Mathe-Werkzeug für die Physik: Winkel, Näherungen, Ableiten, Einheiten
Die vier Werkzeuge, an denen Physikklausuren wirklich scheitern – sauber erklärt und an LK-Beispielen geübt.
Vorwissen aus den Jahren davor – kurz prüfen
Tippe auf eine Frage, erst selbst antworten, dann vergleichen. Wenn etwas wackelt: zuerst dort nachlesen, sonst stolperst du im neuen Stoff.
Welche Seite im rechtwinkligen Dreieck heißt wie – und was sagt der Satz des Pythagoras?
Wie rechnet man Prozent und „relative Abweichung“?
Wie löst man eine Gleichung nach einer Variablen auf (Äquivalenzumformungen)?
Potenzgesetze: Was ist 10³ · 10⁻⁵, (10²)³ und 10⁻²?
Bruchrechnung: Was ist 1 geteilt durch einen Bruch? Wie kürzt man Doppelbrüche?
Was ist die Steigung einer Geraden, und wie liest man sie aus einem Graphen ab?
Trigonometrie im rechtwinkligen Dreieck – und wo sie in der Physik steckt
Alle drei Winkelfunktionen sind Seitenverhältnisse im rechtwinkligen Dreieck. Vom Winkel $\alpha$ aus gesehen:
$$\sin\alpha = \frac{\text{Gegenkathete}}{\text{Hypotenuse}},\qquad \cos\alpha = \frac{\text{Ankathete}}{\text{Hypotenuse}},\qquad \tan\alpha = \frac{\text{Gegenkathete}}{\text{Ankathete}} = \frac{\sin\alpha}{\cos\alpha}$$Merkhilfe „GAGA HHAG“: Gegenkathete, Ankathete, Gegenkathete über Hypotenuse, Hypotenuse, Ankathete. Die entscheidende Frage in jeder Aufgabe lautet: Welche zwei Seiten kenne ich bzw. brauche ich? Daraus folgt die Funktion. Beispiel: Eine Kraft $F = 10{,}0\,\mathrm{N}$ wirkt unter $30^\circ$ zur Waagerechten. Die waagerechte Komponente ist die Ankathete zur Hypotenuse $F$: $F_x = F\cos 30^\circ = 8{,}66\,\mathrm{N}$; die senkrechte ist die Gegenkathete: $F_y = F\sin 30^\circ = 5{,}00\,\mathrm{N}$. Kontrolle: $\sqrt{8{,}66^2 + 5{,}00^2} = 10{,}0$.
| Situation im LK | Dreieck | Formel |
|---|---|---|
| Doppelspalt/Gitter, Dreieck an den Spalten | Hypotenuse $g$, Gegenkathete $\Delta s$ | $\Delta s = g\sin\alpha$ |
| Doppelspalt, Dreieck Spalt–Schirm | Ankathete $a$, Gegenkathete $x$ | $\tan\alpha = \dfrac{x}{a}$ |
| Arbeit bei schräg ziehender Kraft | Komponente in Wegrichtung | $F_s = F\cos\varphi$, also $W = F s\cos\varphi$ |
| Schiefe Ebene (Neigung $\alpha$) | $F_G$ als Hypotenuse | $F_H = mg\sin\alpha$, $F_N = mg\cos\alpha$ |
| Kettenkarussell (Seil unter $\varphi$ zur Senkrechten) | $F_z$ gegenüber, $F_G$ anliegend | $\tan\varphi = \dfrac{F_z}{F_G} = \dfrac{v^2}{r g}$ |
| Brechung | Einfalls- und Brechungswinkel zum Lot | $\dfrac{\sin\alpha}{\sin\beta} = \dfrac{c_1}{c_2}$ |
Zwei Dinge gehen in Klausuren schief. Erstens: Beim Doppelspalt gibt es zwei verschiedene Dreiecke – an den Spalten steht $\sin\alpha = \Delta s/g$, zwischen Spalt und Schirm $\tan\alpha = x/a$. Zweitens: Die Umkehrfunktion. Aus $\sin\alpha = 0{,}3165$ folgt $\alpha = \arcsin(0{,}3165) = 18{,}5^\circ$ (Taschenrechner: $\sin^{-1}$, Modus DEG prüfen – im Modus RAD käme $0{,}322$ heraus, das ist derselbe Winkel im Bogenmaß).
Bogenmaß und Kleinwinkelnäherung – mit Grenzen
Ein Winkel lässt sich statt in Grad auch als Bogenlänge am Einheitskreis angeben: $\alpha_{\mathrm{rad}} = \dfrac{\text{Bogenlänge}}{\text{Radius}}$. Der volle Kreis hat den Umfang $2\pi r$, also $360^\circ = 2\pi$ und
$$\alpha_{\mathrm{rad}} = \alpha^\circ\cdot\frac{\pi}{180^\circ}$$Zum Beispiel $30^\circ = \dfrac{\pi}{6} = 0{,}524$, $90^\circ = \dfrac{\pi}{2} = 1{,}571$, $180^\circ = \pi$ und $360^\circ = 2\pi = 6{,}283$.
Das Bogenmaß hat keine Einheit (Länge durch Länge); man schreibt zur Erinnerung „rad“. Darum steht die Kreisfrequenz $\omega = \dfrac{2\pi}{T}$ in $\mathrm{rad/s}$ bzw. einfach $\mathrm{s^{-1}}$: Bei $T = 0{,}50\,\mathrm{s}$ ist $\omega = 12{,}6\,\mathrm{s^{-1}}$ (und nicht $720^\circ\mathrm{/s}$). Nur im Bogenmaß gilt $v = \omega r$ (Bogen $= r\cdot\varphi$), und nur im Bogenmaß stimmt $y(t) = \hat y\sin(\omega t)$. Taschenrechner bei Schwingungen also auf RAD stellen, bei Dreiecksaufgaben auf DEG – und vor jeder Rechnung hinschauen.
Kleinwinkelnäherung. Für kleine Winkel sind Gegenkathete, Bogen und Tangentenstück fast gleich lang (siehe Simulation und Herleitung): $\sin\alpha\approx\alpha\approx\tan\alpha$ – mit $\alpha$ im Bogenmaß. Wer $5^\circ$ einsetzt und $\sin 5^\circ \approx 5$ schreibt, liegt um den Faktor $57$ daneben ($\sin 5^\circ = 0{,}0872$). Wie groß der Fehler ist, sagt die Tabelle:
| $\alpha$ | $\alpha$ in rad | $\sin\alpha$ | $\tan\alpha$ | $\frac{\alpha-\sin\alpha}{\sin\alpha}$ | $\frac{\tan\alpha-\alpha}{\alpha}$ | $\frac{\tan\alpha-\sin\alpha}{\sin\alpha}$ |
|---|---|---|---|---|---|---|
| $1^\circ$ | 0,01745 | 0,01745 | 0,01746 | 0,005 % | 0,010 % | 0,015 % |
| $5^\circ$ | 0,08727 | 0,08716 | 0,08749 | 0,13 % | 0,25 % | 0,38 % |
| $10^\circ$ | 0,17453 | 0,17365 | 0,17633 | 0,51 % | 1,03 % | 1,54 % |
| $20^\circ$ | 0,34907 | 0,34202 | 0,36397 | 2,06 % | 4,27 % | 6,42 % |
| $30^\circ$ | 0,52360 | 0,50000 | 0,57735 | 4,72 % | 10,3 % | 15,5 % |
Faustregel: Bis etwa $5^\circ$ ist der Fehler kleiner als $0{,}4\,\%$ – unterhalb der Ablesegenauigkeit jeder Schulmessung. Bei $10^\circ$ liegt $\tan$ schon $1{,}5\,\%$ über $\sin$, bei $20^\circ$ sind es $6\,\%$. Zwei Grenzfälle aus dem LK:
- Doppelspalt – erlaubt. $g = 0{,}25\,\mathrm{mm}$, $\lambda = 633\,\mathrm{nm}$: $\sin\alpha_1 = \lambda/g = 2{,}53\cdot 10^{-3}$, also $\alpha_1 = 0{,}145^\circ$. Hier ist $x \ll a$, und $\sin\alpha = \tan\alpha$ auf sechs Stellen. Die Näherung $x_n = n\lambda a/g$ ist zulässig – aber die Begründung „$x\ll a$, kleine Winkel“ muss dastehen.
