Bewegung geladener Teilchen im elektrischen Feld
Längsfeld beschleunigt (Energiesatz), Querfeld lenkt ab (waagerechter Wurf) – die Physik hinter Elektronenkanone, Oszilloskop und Millikan-Versuch.
Vorwissen aus den Jahren davor – kurz prüfen
Tippe auf eine Frage, erst selbst antworten, dann vergleichen. Wenn etwas wackelt: zuerst dort nachlesen, sonst stolperst du im neuen Stoff.
Wie lautet der Energieerhaltungssatz der Mechanik, und wie rechnet man damit Geschwindigkeiten aus?
Waagerechter Wurf: Wie beschreibt man die Bahn, und warum ist sie eine Parabel?
Wie hängen Beschleunigung, Zeit, Geschwindigkeit und Weg bei konstanter Beschleunigung zusammen?
Was ist der Tangens eines Winkels, und wie bekommt man aus zwei Geschwindigkeitskomponenten eine Richtung?
Kräftegleichgewicht: Wann bewegt sich ein Körper gleichförmig oder bleibt in Ruhe?
Was bedeutet 1 eV, und wie rechnet man es in Joule um?
Längsfeld: Beschleunigen mit dem Energiesatz
Ein Elektron startet (praktisch aus der Ruhe) an der negativen Platte und wird zur positiven Platte hin beschleunigt. Du könntest das mit $F = eE$, $a = F/m$, $v = \sqrt{2ad}$ ausrechnen – aber es geht viel kürzer und ohne $d$. Das Feld verrichtet an der Ladung die Arbeit $W = qU$ (siehe Seite Elektrisches Feld), und diese Arbeit wird vollständig zu Bewegungsenergie:
$$q\,U = \tfrac12\, m\, v^2\qquad\Rightarrow\qquad v = \sqrt{\frac{2\,q\,U}{m}}$$Drei Dinge musst du an dieser Formel sehen:
- Kein $d$. Der Plattenabstand bestimmt $E = U/d$ und damit Kraft und Beschleunigung – aber nicht die Endgeschwindigkeit. Bei größerem $d$ ist die Kraft kleiner und wirkt länger; das Produkt $F\cdot d = qU$ ist gleich. Rechne es einmal nach: $v = \sqrt{2ad} = \sqrt{2\cdot\dfrac{qU}{md}\cdot d} = \sqrt{2qU/m}$ – $d$ kürzt sich heraus.
- Das Verhältnis $q/m$ entscheidet. Elektronen und Protonen gewinnen bei derselben Spannung dieselbe Energie, aber das Proton ist $1836$-mal schwerer und deshalb $\sqrt{1836} = 42{,}9$-mal langsamer.
- Energie in eV ablesen, Geschwindigkeit in J rechnen. Nach $U = 1{,}0\,\mathrm{kV}$ hat ein Elektron $1{,}0\,\mathrm{keV} = 1{,}602\cdot 10^{-16}\,\mathrm{J}$, und $$v = \sqrt{\frac{2\cdot 1{,}602\cdot 10^{-16}\,\mathrm{J}}{9{,}109\cdot 10^{-31}\,\mathrm{kg}}} = 1{,}88\cdot 10^7\,\mathrm{m/s}.$$ Das sind $6\,\%$ der Lichtgeschwindigkeit – nach nur einem Kilovolt.
Grenze der Formel: Ab etwa $10\,\%$ von $c$ (das ist schon bei $U \approx 2{,}6\,\mathrm{kV}$ erreicht) weicht die klassische Rechnung messbar von der relativistischen ab; bei $10\,\mathrm{kV}$ liefert die Formel $5{,}93\cdot 10^7\,\mathrm{m/s}$ (knapp $20\,\%$ von $c$), der relativistisch richtige Wert ist $5{,}85\cdot 10^7\,\mathrm{m/s}$. Im Abitur rechnest du klassisch, solltest aber bei hohen Spannungen in einem Satz auf diese Grenze hinweisen – das ist ein Punkt beim „Beurteilen“.
Elektronenkanone. Technisch gewinnt man freie Elektronen aus einem geheizten Draht (Glühkathode): Die thermische Energie reicht, damit Elektronen das Metall verlassen (glühelektrischer Effekt). Eine Lochanode im Abstand $d$ liegt auf $+U_B$; die Elektronen werden beschleunigt, die meisten fliegen durch das Loch mit $v_0 = \sqrt{2eU_B/m_e}$ als feiner Strahl weiter. Alles im Vakuum, sonst würden die Elektronen an Luftmolekülen gestreut. Mit dieser „Kanone“ beginnen Braunsche Röhre, Fadenstrahlrohr und Elektronenbeugungsröhre.
