der Newton zeigte, dass der fallende Apfel und der Mond derselben Kraft gehorchen. Die kleine Abweichung kommt daher, dass die Mondbahn eine Ellipse ist und der Mond nicht um den Erdmittelpunkt, sondern um den gemeinsamen Schwerpunkt läuft.

Typische Fehler → so holst du die Punkte
$r$ ist nicht die Höhe – $R_E$ addieren (bei a und b). Bei b) genügt „weil sie fallen“ nicht: Der Punkt kommt für die Rechnung $g_h = 8{,}69\,\mathrm{m/s^2}$ und den Zusammenhang „Gravitation = Zentripetalkraft, keine Normalkraft“. Bei c) Tage in Sekunden umrechnen und das Verhältnis der Quadrate bilden, nicht der Radien.
Meine Punkte:
Aufgabe 4Multiple Choice · genau eine Antwort2 P

Ein Stein kreist an einer Schnur auf einer reibungsfreien Tischplatte. Plötzlich reißt die Schnur. Wie bewegt sich der Stein unmittelbar danach (von oben betrachtet)?

Aufgabe 5Multiple Choice · genau eine Antwort2 P

Ein Elektron läuft im homogenen Magnetfeld auf einer Kreisbahn mit Radius $r$ und Umlaufdauer $T$. Welche Aussage zur Zentripetalkraft ist richtig?

Meine Notizen zu „Kreisbewegung & Zentripetalkraft“

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