- Gitter – verboten. $500$ Striche pro mm, also $g = 2{,}00\cdot 10^{-6}\,\mathrm{m}$: $\sin\alpha_1 = 0{,}3165$, $\alpha_1 = 18{,}5^\circ$. Exakt liegt das erste Maximum bei $x_1 = a\tan\alpha_1 = 0{,}500\,\mathrm{m}$ (für $a = 1{,}50\,\mathrm{m}$), die Näherung liefert $0{,}475\,\mathrm{m}$ – $5\,\%$ daneben, in der 2. Ordnung ($\alpha_2 = 39{,}3^\circ$) schon $23\,\%$. Beim Gitter immer exakt: $\sin\alpha_n = n\lambda/g$ und $\tan\alpha_n = x_n/a$ getrennt rechnen.
Formeln umstellen – Wurzeln, Quotienten, quadratische Gleichungen
Umstellen ist Gleichungslösen mit Buchstaben. Das Prinzip bleibt: Auf beiden Seiten dieselbe Operation, die gesuchte Größe isolieren, und bei jedem Schritt notieren, was du tust. Drei Muster decken fast alles im LK ab.
Muster 1: Wurzel. Federpendel $T = 2\pi\sqrt{\dfrac{m}{D}}$, gesucht $D$. Erst durch $2\pi$ teilen, dann quadrieren (die Wurzel verschwindet), dann den Bruch auflösen:
$$\frac{T}{2\pi} = \sqrt{\frac{m}{D}}\;\;\Rightarrow\;\;\frac{T^2}{4\pi^2} = \frac{m}{D}\;\;\Rightarrow\;\;D = \frac{4\pi^2 m}{T^2}$$Zahlenprobe: $m = 0{,}200\,\mathrm{kg}$, $T = 0{,}80\,\mathrm{s}$ ergibt $D = \dfrac{4\pi^2\cdot 0{,}200\,\mathrm{kg}}{0{,}64\,\mathrm{s^2}} = 12{,}3\,\mathrm{N/m}$. Kehrwertfalle: $D = \dfrac{T^2}{4\pi^2 m}$ wäre falsch – $D$ steht unten im Bruch, nach dem Kehrwertbilden also oben. Kontrolle mit der Einheit: $\mathrm{kg/s^2} = \mathrm{N/m}$, denn $\mathrm{N} = \mathrm{kg\,m/s^2}$. Genauso: $T = 2\pi\sqrt{l/g}$ ergibt $g = \dfrac{4\pi^2 l}{T^2}$ und $l = \dfrac{g T^2}{4\pi^2}$.
Muster 2: Quotienten und Produkte. Aus $x_n = \dfrac{n\lambda a}{g}$ folgt $\lambda = \dfrac{x_n g}{n a}$: Was im Zähler steht, kommt beim Auflösen nach unten, was im Nenner steht, nach oben. Hall-Spannung $U_H = \dfrac{IB}{nqd}$ nach $n$ aufgelöst: $n = \dfrac{IB}{U_H\, q\, d}$. Kondensator $C = \dfrac{\varepsilon_0\varepsilon_r A}{d}$ nach $d$: $d = \dfrac{\varepsilon_0\varepsilon_r A}{C}$. Doppelbrüche sofort auflösen: $\dfrac{1}{a/b} = \dfrac{b}{a}$.
Muster 3: Quadratische Gleichung. Taucht die Gesuchte quadratisch und linear auf, etwa bei $s = v_0 t + \tfrac12 a t^2$ (gesucht $t$), bringst du alles auf eine Seite und teilst durch den Faktor vor $t^2$, bis die Normalform $t^2 + p\,t + q = 0$ dasteht. Dann die $pq$-Formel:
$$t_{1,2} = -\frac{p}{2}\pm\sqrt{\frac{p^2}{4} - q}$$Von den zwei Lösungen passt meist nur eine zur Physik (negative Zeiten oder Längen scheiden aus – das begründest du in einem Satz). Steht die Gesuchte nur quadratisch da ($E = \tfrac12 mv^2$), reicht die Wurzel: $v = \sqrt{2E/m}$.
Zehnerpotenzen, Taschenrechner, SCI-3 und Einheitenkontrolle
Die meisten Zahlenfehler in Physikklausuren sind keine Rechenfehler, sondern Zehnerpotenz- und Eingabefehler. Dagegen hilft eine feste Routine: alle Größen in SI-Grundeinheiten umrechnen, bevor sie in die Formel kommen.
| Vorsatz | Zeichen | Faktor | Typisch im LK |
|---|---|---|---|
| Piko | p | $10^{-12}$ | $C = 47\,\mathrm{pF}$ |
| Nano | n | $10^{-9}$ | $\lambda = 633\,\mathrm{nm}$ |
| Mikro | µ | $10^{-6}$ | $C = 100\,\mu\mathrm{F}$, $U_H$ in $\mu\mathrm{V}$ |
| Milli | m | $10^{-3}$ | $g = 0{,}25\,\mathrm{mm}$, $B = 50\,\mathrm{mT}$ |
| Kilo | k | $10^{3}$ | $R = 47\,\mathrm{k\Omega}$, $U = 2{,}5\,\mathrm{kV}$ |
| Mega | M | $10^{6}$ | $f = 100\,\mathrm{MHz}$ |
| Giga | G | $10^{9}$ | $f = 2{,}4\,\mathrm{GHz}$ (WLAN) |
Die Potenzgesetze erledigen den Rest: $10^a\cdot 10^b = 10^{a+b}$, $10^a/10^b = 10^{a-b}$, $(10^a)^b = 10^{ab}$. Vorsicht bei Flächen und Volumina: $1\,\mathrm{cm^2} = (10^{-2}\,\mathrm{m})^2 = 10^{-4}\,\mathrm{m^2}$, $1\,\mathrm{mm^3} = 10^{-9}\,\mathrm{m^3}$.
Taschenrechner – drei Regeln. (1) Zehnerpotenzen über die Taste EXP bzw. EE bzw. ×10ˣ eingeben: „6.33 EXP −7“ ist eine einzige Zahl; „$6{,}33\times 10$ ^ $-7$“ funktioniert zwar auch, verführt aber zu Vorrangfehlern. (2) Klammern um jeden Nenner, der mehr als eine Größe enthält: $\dfrac{IB}{nqd}$ muss als „(I·B) ÷ (n·q·d)“ eingegeben werden. Ohne Klammer rechnet der Taschenrechner $\dfrac{IB}{n}\cdot q\cdot d$ – das Ergebnis ist um viele Zehnerpotenzen falsch, und die Zahl sieht trotzdem „irgendwie“ aus. Genauso $\dfrac{1}{2\pi\sqrt{LC}}$: „1 ÷ (2π√(L·C))“. (3) Anzeige auf SCI 3 stellen (wissenschaftliche Schreibweise mit drei gültigen Ziffern). Dann steht $5{,}44\cdot 10^{-7}$ da statt $0{,}000000544$ oder $5{,}4400012\cdot 10^{-7}$ – und du schreibst automatisch das Richtige ab. Zwischenergebnisse behältst du mit mehr Stellen im Speicher (ANS), rundest also erst am Ende.