Querfeld: Ablenkung wie beim waagerechten Wurf
Jetzt fliegt das Elektron mit $v_0$ parallel zu den Platten in einen Kondensator (Plattenlänge $l$, Abstand $d$, Ablenkspannung $U_A$) hinein. Das Feld $E = U_A/d$ steht senkrecht zur Flugrichtung. Die Kraft $F = eE$ ist konstant und zeigt zur positiven Platte – sie ändert die Vorwärtsgeschwindigkeit nicht, sondern baut eine Quergeschwindigkeit auf. Das ist exakt die Situation des waagerechten Wurfs mit $a = eE/m$ statt $g$:
| in Flugrichtung ($x$) | quer dazu ($y$) | |
|---|---|---|
| Kraft | keine | $F = qE = \dfrac{qU_A}{d}$, konstant |
| Beschleunigung | $0$ | $a = \dfrac{qU_A}{m\,d}$ |
| Geschwindigkeit | $v_x = v_0$ (konstant) | $v_y = a\,t$ |
| Ort | $x = v_0\,t$ | $y = \tfrac12\,a\,t^2$ |
Die Zeit eliminieren ($t = x/v_0$) liefert die Bahngleichung:
$$y(x) = \frac{a}{2v_0^2}\,x^2 = \frac{q\,U_A}{2\,m\,d\,v_0^2}\,x^2$$Eine Parabel mit Scheitel am Eintrittspunkt. Am Plattenende ($x = l$) ist das Elektron um $y(l) = \dfrac{qU_A l^2}{2md\,v_0^2}$ abgelenkt und hat die Querkomponente $v_y = a\cdot\dfrac{l}{v_0}$. Es verlässt das Feld unter dem Austrittswinkel
$$\tan\varphi = \frac{v_y}{v_0} = \frac{q\,U_A\,l}{m\,d\,v_0^2}$$und fliegt danach geradlinig weiter (keine Kraft mehr). Nützlich: Die Verlängerung dieser Geraden nach hinten trifft die $x$-Achse genau bei $x = l/2$, in der Plattenmitte. Die Gesamtablenkung auf einem Schirm im Abstand $s$ hinter dem Plattenende ist deshalb $Y = y(l) + s\tan\varphi = \tan\varphi\cdot\left(\dfrac l2 + s\right)$.
Zahlenbeispiel: $U_B = 2{,}0\,\mathrm{kV}$ (also $v_0 = 2{,}65\cdot 10^7\,\mathrm{m/s}$), $U_A = 100\,\mathrm{V}$, $d = 2{,}0\,\mathrm{cm}$, $l = 5{,}0\,\mathrm{cm}$. Dann $E = 5{,}0\cdot 10^3\,\mathrm{V/m}$, $a = 8{,}79\cdot 10^{14}\,\mathrm{m/s^2}$, Flugzeit im Feld $t = l/v_0 = 1{,}89\,\mathrm{ns}$, Ablenkung $y(l) = 1{,}56\,\mathrm{mm}$, $\tan\varphi = 0{,}0625$, $\varphi = 3{,}6^\circ$. Auf einem Schirm $20\,\mathrm{cm}$ hinter den Platten: $Y = 0{,}0625\cdot(0{,}025 + 0{,}20)\,\mathrm{m} = 14{,}1\,\mathrm{mm}$.
Die elegante Überraschung: y(l) hängt nicht von q und m ab
Kommt das Elektron aus einer Beschleunigungsstrecke mit $U_B$, ist $v_0^2 = \dfrac{2qU_B}{m}$. Setze das in die Ablenkung am Plattenende ein:
$$y(l) = \frac{q\,U_A\,l^2}{2\,m\,d\cdot\dfrac{2qU_B}{m}} = \frac{U_A\,l^2}{4\,d\,U_B}\qquad\qquad \tan\varphi = \frac{U_A\,l}{2\,d\,U_B}$$Ladung und Masse kürzen sich vollständig heraus. Ein Proton, ein Elektron, ein beliebiges Ion – alle werden bei denselben Spannungen gleich stark abgelenkt (nur das Vorzeichen der Ladung entscheidet über die Richtung). Der Grund: Eine große Masse ist im Längsfeld langsam (lange Zeit im Querfeld, viel Ablenkung) und im Querfeld träge (wenig Beschleunigung); beides hebt sich genau auf. Deshalb kann man mit einem reinen E-Feld keine Teilchenarten unterscheiden – dafür braucht man das Magnetfeld.
Die Ablenkung ist proportional zu $U_A$. Das ist das Prinzip der Braunschen Röhre und des analogen Oszilloskops: Die zu messende Spannung liegt an den Ablenkplatten, der Leuchtfleck auf dem Schirm wandert linear mit ihr. Ein zweites Plattenpaar lenkt mit einer Sägezahnspannung waagerecht ab (Zeitablenkung), und der Strahl schreibt den Spannungsverlauf $U(t)$ auf den Schirm. Beschleunigungsspannung hoch heißt heller Fleck, aber geringere Empfindlichkeit ($y \propto 1/U_B$).
Energie als Kontrolle. Das Querfeld verrichtet Arbeit, denn das Elektron bewegt sich um $y(l)$ in Feldrichtung: $W = qE\cdot y(l) = qU_A\,\dfrac{y(l)}{d}$. Genau das muss der Zuwachs an kinetischer Energie sein, $\tfrac12 m v_y^2$. Im Beispiel oben: $W = e\cdot 5{,}0\cdot 10^3\,\mathrm{V/m}\cdot 1{,}56\cdot 10^{-3}\,\mathrm{m} = 7{,}8\,\mathrm{eV}$ – gegenüber den $2000\,\mathrm{eV}$ Längsenergie winzig, der Betrag der Geschwindigkeit ändert sich nur um $0{,}2\,\%$. Das ist der allgemeine Unterschied zum Magnetfeld, das in Q1.2 folgt: Ein E-Feld kann Arbeit verrichten und den Betrag der Geschwindigkeit ändern; die Lorentzkraft steht immer senkrecht auf $v$ und ändert nur die Richtung, nie den Betrag.