Einheitenkontrolle als Fehlersuche. Führe die Einheiten beim Einsetzen mit. Kommt nicht die erwartete Einheit heraus, ist die Formel oder das Umstellen falsch – noch bevor du eine Zahl ausgerechnet hast. Drei Beispiele, die im LK ständig auftauchen:
- $\tau = RC$: $\mathrm{\Omega\cdot F} = \dfrac{\mathrm V}{\mathrm A}\cdot\dfrac{\mathrm{A\,s}}{\mathrm V} = \mathrm s$ – eine Zeit, wie es sein muss.
- Feldstärke: $\dfrac{\mathrm V}{\mathrm m} = \dfrac{\mathrm J/\mathrm C}{\mathrm m} = \dfrac{\mathrm{N\,m}}{\mathrm{C\,m}} = \dfrac{\mathrm N}{\mathrm C}$ – darum passen $E = U/d$ und $F = qE$ zusammen.
- Tesla: aus $F = IlB$ folgt $\mathrm T = \dfrac{\mathrm N}{\mathrm{A\,m}}$, aus der Induktion $\mathrm T = \dfrac{\mathrm{V\,s}}{\mathrm{m^2}}$; beides ist dasselbe, denn $\mathrm{V\,A\,s} = \mathrm J = \mathrm{N\,m}$.
Und das Grundgerüst, das du auswendig brauchst: $\mathrm J = \mathrm{N\,m} = \mathrm{kg\,m^2/s^2} = \mathrm{V\,A\,s} = \mathrm{W\,s}$ sowie $1\,\mathrm{eV} = 1{,}602\cdot 10^{-19}\,\mathrm J$.
Proportionalität und Graphen – was eine Formel über die Kurvenform sagt
Eine Formel ist auch eine Aussage über die Form eines Graphen. Wer das sieht, kann Diagramme deuten und Messreihen richtig auftragen.
| Zusammenhang | Graph | Test | Beispiel aus dem LK |
|---|---|---|---|
| $y\propto x$, also $y = k x$ | Ursprungsgerade | $x$ verdoppelt $\Rightarrow$ $y$ verdoppelt | $x_n = \dfrac{\lambda a}{g}\, n$; $F = D s$; $U = R I$ |
| $y\propto \dfrac1x$, also $x\cdot y = $ const | Hyperbel | $x$ verdoppelt $\Rightarrow$ $y$ halbiert | $\Delta x = \dfrac{\lambda a}{g}$ gegen $g$; $C = \dfrac{\varepsilon_0 A}{d}$ gegen $d$ |
| $y\propto x^2$ | Parabel durch den Ursprung | $x$ verdoppelt $\Rightarrow$ $y$ vervierfacht | $E_{\mathrm{kin}} = \tfrac12 mv^2$; $s = \tfrac12 a t^2$; $W = \tfrac12 D s^2$ |
| $y\propto \sqrt{x}$ | liegende Halbparabel | $x$ vervierfacht $\Rightarrow$ $y$ verdoppelt | $T = 2\pi\sqrt{l/g}$; $v = \sqrt{2gh}$ |
| $y = y_0 e^{-x/\tau}$ | fallende e-Kurve | gleiche Schritte $\Rightarrow$ gleicher Faktor | $U(t) = U_0 e^{-t/(RC)}$ |
Linearisieren heißt: die Achsen so wählen, dass eine Gerade herauskommt – denn nur bei einer Geraden kann man mit Lineal und Steigungsdreieck prüfen, ob das Modell stimmt, und aus der Steigung eine Größe bestimmen. Aus $T = 2\pi\sqrt{l/g}$ wird $T^2 = \dfrac{4\pi^2}{g}\,l$: Trägst du $T^2$ gegen $l$ auf, ist die Steigung $4\pi^2/g$. Aus $x_n = \dfrac{\lambda a}{g} n$: $x_n$ gegen $n$, Steigung $\lambda a/g$. Aus $U = U_0 e^{-t/\tau}$ wird durch Logarithmieren $\ln U = \ln U_0 - \dfrac{t}{\tau}$: $\ln U$ gegen $t$, Steigung $-1/\tau$. Wie du daraus mit Ausgleichsgerade, Unsicherheit und Vergleich mit dem Literaturwert die vollen Punkte holst, steht ausführlich auf der Seite Messdaten auswerten.
Ableiten für die Physik – Steigung, Änderungsrate, Kettenregel
Die Ableitung einer Funktion ist die Steigung ihrer Tangente, und physikalisch die momentane Änderungsrate: $v = \dfrac{\mathrm ds}{\mathrm dt}$ (wie schnell ändert sich der Ort), $a = \dfrac{\mathrm dv}{\mathrm dt}$, $I = \dfrac{\mathrm dQ}{\mathrm dt}$ (wie viel Ladung fließt pro Sekunde). Eine negative Ableitung heißt: Die Größe nimmt ab. Das ist bereits ein Plausibilitätshaken – die Spannung am entladenden Kondensator muss eine negative Ableitung haben.
Regeln, die du brauchst: Potenzregel $\left(t^n\right)' = n\,t^{n-1}$ (also $(\tfrac12 a t^2)' = a t$), konstante Faktoren bleiben stehen, Summen werden gliedweise abgeleitet, Produktregel $(u\cdot v)' = u'v + uv'$ (selten nötig) und vor allem die Kettenregel: „äußere Ableitung mal innere Ableitung“. Die Kettenregel ist in der Physik der Normalfall, weil in fast jeder Funktion nicht einfach $t$ steht, sondern $\omega t$ oder $-t/\tau$.
Sinus und Kosinus. Für die Schwingung $y(t) = \hat y\sin(\omega t)$ ist die innere Funktion $\omega t$ mit innerer Ableitung $\omega$:
$$v(t) = \dot y = \hat y\,\omega\cos(\omega t)$$ $$a(t) = \ddot y = -\hat y\,\omega^2\sin(\omega t) = -\omega^2\, y(t)$$Jedes Ableiten holt einen Faktor $\omega$ heraus – die Maximalgeschwindigkeit ist $v_{\max} = \hat y\omega$, die Maximalbeschleunigung $a_{\max} = \hat y\omega^2$. Und das letzte Gleichheitszeichen ist die Differentialgleichung der Schwingung $\ddot y = -\omega^2 y$ aus dem Regelheft: Beschleunigung proportional zur Auslenkung und ihr entgegengerichtet. Vergleich mit Newton und Hooke, $m\ddot y = -D y$, liefert $\omega^2 = D/m$ – so entsteht $T = 2\pi\sqrt{m/D}$. Merke: $\dfrac{\mathrm d}{\mathrm dt}\cos(\omega t) = -\omega\sin(\omega t)$ (Minuszeichen!).
Die e-Funktion – Schritt für Schritt. Hier passiert der häufigste Fehler: Die Kettenregel wird vergessen. Für $f(t) = e^{-t/\tau}$:
- Innere Funktion benennen: $u(t) = -\dfrac{t}{\tau} = -\dfrac{1}{\tau}\cdot t$. Äußere Funktion: $e^{u}$.
- Äußere Ableitung: $\dfrac{\mathrm d}{\mathrm du}e^{u} = e^{u}$ – die e-Funktion reproduziert sich.
- Innere Ableitung: $u'(t) = -\dfrac{1}{\tau}$ (Ableitung von „Konstante mal $t$“ ist die Konstante).
- Multiplizieren: $f'(t) = e^{u}\cdot u' = -\dfrac{1}{\tau}\,e^{-t/\tau}$.
Angewandt auf die Kondensatorentladung $U(t) = U_0 e^{-t/\tau}$ mit $\tau = RC$: $\dot U = -\dfrac{U_0}{\tau}e^{-t/\tau}$, und der Strom ist $I(t) = -C\,\dot U = \dfrac{U_0}{R}\,e^{-t/\tau}$ – bei $t = 0$ also $I_0 = U_0/R$, genau das Ohmsche Gesetz. Zwei Kontrollen: Die Steigung bei $t = 0$ ist $-U_0/\tau$, und die Tangente an einem beliebigen Punkt trifft die Zeitachse immer genau $\tau$ später (Simulation, Modus „Ableitung“). Falsch und leider häufig: $\dot U = U_0 e^{-t/\tau}$ (Kettenregel vergessen, Vorzeichen falsch) oder $\dot U = -t\,e^{-t/\tau}$ (nach $t$ statt nach $u$ abgeleitet).
Logarithmus und Integral – Exponentialgleichungen lösen, Flächen als Arbeit
Der natürliche Logarithmus $\ln$ ist die Umkehrung der e-Funktion: $\ln\left(e^{a}\right) = a$ und $e^{\ln a} = a$. Damit holst du eine Größe aus dem Exponenten. Standardaufgabe: Nach welcher Zeit ist die Kondensatorspannung auf die Hälfte gefallen?
$$e^{-t/\tau} = \tfrac12\;\;\Rightarrow\;\; -\frac{t}{\tau} = \ln\tfrac12 = -\ln 2\;\;\Rightarrow\;\; t_{1/2} = \tau\ln 2 = 0{,}693\,\tau$$Allgemein: $\dfrac{U}{U_0} = e^{-t/\tau}$ ergibt $t = -\tau\ln\dfrac{U}{U_0}$. Für $U/U_0 = 0{,}10$ (auf $10\,\%$ abgefallen) ist $t = 2{,}30\,\tau$. Rechenregeln, die du dafür brauchst: $\ln(a\cdot b) = \ln a + \ln b$, $\ln\dfrac{a}{b} = \ln a - \ln b$, $\ln\left(a^n\right) = n\ln a$, $\ln 1 = 0$. Taschenrechner: ln ist der natürliche Logarithmus (Basis $e$), log meist der Zehnerlogarithmus – bei e-Funktionen immer $\ln$.
Mit dem Logarithmus linearisierst du auch die Messreihe: $\ln U = \ln U_0 - \dfrac{1}{\tau}\,t$ ist eine Geradengleichung in $t$ mit Steigung $-1/\tau$ und Achsenabschnitt $\ln U_0$. Aus einer Entladekurve wird so eine Gerade, deren Steigung $\tau$ liefert.
Integral = Fläche. Ist eine Kraft nicht konstant, ist die Arbeit nicht einfach $F\cdot s$, sondern die Fläche unter dem $F$-$s$-Graphen: $W = \displaystyle\int F\,\mathrm ds$ – die Summe vieler schmaler Rechtecke $F\cdot\Delta s$. Für die Feder ($F = D s$, Ursprungsgerade) ist die Fläche ein Dreieck: $W = \tfrac12\cdot s\cdot Ds = \tfrac12 D s^2$. Exakt dasselbe Argument liefert die Energie des Kondensators: Die Spannung wächst beim Laden linear mit der Ladung ($U = Q/C$), die Fläche unter der $U$-$Q$-Geraden ist $W = \tfrac12 Q U = \tfrac12 C U^2$. Weitere Flächen im LK: unter dem $v$-$t$-Graphen der Weg, unter dem $I$-$t$-Graphen die Ladung, unter dem $P$-$t$-Graphen die Energie. Wer die Fläche sieht, braucht die Integralformeln aus dem Mathe-LK meist gar nicht – Dreieck und Rechteck reichen.
Simulation: Kleinwinkelnäherung am Einheitskreis – und Ableitungen zum Anfassen
Modus 1: Am Einheitskreis siehst du Sinus (senkrecht), Bogen (α in rad) und Tangens (Tangentenstück) nebeneinander, rechts die drei Kurven. Modus 2 und 3: Tangente an e-Funktion bzw. Sinus – die gemessene Steigung neben der Formel.
- Modus Kleinwinkel: Sage vorher, bei welchem Winkel der Unterschied zwischen $\tan\alpha$ und $\sin\alpha$ erstmals $1\,\%$ überschreitet (Tipp: Fehler $\approx\alpha^2/2$). Dann mit dem Schieber prüfen.
- Stelle $20^\circ$ ein. Welche der drei Strecken ist am längsten, welche am kürzesten? Begründe mit den drei Flächen aus der Herleitung, warum diese Reihenfolge für jeden Winkel gilt.
- Modus Ableitung: Setze $\tau = 2\,\mathrm{s}$ und wandere mit $t$ von 0 bis 8 s. Wo trifft die Tangente jeweils die Zeitachse? Formuliere die Regel und leite sie aus $f/|f'|$ her.
- Modus sin ableiten: Wo ist die Steigung von $\sin(\omega t)$ null, wo maximal? Vergleiche mit der unteren Kurve $\omega\cos(\omega t)$. Verdopple $\omega$ – um welchen Faktor wächst die maximale Steigung? Warum?
Herleitung: Kleinwinkelnäherung $\sin\alpha\approx\alpha\approx\tan\alpha$ aus drei Flächen am Einheitskreis
Diese Herleitung zeigt nicht nur, dass die Näherung gilt, sondern auch, in welcher Reihenfolge die drei Größen liegen und wie groß der Fehler ist. Skizze: Einheitskreis (Radius 1) um $O$, Punkt $B = (1\,|\,0)$ auf der Achse, Punkt $A$ auf dem Kreis unter dem Winkel $\alpha$ (im Bogenmaß, $0 \lt \alpha \lt \pi/2$), Punkt $C$ senkrecht über $B$ auf dem verlängerten Schenkel $OA$.