Millikan-Versuch: Kräftegleichgewicht und Ladungsquantelung
Robert Millikan bestimmte 1910 die Elementarladung, indem er winzige Öltröpfchen in einem Plattenkondensator schweben ließ. Die Tröpfchen laden sich beim Zerstäuben elektrisch auf (einige wenige Elementarladungen). Zwischen den Platten (Abstand $d$, Spannung $U$ so gewählt, dass die obere Platte das Tröpfchen anzieht) wirken zwei Kräfte: die Gewichtskraft $mg$ nach unten und die elektrische Kraft $qE = qU/d$ nach oben. Regelt man $U$, bis ein Tröpfchen im Mikroskop stillsteht, gilt Kräftegleichgewicht:
$$q\,\frac{U}{d} = m\,g\qquad\Rightarrow\qquad q = \frac{m\,g\,d}{U}$$Die Masse folgt aus dem Radius (aus der Sinkgeschwindigkeit ohne Feld, Stokes-Reibung – im Abitur meist gegeben) und der Dichte des Öls: $m = \rho\cdot\tfrac43\pi r^3$. Beispiel: $r = 1{,}0\,\mathrm{\mu m}$, $\rho = 875\,\mathrm{kg/m^3}$ ergibt $m = 3{,}67\cdot 10^{-15}\,\mathrm{kg}$ und $mg = 3{,}60\cdot 10^{-14}\,\mathrm{N}$. Schwebt das Tröpfchen bei $d = 6{,}0\,\mathrm{mm}$ und $U = 449\,\mathrm{V}$, dann ist $q = \dfrac{3{,}60\cdot 10^{-14}\,\mathrm{N}\cdot 6{,}0\cdot 10^{-3}\,\mathrm{m}}{449\,\mathrm{V}} = 4{,}81\cdot 10^{-19}\,\mathrm{C} = 3\,e$.
Das eigentliche Ergebnis kommt aus vielen Tröpfchen: Alle gemessenen Ladungen sind ganzzahlige Vielfache von $1{,}6\cdot 10^{-19}\,\mathrm{C}$, nie $0{,}5\,e$ oder $2{,}3\,e$. Ladung ist gequantelt, und die kleinste Portion ist die Elementarladung. In einer Abituraufgabe trägst du die gemessenen $q$-Werte auf einer Achse auf, erkennst die Stufen und liest $e$ als größten gemeinsamen Abstand ab – nicht als Mittelwert aller Werte.
Typische Abituraufgabe und die Reihenfolge der Rechnung
Die Standardaufgabe kombiniert alles: Elektronenkanone mit $U_B$, Ablenkkondensator mit $l$, $d$, $U_A$, Schirm im Abstand $s$. Der sichere Rechenweg, in dieser Reihenfolge:
- Skizze mit Kathode, Anode, Plattenpaar ($l$, $d$, Polung), Parabel im Feld, Gerade danach, Schirm, $y(l)$, $\varphi$, $Y$ beschriftet.
- $v_0 = \sqrt{2eU_B/m_e}$ aus dem Energiesatz – ohne Abstand der Kanone. Zahl in SCI-3, Vergleich mit $c$.
- $E = U_A/d$, $a = eE/m_e$, Flugzeit $t = l/v_0$.
- $y(l) = \tfrac12 a t^2$ und Prüfung $y(l) \lt d/2$. Alternativ sofort $y(l) = U_A l^2/(4dU_B)$ – beide Wege müssen dasselbe liefern; das ist eine gute Selbstkontrolle.
- $\tan\varphi = v_y/v_0 = at/v_0$, dann $Y = y(l) + s\tan\varphi$.
- Antwortsatz mit Einheiten, Plausibilität (liegt $Y$ im Schirmbereich? Vorzeichen/Richtung richtig?).
Beliebte Varianten: „Wie muss $U_A$ gewählt werden, damit das Elektron gerade noch die Platten verlässt?“ ($y(l) = d/2$ setzen). „Wie ändert sich die Ablenkung, wenn $U_B$ verdoppelt wird?“ ($Y \propto 1/U_B$, halbiert). „Ein Proton statt Elektron?“ (gleiche Ablenkung, andere Richtung, aber $1836$-mal längere Flugzeit). „Begründen Sie, warum die Gewichtskraft vernachlässigt werden darf.“ ($mg \approx 10^{-29}\,\mathrm{N}$ gegen $eE \approx 10^{-15}\,\mathrm{N}$ – 14 Zehnerpotenzen.)
Grenzen des Modells: Das Feld ist nur im Inneren homogen; am Rand verlaufen die Feldlinien gebogen (Randfeld), was die Rechnung für $l \gg d$ kaum stört. Bei sehr großen $U_B$ wird die Masse relativistisch größer, dann ist $v_0$ kleiner als klassisch berechnet und die Ablenkung ebenfalls. Und im Abitur gilt stets: Luft ist nicht erlaubt – Vakuumröhre.
Simulation: Elektronenkanone, Ablenkkondensator und Schirm
Links die Kanone mit U_B, in der Mitte das Plattenpaar mit U_A (Feldpfeile), rechts der Schirm. Die Bahn ist im Feld eine Parabel und danach eine Gerade; die gestrichelte Rückverlängerung trifft die Achse bei l/2.
- Verdopple $U_A$. Sage vorher voraus, wie sich $y(l)$ und der Auftreffpunkt ändern. Dann verdopple stattdessen $U_B$: Warum halbiert sich die Ablenkung, obwohl die Kraft gleich bleibt?
- Wechsle vom Elektron zum Proton bei gleichen Spannungen. Was ändert sich an der Bahn, was an $v_0$ und an der Flugzeit? Erkläre mit $y(l) = U_A l^2/(4dU_B)$.
- Stelle $U_A$ so ein, dass das Teilchen gerade noch zwischen den Platten herauskommt. Prüfe den angezeigten Grenzwert rechnerisch mit $y(l) = d/2$.
- Halbiere $d$ bei festem $U_A$: Die Ablenkung wächst – obwohl der Spalt enger wird. Begründe mit $E = U_A/d$ und finde heraus, ab wann das Teilchen auf die Platte trifft.
Herleitung: Parabelbahn im Querfeld $y(x) = \dfrac{qU_A}{2md\,v_0^2}\,x^2$
Pflichtherleitung. Sie bringt volle Punkte nur mit beschrifteter Skizze (Platten, $l$, $d$, $v_0$, Feldrichtung, Koordinatensystem mit Ursprung am Eintrittspunkt) und mit der ausdrücklichen Begründung, warum die beiden Bewegungsrichtungen getrennt behandelt werden dürfen. Tippe „Verdecken“ und versuche es zuerst selbst.
- Ein Teilchen (Ladung $q$, Masse $m$) tritt mit der Geschwindigkeit $v_0$ parallel zu den Platten in das homogene Feld ein. Koordinatensystem: $x$ in Flugrichtung, $y$ senkrecht dazu in Richtung der Kraft, Ursprung am Eintrittspunkt. Das Feld zwischen den Platten (Abstand $d$, Spannung $U_A$) ist homogen:$$ E = \frac{U_A}{d} $$
- Auf das Teilchen wirkt die konstante Kraft $F = qE$ senkrecht zu den Platten; die Gewichtskraft ist um viele Zehnerpotenzen kleiner und wird vernachlässigt. Nach Newton 2 ergibt sich eine konstante Beschleunigung nur in $y$-Richtung:$$ a = \frac{F}{m} = \frac{q\,E}{m} = \frac{q\,U_A}{m\,d} $$
- In $x$-Richtung wirkt keine Kraft. Nach dem Unabhängigkeitsprinzip (Superposition) überlagern sich eine gleichförmige Bewegung in $x$ und eine gleichmäßig beschleunigte Bewegung aus der Ruhe in $y$ ungestört – wie beim waagerechten Wurf:$$ x(t) = v_0\,t,\qquad y(t) = \tfrac12\,a\,t^2 $$
- Die Zeit ist in der Bahngleichung nicht gefragt. Aus der $x$-Gleichung folgt $t = x/v_0$; das wird in die $y$-Gleichung eingesetzt (Zeitelimination):$$ y = \tfrac12\,a\left(\frac{x}{v_0}\right)^2 = \frac{a}{2v_0^2}\,x^2 $$
- Mit $a = qU_A/(md)$ erhält man die Bahngleichung – eine Parabel mit dem Scheitel im Ursprung, deren Öffnung mit $U_A$ wächst und mit $v_0^2$ und $d$ abnimmt:$$ y(x) = \frac{q\,U_A}{2\,m\,d\,v_0^2}\,x^2 $$
- Am Plattenende ($x = l$) ist die Ablenkung $y(l)$, und die Richtung ergibt sich aus den Geschwindigkeitskomponenten $v_x = v_0$ und $v_y = a\,t = a\,l/v_0$. Danach wirkt keine Kraft mehr, die Bahn ist eine Gerade unter dem Winkel $\varphi$:$$ y(l) = \frac{q\,U_A\,l^2}{2\,m\,d\,v_0^2},\qquad \tan\varphi = \frac{v_y}{v_0} = \frac{q\,U_A\,l}{m\,d\,v_0^2} $$
- Stammt $v_0$ aus einer Beschleunigungsspannung $U_B$, gilt $v_0^2 = 2qU_B/m$. Einsetzen lässt $q$ und $m$ herausfallen – die Ablenkung hängt nur noch von Spannungen und Geometrie ab:$$ y(l) = \frac{U_A\,l^2}{4\,d\,U_B},\qquad \tan\varphi = \frac{U_A\,l}{2\,d\,U_B} $$
Formeln, die du sicher können musst
| Größe / Gesetz | Formel | Was sie sagt · wann sie gilt |
|---|---|---|
| Energiesatz Längsfeld | $q\,U = \tfrac12\,m\,v^2$ | Feldarbeit wird Bewegungsenergie; Start aus der Ruhe; unabhängig von $d$ |
| Endgeschwindigkeit | $v = \sqrt{\dfrac{2\,q\,U}{m}}$ | Elektron: $U = 1\,\mathrm{kV} \Rightarrow 1{,}88\cdot 10^7\,\mathrm{m/s}$; klassisch nur bis $\approx 0{,}1\,c$ |
| Elektronenvolt | $1\,\mathrm{eV} = 1{,}602\cdot 10^{-19}\,\mathrm{J}$ | Energie nach $U$ in Volt direkt in eV ablesen; für $v$ in J umrechnen |
| Querbeschleunigung | $a = \dfrac{q\,E}{m} = \dfrac{q\,U_A}{m\,d}$ | konstant, senkrecht zu $v_0$; Gewichtskraft vernachlässigbar |