- Der Kreis hat den Radius $1$. Nach Definition des Bogenmaßes ist die Länge des Kreisbogens von $B$ nach $A$ gleich $r\cdot\alpha = \alpha$. Der Kreissektor $OBA$ ist der Anteil $\dfrac{\alpha}{2\pi}$ der gesamten Kreisfläche $\pi\cdot 1^2$.$$ A_{\text{Sektor}} = \frac{\alpha}{2\pi}\cdot\pi = \frac{\alpha}{2} $$
- Fälle das Lot von $A$ auf die Achse $OB$. Im rechtwinkligen Dreieck mit Hypotenuse $OA = 1$ ist die Lotlänge die Gegenkathete zu $\alpha$, also $\sin\alpha$. Das Dreieck $OBA$ hat die Grundseite $OB = 1$ und diese Höhe.$$ A_{\text{Dreieck }OBA} = \frac12\cdot 1\cdot\sin\alpha = \frac{\sin\alpha}{2} $$
- Die Tangente an den Kreis in $B$ steht senkrecht auf $OB$. Sie schneidet den verlängerten Schenkel $OA$ in $C$. Im rechtwinkligen Dreieck $OBC$ ist $OB = 1$ die Ankathete und $BC$ die Gegenkathete zu $\alpha$, also $BC = \tan\alpha$.$$ A_{\text{Dreieck }OBC} = \frac12\cdot 1\cdot\tan\alpha = \frac{\tan\alpha}{2} $$
- Die drei Figuren liegen ineinander: Das kleine Dreieck $OBA$ liegt ganz im Sektor (der Bogen wölbt sich über die Sehne hinaus), und der Sektor liegt ganz im großen Dreieck $OBC$ (der Kreis bleibt unterhalb seiner Tangente). Größere Figur, größere Fläche:$$ \frac{\sin\alpha}{2}\;\le\;\frac{\alpha}{2}\;\le\;\frac{\tan\alpha}{2}\quad\Rightarrow\quad \sin\alpha\le\alpha\le\tan\alpha $$
- Das ist bereits die Reihenfolge, die du in der Simulation siehst: Der Sinus ist immer der kleinste, der Tangens der größte der drei Werte. Teile die Ungleichung durch $\sin\alpha \gt 0$ und benutze $\tan\alpha = \sin\alpha/\cos\alpha$:$$ 1\;\le\;\frac{\alpha}{\sin\alpha}\;\le\;\frac{1}{\cos\alpha} $$
- Für kleine Winkel geht $\cos\alpha\to 1$, also wird $\alpha/\sin\alpha$ von beiden Seiten gegen $1$ gedrückt: $\sin\alpha\approx\alpha$, und wegen $\tan\alpha = \sin\alpha/\cos\alpha$ auch $\tan\alpha\approx\alpha$. Die rechte Schranke sagt sogar, wie groß der Fehler höchstens ist: $\dfrac{1}{\cos\alpha} - 1\approx\dfrac{\alpha^2}{2}$ (denn $\cos\alpha\approx 1 - \alpha^2/2$). Genauer liefert die Reihenentwicklung aus dem Mathe-LK $\sin\alpha = \alpha - \dfrac{\alpha^3}{6} + \dots$ und $\tan\alpha = \alpha + \dfrac{\alpha^3}{3} + \dots$:$$ \frac{\alpha - \sin\alpha}{\sin\alpha}\approx\frac{\alpha^2}{6},\qquad \frac{\tan\alpha - \alpha}{\alpha}\approx\frac{\alpha^2}{3},\qquad \frac{\tan\alpha - \sin\alpha}{\sin\alpha}\approx\frac{\alpha^2}{2} $$
- Probe mit der Tabelle: Bei $\alpha = 10^\circ = 0{,}1745$ ist $\alpha^2/6 = 0{,}51\,\%$ und $\alpha^2/3 = 1{,}01\,\%$ – exakt die Werte aus der Tabelle ($0{,}51\,\%$ und $1{,}03\,\%$). Die Näherung ist also umso besser, je kleiner der Winkel, und der Fehler wächst quadratisch: doppelter Winkel, vierfacher Fehler.
Formeln, die du sicher können musst
| Größe / Gesetz | Formel | Was sie sagt · wann sie gilt |
|---|---|---|
| Winkelfunktionen | $\sin\alpha = \tfrac{\text{GK}}{\text{Hyp}},\ \cos\alpha = \tfrac{\text{AK}}{\text{Hyp}},\ \tan\alpha = \tfrac{\text{GK}}{\text{AK}}$ | GK Gegenkathete, AK Ankathete, Hyp Hypotenuse – vom Winkel $\alpha$ aus benannt; nur im rechtwinkligen Dreieck; $\tan\alpha = \sin\alpha/\cos\alpha$; Taschenrechner DEG |
| Bogenmaß | $\alpha_{\mathrm{rad}} = \alpha^\circ\cdot\dfrac{\pi}{180^\circ}$ | $360^\circ = 2\pi$; Bogenlänge durch Radius, einheitenlos; Pflicht bei $\omega t$, $v = \omega r$ und bei jeder Näherung |
| Kleinwinkelnäherung | $\sin\alpha\approx\alpha\approx\tan\alpha$ | nur $\alpha$ in rad und $\alpha\lesssim 5^\circ$; Fehler $\approx\alpha^2/6$ bzw. $\alpha^2/3$; Doppelspalt ja ($x\ll a$), Gitter nein, Pendel nur kleine Amplitude |
| Wurzel umstellen | $D = \dfrac{4\pi^2 m}{T^2}$ | aus $T = 2\pi\sqrt{m/D}$: durch $2\pi$ teilen, quadrieren, Kehrwert; Einheitencheck $\mathrm{kg/s^2 = N/m}$; analog $g = 4\pi^2 l/T^2$ |
| Ableitung Sinus/Kosinus | $\dfrac{\mathrm d}{\mathrm dt}\sin(\omega t) = \omega\cos(\omega t)$ | und $\dfrac{\mathrm d}{\mathrm dt}\cos(\omega t) = -\omega\sin(\omega t)$; Kettenregel: innerer Faktor $\omega$; zweimal ableiten gibt $-\omega^2\sin(\omega t)$, also $\ddot y = -\omega^2 y$ |
| Ableitung e-Funktion | $\dfrac{\mathrm d}{\mathrm dt}\,e^{-t/\tau} = -\dfrac1\tau\,e^{-t/\tau}$ | äußere ($e^u$) mal innere ($-1/\tau$); bei $U_0 e^{-t/(RC)}$ Faktor $-\dfrac{U_0}{RC}$ |
| Logarithmus löst Exponent | $t = -\tau\ln\dfrac{U}{U_0},\qquad t_{1/2} = \tau\ln 2$ | aus $e^{-t/\tau} = U/U_0$; $\ln$ ist Umkehrung von $e^x$; $\ln U = \ln U_0 - t/\tau$ ist eine Gerade in $t$ |
| Ableitung = Änderungsrate | $v = \dfrac{\mathrm ds}{\mathrm dt},\qquad I = \dfrac{\mathrm dQ}{\mathrm dt}$ | ebenso $a = \mathrm dv/\mathrm dt$; Steigung der Tangente; negatives Vorzeichen heißt Abnahme |
| Integral = Fläche | $W = \int F\,\mathrm ds$ | Fläche unter dem Graphen; bei Ursprungsgerade ein Dreieck, daher der Faktor $\tfrac12$: $W_{\text{Feder}} = \tfrac12 Ds^2$, $W_{\text{Kond.}} = \tfrac12 QU$ |
Typische Fehler – und wie du die Punkte holst
- $\sin\alpha\approx\alpha$ mit $\alpha$ in Grad benutzt: „$\sin 5^\circ\approx 5$“.Die Näherung gilt nur im Bogenmaß: $5^\circ = 0{,}0873\,\mathrm{rad}$, $\sin 5^\circ = 0{,}0872$. Vor jeder Näherung umrechnen ($\cdot\,\pi/180^\circ$) und den Taschenrechnermodus prüfen.
- Kleinwinkelnäherung beim Gitter angewendet: $x_n = n\lambda a/g$ mit $g = 2\,\mu\mathrm{m}$.Beim Gitter sind die Winkel groß ($\alpha_1\approx 18^\circ$ bei $633\,\mathrm{nm}$): exakt rechnen mit $\sin\alpha_n = n\lambda/g$, dann $x_n = a\tan\alpha_n$. Die Näherung begründest du immer mit Zahlen („$\alpha_1 = 0{,}15^\circ$, also $x\ll a$“).
- $\dfrac{\mathrm d}{\mathrm dt}e^{-t/\tau} = e^{-t/\tau}$ oder $= -t\,e^{-t/\tau}$ – Kettenregel vergessen.Innere Funktion $u = -t/\tau$ hat die Ableitung $-1/\tau$. Also $-\dfrac1\tau e^{-t/\tau}$. Kontrolle: Die Ableitung muss negativ sein (die Größe nimmt ab) und die Einheit $1/\mathrm s$ tragen.
- Taschenrechner ohne Klammern im Nenner: „2 × 0,5 ÷ 8,5 EXP 28 × 1,602 EXP −19 × 1 EXP −4“ ergibt $10^{-52}\,\mathrm V$.Jeden zusammengesetzten Nenner in Klammern: „(2 × 0,5) ÷ (8,5E28 × 1,602E−19 × 1E−4)“ $= 7{,}34\cdot 10^{-7}\,\mathrm V$. Plausibilitätshaken: Hall-Spannungen an Metallen liegen im $\mu\mathrm V$-Bereich; $10^{-52}$ ist kein physikalischer Wert.