| Bahngleichung Querfeld | $y(x) = \dfrac{q\,U_A}{2\,m\,d\,v_0^2}\,x^2$ | Parabel, Scheitel am Eintritt; aus $x = v_0 t$, $y = \tfrac12 at^2$ |
| Austrittswinkel | $\tan\varphi = \dfrac{v_y}{v_0} = \dfrac{q\,U_A\,l}{m\,d\,v_0^2}$ | danach geradlinig; Rückverlängerung schneidet Achse bei $l/2$ |
| Ablenkung mit $U_B$ | $y(l) = \dfrac{U_A\,l^2}{4\,d\,U_B}$ | unabhängig von $q$ und $m$; $\propto U_A$ (Oszilloskop), $\propto 1/U_B$ |
| Schirmablenkung | $Y = y(l) + s\tan\varphi = \tan\varphi\left(\tfrac l2 + s\right)$ | $s$ = Abstand Plattenende–Schirm |
| Millikan (Schweben) | $q\,\dfrac{U}{d} = m\,g\ \Rightarrow\ q = \dfrac{m\,g\,d}{U}$ | Kräftegleichgewicht; $m = \rho\cdot\tfrac43\pi r^3$; $q = n\cdot e$ (Quantelung) |
Typische Fehler – und wie du die Punkte holst
- $v_0$ über $F = eU/d$, $a = F/m$, $v = \sqrt{2ad}$ berechnet und dabei $d$ falsch oder gar nicht gegeben – oder behauptet, $v_0$ hänge vom Abstand der Kanone ab.Energiesatz: $eU_B = \tfrac12 m v_0^2$, also $v_0 = \sqrt{2eU_B/m}$. Der Abstand kürzt sich heraus ($F\cdot d = eU$). Ein Satz dazu bringt den Punkt für die Begründung.
- Im Querfeld die Energie $eU_A$ für die Geschwindigkeit benutzt („das Elektron durchläuft $U_A$“).Das Elektron durchläuft nur den Bruchteil $y(l)/d$ der Ablenkspannung. Im Querfeld rechnet man mit Kraft und Beschleunigung (Wurfparabel), nicht mit dem Energiesatz. Energie nur als Kontrolle: $\tfrac12 m v_y^2 = eU_A\,y(l)/d$.
- Bahngleichung mit $t$ stehen gelassen oder die Zeit falsch eliminiert ($t = v_0 x$ statt $t = x/v_0$).$x = v_0 t \Rightarrow t = x/v_0$, dann $y = \tfrac12 a (x/v_0)^2 = \dfrac{a}{2v_0^2}x^2$. Einheitencheck: $\dfrac{\mathrm{m/s^2}}{\mathrm{m^2/s^2}}\cdot\mathrm{m^2} = \mathrm{m}$.
- Nach dem Plattenende die Parabel weitergezeichnet oder mit $y(l)$ als Schirmablenkung gerechnet.Außerhalb des Feldes wirkt keine Kraft: geradlinige Bewegung unter $\tan\varphi = v_y/v_0$. Schirmablenkung $Y = y(l) + s\tan\varphi$. In der Skizze: Parabel im Feld, Gerade danach, Knick am Plattenende.
- Austrittswinkel über $\tan\varphi = y(l)/l$ bestimmt.$y(l)/l$ ist die Steigung der Sehne, nicht der Tangente. Richtig: $\tan\varphi = v_y/v_0 = 2y(l)/l$ – die Tangente ist doppelt so steil wie die Sehne (Parabel!). Deshalb trifft die Rückverlängerung bei $l/2$.
- Proton statt Elektron: „wird $1836$-mal weniger abgelenkt, weil es schwerer ist“.Bei gleichem $U_B$ und $U_A$ ist $y(l) = U_A l^2/(4dU_B)$ unabhängig von $m$ und $q$: Das Proton ist langsamer (längere Zeit im Feld) und träger – beides hebt sich auf. Nur die Richtung kehrt sich um. Bei gleichem $v_0$ wäre die Ablenkung tatsächlich $1836$-mal kleiner.
- Plausibilität vergessen: $y(l) \gt d/2$ ausgerechnet und trotzdem Schirmablenkung angegeben.Immer prüfen, ob $y(l) \lt d/2$. Sonst trifft das Teilchen auf die Platte und kommt nicht am Schirm an. Grenzspannung: $U_A^{\max} = 2d^2U_B/l^2$.
- Erläutern (Funktionsweise Elektronenkanone/Oszilloskop, Millikan): Phänomen → Ursache → Gesetz. Beispiel: „Der Leuchtfleck wandert proportional zur Messspannung (Phänomen), weil die konstante Kraft $eU_A/d$ im Querfeld eine Parabelbahn erzeugt (Ursache), deren Ablenkung $y = U_A l^2/(4dU_B)$ linear in $U_A$ ist (Gesetz).“
- Leiten Sie her (Parabelbahn, $v_0$ aus $U_B$, $y(l)$ ohne $q$ und $m$): beschriftete Skizze mit Koordinatensystem, Unabhängigkeitsprinzip nennen, jeden Schritt begründen, Zeitelimination explizit, Schlusssatz.
- Berechnen: Reihenfolge $v_0 \to E \to a \to t \to y(l) \to \varphi \to Y$; Konstanten $e$, $m_e$ aus der Formelsammlung; SCI-3; Prüfung $y(l) \lt d/2$ und $v_0 \ll c$; Antwortsatz.