- Sieben Taschenrechnerstellen abgeschrieben ($\lambda = 0{,}000000544\,\mathrm m$ oder $5{,}4400012\cdot 10^{-7}$), Einheit vergessen.SCI-3 einstellen und drei gültige Ziffern mit Einheit angeben: $\lambda = 5{,}44\cdot 10^{-7}\,\mathrm m = 544\,\mathrm{nm}$. Zwischenergebnisse im Speicher genauer halten, nur das Endergebnis runden.
- Beim Umstellen von $T = 2\pi\sqrt{m/D}$ den Kehrwert vergessen: $D = \dfrac{T^2}{4\pi^2 m}$.Nach dem Quadrieren steht $\dfrac{T^2}{4\pi^2} = \dfrac{m}{D}$; $D$ steht im Nenner, nach dem Kehrwert also oben: $D = \dfrac{4\pi^2 m}{T^2}$. Einheitencheck entlarvt den Fehler sofort: $\mathrm{s^2/kg}$ ist kein $\mathrm{N/m}$.
- Einheiten gemischt: $g$ in mm, $x$ in cm, $a$ in m in eine Formel gesteckt.Vor dem Einsetzen alles in SI-Grundeinheiten (m, s, kg, A, V) umrechnen und die Einheiten in der Rechnung mitschreiben. Was am Ende herauskommt, muss die erwartete Einheit haben – sonst stimmt etwas nicht.
- Berechnen / Bestimmen: Formel allgemein hinschreiben – umstellen (mit Buchstaben) – einsetzen mit Einheiten – Ergebnis in SCI-3 mit Einheit – Antwortsatz. Ein Taschenrechnerergebnis allein gibt keinen Punkt.
- Zeigen Sie, dass die Näherung zulässig ist: Winkel mit Zahl ausrechnen ($\alpha_1 = 0{,}15^\circ$), $\sin$ und $\tan$ vergleichen oder den Fehler $\approx\alpha^2/2$ angeben, dann das Urteil „zulässig, da Abweichung unter $1\,\%$“.
- Leiten Sie her (z. B. die Differentialgleichung oder $v_{\max} = \hat y\omega$): jede Ableitung mit Regel benennen („Kettenregel, innere Ableitung $\omega$“), Zwischenschritte hinschreiben, am Ende Schlusssatz.
- Beurteilen: Grenzen einer Näherung mit Zahl nennen (ab welchem Winkel welcher Fehler), Einheit und Größenordnung des Ergebnisses prüfen und das Urteil in einem Satz begründen.
5 harte Fragen – hast du es wirklich verstanden?
Offene Aufgaben auf Papier lösen (Zeit stoppen!), erst dann die Lösung aufdecken und ehrlich Punkte geben. Die Ergebnisse werden auf diesem Gerät gespeichert.
Näherung erlaubt oder nicht? Doppelspalt gegen Gitter
Ein roter Laser ($\lambda = 633\,\mathrm{nm}$) beleuchtet nacheinander einen Doppelspalt mit $g = 0{,}25\,\mathrm{mm}$ und ein Gitter mit $500$ Strichen pro mm. Der Schirm steht jeweils im Abstand $a = 1{,}50\,\mathrm{m}$.
- Berechne für den Doppelspalt den Abstand $x_1$ des ersten Maximums von der Mitte einmal exakt (über $\sin\alpha_1$ und $\tan\alpha_1$ getrennt) und einmal mit der Näherung $x_1 = \lambda a/g$. Gib die relative Abweichung an.
- Wiederhole die Rechnung für das Gitter und begründe, warum die Näherung dort unzulässig ist.
- Zeige allgemein mit $\tan\alpha - \sin\alpha = \sin\alpha\left(\dfrac{1}{\cos\alpha} - 1\right)$ und $\cos\alpha\approx 1 - \dfrac{\alpha^2}{2}$, dass der relative Unterschied zwischen $\tan\alpha$ und $\sin\alpha$ etwa $\alpha^2/2$ beträgt, und bestimme daraus den Winkel, ab dem er $1\,\%$ überschreitet.
- 3 Pa) $\sin\alpha_1 = \lambda/g = 2{,}53\cdot 10^{-3}$, $\alpha_1 = 0{,}145^\circ$, $x_1 = a\tan\alpha_1 = 3{,}798\,\mathrm{mm}$; Näherung $3{,}798\,\mathrm{mm}$; Abweichung $\approx 3\cdot 10^{-6}$, vernachlässigbar
- 3 Pb) $g = 2{,}00\cdot 10^{-6}\,\mathrm m$, $\sin\alpha_1 = 0{,}3165$, $\alpha_1 = 18{,}5^\circ$, exakt $x_1 = 0{,}500\,\mathrm m$, Näherung $0{,}475\,\mathrm m$, Abweichung $5{,}1\,\%$; Begründung: Winkel nicht klein, $x$ nicht $\ll a$
- 3 Pc) $\dfrac{1}{\cos\alpha} - 1\approx\dfrac{1}{1-\alpha^2/2} - 1\approx\dfrac{\alpha^2}{2}$ (Begründung: $\dfrac{1}{1-\varepsilon}\approx 1+\varepsilon$), relative Abweichung $\approx\alpha^2/2$
- 1 Pc) $\alpha^2/2 = 0{,}01\Rightarrow\alpha = 0{,}141\,\mathrm{rad} = 8{,}1^\circ$ mit Antwortsatz
a) Doppelspalt: $\sin\alpha_1 = \dfrac{\lambda}{g} = \dfrac{6{,}33\cdot 10^{-7}\,\mathrm m}{2{,}5\cdot 10^{-4}\,\mathrm m} = 2{,}532\cdot 10^{-3}$, also $\alpha_1 = \arcsin(2{,}532\cdot 10^{-3}) = 0{,}1451^\circ$. Exakt: $x_1 = a\tan\alpha_1 = 1{,}50\,\mathrm m\cdot 2{,}532\cdot 10^{-3} = 3{,}798\,\mathrm{mm}$. Näherung: $x_1 = \dfrac{\lambda a}{g} = \dfrac{6{,}33\cdot 10^{-7}\,\mathrm m\cdot 1{,}50\,\mathrm m}{2{,}5\cdot 10^{-4}\,\mathrm m} = 3{,}798\,\mathrm{mm}$. Beide Werte stimmen auf vier Stellen überein; die relative Abweichung ist $\approx\alpha^2/2 = 3\cdot 10^{-6}$, also weit unterhalb jeder Messgenauigkeit. Die Näherung ist zulässig, weil $x_1 = 3{,}8\,\mathrm{mm}\ll a = 1500\,\mathrm{mm}$.
b) Gitter: $g = \dfrac{1\,\mathrm{mm}}{500} = 2{,}00\cdot 10^{-6}\,\mathrm m$. $\sin\alpha_1 = \dfrac{6{,}33\cdot 10^{-7}}{2{,}00\cdot 10^{-6}} = 0{,}3165$, also $\alpha_1 = 18{,}45^\circ$. Exakt: $x_1 = a\tan\alpha_1 = 1{,}50\,\mathrm m\cdot\tan 18{,}45^\circ = 1{,}50\,\mathrm m\cdot 0{,}3337 = 0{,}500\,\mathrm m$. Näherung: $x_1 = \dfrac{\lambda a}{g} = \dfrac{6{,}33\cdot 10^{-7}\cdot 1{,}50}{2{,}00\cdot 10^{-6}}\,\mathrm m = 0{,}475\,\mathrm m$. Relative Abweichung $\dfrac{0{,}500 - 0{,}475}{0{,}500} = 5{,}1\,\%$. Die Näherung ist unzulässig: Bei $18^\circ$ unterscheiden sich $\sin$ und $\tan$ bereits um $5\,\%$, und $x_1 = 0{,}50\,\mathrm m$ ist nicht klein gegen $a = 1{,}50\,\mathrm m$. In der zweiten Ordnung ($\sin\alpha_2 = 0{,}633$, $\alpha_2 = 39{,}3^\circ$) wäre der Fehler schon $23\,\%$. Beim Gitter also immer $\sin\alpha_n = n\lambda/g$ und $x_n = a\tan\alpha_n$ getrennt rechnen.
c) $\tan\alpha - \sin\alpha = \dfrac{\sin\alpha}{\cos\alpha} - \sin\alpha = \sin\alpha\left(\dfrac{1}{\cos\alpha} - 1\right)$. Mit $\cos\alpha\approx 1 - \dfrac{\alpha^2}{2}$ und der Näherung $\dfrac{1}{1-\varepsilon}\approx 1 + \varepsilon$ für kleines $\varepsilon$ folgt $\dfrac{1}{\cos\alpha} - 1\approx\left(1 + \dfrac{\alpha^2}{2}\right) - 1 = \dfrac{\alpha^2}{2}$. Der relative Unterschied ist also $$\frac{\tan\alpha - \sin\alpha}{\sin\alpha}\approx\frac{\alpha^2}{2}.$$ Er erreicht $1\,\%$ bei $\dfrac{\alpha^2}{2} = 0{,}01$, also $\alpha = \sqrt{0{,}02} = 0{,}141\,\mathrm{rad} = 8{,}1^\circ$. Ab etwa $8^\circ$ unterscheiden sich $\sin\alpha$ und $\tan\alpha$ um mehr als $1\,\%$ – das passt zur Tabelle ($10^\circ$: $1{,}5\,\%$). Probe am Gitter: $\alpha_1 = 0{,}322\,\mathrm{rad}$, $\alpha^2/2 = 5{,}2\,\%$, in guter Übereinstimmung mit b).
Ableiten mit Kettenregel: Kondensator und Federpendel
Ein Kondensator mit $C = 100\,\mu\mathrm F$ wird auf $U_0 = 12{,}0\,\mathrm V$ aufgeladen und über $R = 47\,\mathrm{k\Omega}$ entladen.
- Gib $U(t)$ an, berechne $\tau$ und leite $U(t)$ Schritt für Schritt nach der Zeit ab. Bestimme daraus den Strom $I(t) = -C\,\dot U(t)$ und seinen Anfangswert $I_0$. Erkläre, warum $I_0$ mit dem Ohmschen Gesetz übereinstimmen muss.
- Nach welcher Zeit ist die Spannung auf die Hälfte gefallen? Löse die Gleichung mit dem Logarithmus.
- Ein Federpendel ($D = 16{,}0\,\mathrm{N/m}$, $m = 0{,}250\,\mathrm{kg}$) schwingt mit $y(t) = \hat y\sin(\omega t)$, $\hat y = 4{,}0\,\mathrm{cm}$. Berechne $\omega$, leite $v(t)$ und $a(t)$ her und zeige, dass $a(t) = -\omega^2 y(t)$ gilt. Gib $v_{\max}$ an.
- Prüfe mit Einheiten, dass $\tau = RC$ eine Zeit ist.
- 2 Pa) $U(t) = U_0 e^{-t/\tau}$ mit $\tau = RC = 4{,}70\,\mathrm s$; Kettenregel: innere Ableitung $-1/\tau$, also $\dot U = -\dfrac{U_0}{\tau}e^{-t/\tau}$
- 2 Pa) $I(t) = \dfrac{CU_0}{\tau}e^{-t/\tau} = \dfrac{U_0}{R}e^{-t/\tau}$, $I_0 = 0{,}255\,\mathrm{mA}$; bei $t=0$ liegt $U_0$ am Widerstand, Ohm: $I_0 = U_0/R$
- 2 Pb) $e^{-t/\tau} = \tfrac12\Rightarrow t = \tau\ln 2 = 3{,}26\,\mathrm s$ mit Antwortsatz
- 3 Pc) $\omega = \sqrt{D/m} = 8{,}00\,\mathrm{s^{-1}}$; $v = \hat y\omega\cos(\omega t)$, $a = -\hat y\omega^2\sin(\omega t) = -\omega^2 y$ (Kettenregel, Faktor $\omega$ je Ableitung); $v_{\max} = \hat y\omega = 0{,}320\,\mathrm{m/s}$
- 1 Pd) $\mathrm{\Omega\cdot F = (V/A)\cdot(As/V) = s}$
a) $\tau = RC = 47\cdot 10^{3}\,\Omega\cdot 100\cdot 10^{-6}\,\mathrm F = 4{,}70\,\mathrm s$, also $U(t) = 12{,}0\,\mathrm V\cdot e^{-t/(4{,}70\,\mathrm s)}$. Ableiten mit der Kettenregel: innere Funktion $u = -t/\tau$ mit $u' = -1/\tau$, äußere Funktion $e^u$ mit Ableitung $e^u$: $$\dot U(t) = U_0\cdot e^{-t/\tau}\cdot\left(-\frac1\tau\right) = -\frac{U_0}{\tau}\,e^{-t/\tau} = -2{,}55\,\frac{\mathrm V}{\mathrm s}\cdot e^{-t/\tau}.$$ Damit $I(t) = -C\dot U = \dfrac{C U_0}{\tau}e^{-t/\tau} = \dfrac{C U_0}{RC}e^{-t/\tau} = \dfrac{U_0}{R}e^{-t/\tau}$ und $I_0 = \dfrac{12{,}0\,\mathrm V}{47\cdot 10^{3}\,\Omega} = 2{,}55\cdot 10^{-4}\,\mathrm A = 0{,}255\,\mathrm{mA}$. Das muss so sein: Im Moment $t = 0$ liegt die volle Kondensatorspannung $U_0$ am Widerstand, und für den Widerstand gilt das Ohmsche Gesetz $I = U/R$. Die Rechnung mit der Kettenregel liefert genau diesen Wert – eine gute Kontrolle, dass der Faktor $1/\tau$ stimmt.
b) $U_0 e^{-t/\tau} = \tfrac12 U_0\Rightarrow e^{-t/\tau} = \tfrac12$. Logarithmieren: $-\dfrac{t}{\tau} = \ln\tfrac12 = -\ln 2$, also $t_{1/2} = \tau\ln 2 = 4{,}70\,\mathrm s\cdot 0{,}693 = 3{,}26\,\mathrm s$. Nach $3{,}26\,\mathrm s$ beträgt die Spannung noch $6{,}0\,\mathrm V$.
c) $\omega = \sqrt{\dfrac{D}{m}} = \sqrt{\dfrac{16{,}0\,\mathrm{N/m}}{0{,}250\,\mathrm{kg}}} = \sqrt{64{,}0\,\mathrm{s^{-2}}} = 8{,}00\,\mathrm{s^{-1}}$. Ableiten mit der Kettenregel (innere Ableitung von $\omega t$ ist $\omega$): $$v(t) = \dot y = \hat y\,\omega\cos(\omega t)$$ $$a(t) = \dot v = \hat y\,\omega\cdot(-\omega\sin(\omega t)) = -\hat y\,\omega^2\sin(\omega t) = -\omega^2\,y(t).$$ Das ist die Differentialgleichung $\ddot y = -\omega^2 y$: Die Beschleunigung ist proportional zur Auslenkung und ihr entgegengerichtet. $v_{\max} = \hat y\omega = 0{,}040\,\mathrm m\cdot 8{,}00\,\mathrm{s^{-1}} = 0{,}320\,\mathrm{m/s}$ (erreicht beim Nulldurchgang, wo $\cos(\omega t) = \pm 1$).
d) $[RC] = \Omega\cdot\mathrm F = \dfrac{\mathrm V}{\mathrm A}\cdot\dfrac{\mathrm C}{\mathrm V} = \dfrac{\mathrm V}{\mathrm A}\cdot\dfrac{\mathrm{A\,s}}{\mathrm V} = \mathrm s$. $\tau$ ist also eine Zeit, wie es im Exponenten $-t/\tau$ sein muss (Exponenten sind einheitenlos).