- Beurteilen / Vergleichen (Proton statt Elektron, Verdopplung von $U_B$, relativistische Grenze, Randfeld): mit Verhältnissen argumentieren ($Y \propto U_A/U_B$), Annahmen nennen (homogenes Feld, Vakuum, $mg$ vernachlässigt), Grenzen in einem Satz.
5 harte Fragen – hast du es wirklich verstanden?
Offene Aufgaben auf Papier lösen (Zeit stoppen!), erst dann die Lösung aufdecken und ehrlich Punkte geben. Die Ergebnisse werden auf diesem Gerät gespeichert.
Oszilloskop: Kanone, Ablenkplatten, Schirm
In einer Oszilloskopröhre werden Elektronen (aus der Ruhe) mit $U_B = 1{,}50\,\mathrm{kV}$ beschleunigt und treten dann mittig und parallel zu den Platten in einen Ablenkkondensator ein (Plattenlänge $l = 4{,}0\,\mathrm{cm}$, Plattenabstand $d = 1{,}5\,\mathrm{cm}$, Ablenkspannung $U_A = 120\,\mathrm{V}$). Der Leuchtschirm steht $s = 25\,\mathrm{cm}$ hinter dem Plattenende.
- Fertige eine beschriftete Skizze an und berechne die Geschwindigkeit $v_0$, mit der die Elektronen in den Kondensator eintreten. Begründe, dass klassisch gerechnet werden darf.
- Bestimme die Ablenkung am Plattenende, den Austrittswinkel und den Auftreffpunkt auf dem Schirm. Prüfe, ob die Elektronen die Platten verlassen.
- Zeige, dass die Elektronen im Querfeld nur eine Energie von etwa $17\,\mathrm{eV}$ gewinnen, und berechne daraus $v_y$ als Kontrolle.
- Beurteile: Wie groß darf $U_A$ höchstens werden, und wie ändert sich die Empfindlichkeit (Schirmablenkung pro Volt), wenn man $U_B$ verdoppelt?
- 3 Pa) Skizze (Kathode, Anode, Platten mit $l$, $d$, Polung, Parabel, Gerade, Schirm, $y(l)$, $\varphi$, $Y$); $eU_B = \tfrac12 m_e v_0^2$, $v_0 = 2{,}30\cdot 10^7\,\mathrm{m/s}$; $v_0/c = 7{,}7\,\%$ $\lt 10\,\%$ $\Rightarrow$ klassisch zulässig
- 4 Pb) $E = 8{,}00\cdot 10^3\,\mathrm{V/m}$, $a = 1{,}41\cdot 10^{15}\,\mathrm{m/s^2}$, $t = 1{,}74\,\mathrm{ns}$, $y(l) = 2{,}13\,\mathrm{mm}$ (oder direkt $U_A l^2/(4dU_B)$); $y(l) \lt 7{,}5\,\mathrm{mm}$ $\checkmark$; $\tan\varphi = 0{,}107$, $\varphi = 6{,}1^\circ$; $Y = y(l) + s\tan\varphi = 28{,}8\,\mathrm{mm}$
- 2 Pc) $W = eE\,y(l) = eU_A\,y(l)/d = 17{,}1\,\mathrm{eV} = 2{,}73\cdot 10^{-18}\,\mathrm{J}$; $v_y = \sqrt{2W/m_e} = 2{,}45\cdot 10^6\,\mathrm{m/s}$, stimmt mit $a\cdot t$ überein
- 3 Pd) $y(l) = d/2$ $\Rightarrow$ $U_A^{\max} = 2d^2U_B/l^2 = 422\,\mathrm{V}$; Empfindlichkeit $Y/U_A = 0{,}24\,\mathrm{mm/V}$, $\propto 1/U_B$ $\Rightarrow$ bei doppeltem $U_B$ halbiert ($0{,}12\,\mathrm{mm/V}$); Begründung: schnellere Elektronen sind kürzer im Feld
a) Skizze: links Glühkathode und Lochanode mit $U_B$; dann das Plattenpaar (obere Platte $+$, untere $-$, Abstand $d$, Länge $l$), Elektronenstrahl tritt mittig ein, im Feld Parabel nach oben, am Plattenende Knick, danach Gerade zum Schirm im Abstand $s$; eingezeichnet $y(l)$, $\varphi$ und $Y$. Energiesatz für die Beschleunigungsstrecke (die Arbeit $eU_B$ wird vollständig zu Bewegungsenergie, unabhängig vom Abstand Kathode–Anode): $$e\,U_B = \tfrac12\,m_e\,v_0^2\quad\Rightarrow\quad v_0 = \sqrt{\frac{2eU_B}{m_e}} = \sqrt{\frac{2\cdot 1{,}602\cdot 10^{-19}\,\mathrm{C}\cdot 1500\,\mathrm{V}}{9{,}109\cdot 10^{-31}\,\mathrm{kg}}} = 2{,}30\cdot 10^7\,\mathrm{\frac{m}{s}}.$$ Das sind $v_0/c = 2{,}30\cdot 10^7/3{,}00\cdot 10^8 = 7{,}7\,\%$ der Lichtgeschwindigkeit, also unter der Grenze von etwa $10\,\%$, ab der relativistische Korrekturen nötig werden (Abweichung hier unter $0{,}5\,\%$). Die Elektronen treten mit $2{,}30\cdot 10^7\,\mathrm{m/s}$ in den Kondensator ein.