Hall-Spannung: Umstellen, Zehnerpotenzen, Einheiten, Intervall
Für die Hall-Spannung an einem Metallplättchen gilt $U_H = \dfrac{I B}{n q d}$ (Regelheft). Kupfer: $n = 8{,}5\cdot 10^{28}\,\mathrm{m^{-3}}$, $q = e$. Gemessen wird mit $I = 2{,}0\,\mathrm A$, $B = 0{,}50\,\mathrm T$ an einem Plättchen der Dicke $d = 0{,}10\,\mathrm{mm}$.
- Berechne $U_H$ in SCI-3-Schreibweise und zeige durch Einheitenkontrolle, dass eine Spannung herauskommt (benutze $\mathrm T = \mathrm{V\,s/m^2}$ und $\mathrm C = \mathrm{A\,s}$).
- Ein Mitschüler erhält $U_H = 1{,}88\cdot 10^{-52}\,\mathrm V$. Finde seinen Eingabefehler und begründe, woran er das Ergebnis sofort als falsch hätte erkennen müssen.
- Die Dicke $d$ ist nur auf $\pm 0{,}01\,\mathrm{mm}$ bekannt. Gib das Intervall an, in dem $U_H$ liegt, und beurteile, ob die Messung trotzdem sinnvoll ist.
- 3 Pa) Einsetzen mit Einheiten, $U_H = 7{,}34\cdot 10^{-7}\,\mathrm V = 0{,}734\,\mu\mathrm V$; Einheiten: $\dfrac{\mathrm{A\cdot V\,s/m^2}}{\mathrm{m^{-3}\cdot A\,s\cdot m}} = \mathrm V$
- 2 Pb) Klammern um den Nenner fehlen: gerechnet wurde $\dfrac{IB}{n}\cdot q\cdot d$; erkennbar an der absurden Größenordnung $10^{-52}$ (Hall-Spannungen an Metallen: $\mu\mathrm V$) bzw. an der Einheit
- 2 Pc) $U_H\propto 1/d$: $d\in[0{,}09;\,0{,}11]\,\mathrm{mm}\Rightarrow U_H\in[6{,}68\cdot 10^{-7};\,8{,}16\cdot 10^{-7}]\,\mathrm V$, relative Unsicherheit $\approx 10\,\%$
- 1 Pc) Urteil: $10\,\%$ ist grob, aber die Größenordnung und das Vorzeichen (Ladungsträgerart) sind sicher; genauer mit dickerem $d$ geht nicht, da $U_H$ dann kleiner wird – besser $d$ genauer messen oder höhere $I$, $B$
a) Alle Größen in SI-Einheiten: $d = 0{,}10\,\mathrm{mm} = 1{,}0\cdot 10^{-4}\,\mathrm m$. $$U_H = \frac{I B}{n q d} = \frac{2{,}0\,\mathrm A\cdot 0{,}50\,\mathrm T}{8{,}5\cdot 10^{28}\,\mathrm{m^{-3}}\cdot 1{,}602\cdot 10^{-19}\,\mathrm C\cdot 1{,}0\cdot 10^{-4}\,\mathrm m}$$ $$U_H = \frac{1{,}0}{1{,}362\cdot 10^{6}}\,\frac{\mathrm{A\,T}}{\mathrm{m^{-3}\,C\,m}} = 7{,}34\cdot 10^{-7}\,\mathrm V.$$ Einheitenkontrolle: $\dfrac{\mathrm A\cdot\mathrm{V\,s/m^2}}{\mathrm{m^{-3}}\cdot\mathrm{A\,s}\cdot\mathrm m} = \dfrac{\mathrm{A\,V\,s}\cdot\mathrm{m^3}}{\mathrm{m^2}\cdot\mathrm{A\,s}\cdot\mathrm m} = \mathrm V$. Die Hall-Spannung beträgt $0{,}734\,\mu\mathrm V$ – typisch klein für ein Metall, weil $n$ riesig ist.
b) $1{,}88\cdot 10^{-52}$ entsteht, wenn man „2 × 0,5 ÷ 8,5E28 × 1,602E−19 × 1E−4“ ohne Klammern eintippt: Der Taschenrechner teilt nur durch $n$ und multipliziert anschließend mit $q$ und $d$, rechnet also $\dfrac{IB}{n}\cdot q\cdot d = 1{,}18\cdot 10^{-29}\cdot 1{,}602\cdot 10^{-19}\cdot 10^{-4}$. Richtig ist „(2 × 0,5) ÷ (8,5E28 × 1,602E−19 × 1E−4)“. Erkennen musste er den Fehler am Plausibilitätshaken: Eine Spannung von $10^{-52}\,\mathrm V$ ist um 45 Zehnerpotenzen kleiner als alles, was ein Voltmeter je anzeigen könnte; Hall-Spannungen an Metallen liegen im Mikrovolt-Bereich. Auch die Einheit stimmt nicht: Sein Rechenweg liefert $\mathrm{A\,T\,C\,m\cdot m^3}$, keine Volt.
c) $U_H\propto\dfrac1d$: Die kleinste Dicke gibt die größte Spannung. $d_{\min} = 0{,}09\,\mathrm{mm}$: $U_H = 7{,}34\cdot 10^{-7}\,\mathrm V\cdot\dfrac{0{,}10}{0{,}09} = 8{,}16\cdot 10^{-7}\,\mathrm V$; $d_{\max} = 0{,}11\,\mathrm{mm}$: $U_H = 7{,}34\cdot 10^{-7}\,\mathrm V\cdot\dfrac{0{,}10}{0{,}11} = 6{,}68\cdot 10^{-7}\,\mathrm V$. Also $U_H\in[0{,}668;\,0{,}816]\,\mu\mathrm V$ – eine relative Unsicherheit von etwa $\pm 10\,\%$, genauso groß wie die relative Unsicherheit von $d$ ($0{,}01/0{,}10$). Beurteilung: Für eine Bestimmung von $n$ oder $B$ auf wenige Prozent reicht das nicht; die Größenordnung und das Vorzeichen der Hall-Spannung (Art der Ladungsträger) sind aber sicher. Ein dickeres Plättchen würde $d$ relativ genauer machen, aber $U_H$ noch kleiner – deshalb nutzt man in der Praxis dünne Halbleiterplättchen (kleines $n$, großes $U_H$) und misst $d$ mit einer Mikrometerschraube.
Welche Ableitung von $U(t) = U_0\,e^{-t/\tau}$ nach der Zeit ist richtig?
Ein Fadenpendel wird um $30^\circ$ ausgelenkt und losgelassen. Wie verhält sich seine Periodendauer im Vergleich zum Wert $T_0 = 2\pi\sqrt{l/g}$ aus der Formelsammlung?
Meine Notizen zu „Mathe-Werkzeug für die Physik: Winkel, Näherungen, Ableiten, Einheiten“
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