b) Feld und Beschleunigung: $E = \dfrac{U_A}{d} = \dfrac{120\,\mathrm{V}}{0{,}015\,\mathrm{m}} = 8{,}00\cdot 10^3\,\mathrm{V/m}$, $a = \dfrac{eE}{m_e} = \dfrac{1{,}602\cdot 10^{-19}\,\mathrm{C}\cdot 8{,}00\cdot 10^3\,\mathrm{V/m}}{9{,}109\cdot 10^{-31}\,\mathrm{kg}} = 1{,}41\cdot 10^{15}\,\mathrm{m/s^2}$. Flugzeit im Feld: $t = \dfrac{l}{v_0} = \dfrac{0{,}040\,\mathrm{m}}{2{,}30\cdot 10^7\,\mathrm{m/s}} = 1{,}74\cdot 10^{-9}\,\mathrm{s}$. Ablenkung am Plattenende: $$y(l) = \tfrac12\,a\,t^2 = \tfrac12\cdot 1{,}41\cdot 10^{15}\,\mathrm{\frac{m}{s^2}}\cdot\left(1{,}74\cdot 10^{-9}\,\mathrm{s}\right)^2 = 2{,}13\cdot 10^{-3}\,\mathrm{m} = 2{,}13\,\mathrm{mm}.$$ Kontrolle mit der spannungsreinen Formel: $y(l) = \dfrac{U_A l^2}{4dU_B} = \dfrac{120\,\mathrm{V}\cdot(0{,}040\,\mathrm{m})^2}{4\cdot 0{,}015\,\mathrm{m}\cdot 1500\,\mathrm{V}} = 2{,}13\,\mathrm{mm}$ $\checkmark$. Wegen $2{,}13\,\mathrm{mm} \lt d/2 = 7{,}5\,\mathrm{mm}$ verlassen die Elektronen den Kondensator. Austrittswinkel: $v_y = a\,t = 1{,}41\cdot 10^{15}\,\mathrm{m/s^2}\cdot 1{,}74\cdot 10^{-9}\,\mathrm{s} = 2{,}45\cdot 10^6\,\mathrm{m/s}$, $$\tan\varphi = \frac{v_y}{v_0} = \frac{2{,}45\cdot 10^6}{2{,}30\cdot 10^7} = 0{,}107\quad\Rightarrow\quad\varphi = 6{,}1^\circ$$ (oder $\tan\varphi = \dfrac{U_A l}{2dU_B} = \dfrac{120\cdot 0{,}040}{2\cdot 0{,}015\cdot 1500} = 0{,}107$). Nach dem Feld geradlinig: $Y = y(l) + s\tan\varphi = 2{,}13\,\mathrm{mm} + 250\,\mathrm{mm}\cdot 0{,}107 = 28{,}8\,\mathrm{mm}$. Der Leuchtfleck liegt $28{,}8\,\mathrm{mm}$ über der Mitte des Schirms.
c) Im Querfeld bewegt sich das Elektron um $y(l)$ in Feldrichtung; das Feld verrichtet dabei die Arbeit $$W = e\,E\,y(l) = e\,U_A\,\frac{y(l)}{d} = e\cdot 120\,\mathrm{V}\cdot\frac{2{,}13\,\mathrm{mm}}{15\,\mathrm{mm}} = 17{,}1\,\mathrm{eV} = 2{,}73\cdot 10^{-18}\,\mathrm{J}.$$ Das Elektron durchläuft nur $14\,\%$ der Ablenkspannung, deshalb nur $17\,\mathrm{eV}$ gegenüber $1500\,\mathrm{eV}$ aus der Kanone. Diese Energie steckt in der Querbewegung: $\tfrac12 m_e v_y^2 = W$, also $v_y = \sqrt{\dfrac{2\cdot 2{,}73\cdot 10^{-18}\,\mathrm{J}}{9{,}109\cdot 10^{-31}\,\mathrm{kg}}} = 2{,}45\cdot 10^6\,\mathrm{m/s}$ – in Übereinstimmung mit $v_y = a\,t$ aus b). Der Betrag der Geschwindigkeit wächst nur von $2{,}297$ auf $2{,}310\cdot 10^7\,\mathrm{m/s}$, um $0{,}6\,\%$.
d) Die Elektronen treffen auf die Platte, wenn $y(l) = d/2$ wird: $\dfrac{U_A l^2}{4dU_B} = \dfrac d2 \Rightarrow U_A^{\max} = \dfrac{2d^2U_B}{l^2} = \dfrac{2\cdot(0{,}015\,\mathrm{m})^2\cdot 1500\,\mathrm{V}}{(0{,}040\,\mathrm{m})^2} = 422\,\mathrm{V}$. Die Empfindlichkeit beträgt $\dfrac{Y}{U_A} = \dfrac{28{,}8\,\mathrm{mm}}{120\,\mathrm{V}} = 0{,}24\,\mathrm{mm/V}$. Da $Y = \dfrac{U_A l}{2dU_B}\left(\dfrac l2 + s\right) \propto \dfrac{1}{U_B}$ ist, halbiert sich die Empfindlichkeit bei doppeltem $U_B$ auf $0{,}12\,\mathrm{mm/V}$: Die schnelleren Elektronen sind nur $1/\sqrt2$ der Zeit im Feld, und gleichzeitig ist der Winkel $v_y/v_0$ um einen weiteren Faktor $1/\sqrt2$ kleiner. Dafür wird der Leuchtfleck heller und schärfer, und $U_A^{\max}$ verdoppelt sich – ein Kompromiss, den der Konstrukteur wählen muss.
Millikan: Messreihe und Ladungsquantelung
In einem Millikan-Versuch ($d = 5{,}00\,\mathrm{mm}$) wird ein Öltröpfchen (Dichte $\rho = 875\,\mathrm{kg/m^3}$) mit dem Radius $r = 0{,}80\,\mathrm{\mu m}$ zum Schweben gebracht. Für vier verschiedene Tröpfchen gleichen Radius’ werden die Schwebespannungen $575\,\mathrm{V}$, $287\,\mathrm{V}$, $192\,\mathrm{V}$ und $144\,\mathrm{V}$ gemessen (Unsicherheit je $\pm 5\,\mathrm{V}$).
- Leite aus dem Kräftegleichgewicht eine Formel für die Ladung $q$ eines schwebenden Tröpfchens her und berechne die Masse und die Gewichtskraft des Tröpfchens.
- Bestimme die vier Ladungen und zeige, dass sie mit der Ladungsquantelung verträglich sind. Bestimme daraus einen Wert für $e$ und vergleiche mit dem Literaturwert.
- Ein Tröpfchen lädt sich durch ionisierende Strahlung zusätzlich um ein Elektron auf. Erläutere, was der Experimentator beobachtet und wie er die Spannung nachregeln muss.
- 3 Pa) Kräfte $mg$ nach unten, $qE = qU/d$ nach oben; Gleichgewicht $qU/d = mg$ $\Rightarrow$ $q = mgd/U$; $m = \rho\cdot\tfrac43\pi r^3 = 1{,}88\cdot 10^{-15}\,\mathrm{kg}$, $mg = 1{,}84\cdot 10^{-14}\,\mathrm{N}$
- 3 Pb) $q = 1{,}60$; $3{,}21$; $4{,}79$; $6{,}39\cdot 10^{-19}\,\mathrm{C}$ $\Rightarrow$ Verhältnis $1 : 2 : 3 : 4$, Vielfache einer kleinsten Ladung; $e \approx 1{,}60\cdot 10^{-19}\,\mathrm{C}$ (z. B. aus den Stufenabständen oder $q_n/n$ gemittelt), Abweichung $\lt 1\,\%$, innerhalb der Unsicherheit ($\pm 5\,\mathrm{V}$ entspricht $1$–$3\,\%$)
- 2 Pc) Ladung wird um $e$ größer $\Rightarrow$ elektrische Kraft überwiegt, Tröpfchen steigt (Phänomen); $q$ größer bei gleichem $U$ (Ursache); Gleichgewicht erfordert $U' = mgd/(q+e)$, also kleinere Spannung, z. B. von $287$ auf $192\,\mathrm{V}$ (Gesetz)
a) Auf das Tröpfchen wirken die Gewichtskraft $F_g = mg$ nach unten und – bei passender Polung der oberen Platte – die elektrische Kraft $F_{el} = qE = q\,\dfrac{U}{d}$ nach oben. Schwebt es, sind beide Kräfte gleich groß (Luftreibung tritt nur bei Bewegung auf): $$q\,\frac{U}{d} = m\,g\qquad\Rightarrow\qquad q = \frac{m\,g\,d}{U}.$$ Masse aus Volumen und Dichte: $m = \rho\cdot\tfrac43\pi r^3 = 875\,\mathrm{\dfrac{kg}{m^3}}\cdot\tfrac43\pi\cdot(0{,}80\cdot 10^{-6}\,\mathrm{m})^3 = 1{,}88\cdot 10^{-15}\,\mathrm{kg}$, Gewichtskraft $mg = 1{,}88\cdot 10^{-15}\,\mathrm{kg}\cdot 9{,}81\,\mathrm{m/s^2} = 1{,}84\cdot 10^{-14}\,\mathrm{N}$.
b) Mit $mgd = 1{,}84\cdot 10^{-14}\,\mathrm{N}\cdot 5{,}00\cdot 10^{-3}\,\mathrm{m} = 9{,}20\cdot 10^{-17}\,\mathrm{N\,m}$ folgt $q = \dfrac{9{,}20\cdot 10^{-17}\,\mathrm{N\,m}}{U}$:
| $U$ in V | 575 | 287 | 192 | 144 |
|---|---|---|---|---|
| $q$ in $10^{-19}\,\mathrm{C}$ | 1,60 | 3,21 | 4,79 | 6,39 |
| $q / (1{,}60\cdot 10^{-19}\,\mathrm{C})$ | 1,00 | 2,00 | 2,99 | 3,99 |
Die Ladungen verhalten sich wie $1 : 2 : 3 : 4$ – sie sind ganzzahlige Vielfache einer kleinsten Ladung, wie es die Ladungsquantelung $q = n\cdot e$ verlangt. Aus den vier Werten $q_n/n$ ergibt sich im Mittel $e = \dfrac{1{,}60 + 1{,}605 + 1{,}597 + 1{,}598}{4}\cdot 10^{-19}\,\mathrm{C} = 1{,}60\cdot 10^{-19}\,\mathrm{C}$. Relative Abweichung vom Literaturwert $1{,}602\cdot 10^{-19}\,\mathrm{C}$: unter $0{,}2\,\%$. Die Spannungsunsicherheit $\pm 5\,\mathrm{V}$ bedeutet $0{,}9\,\%$ bei $575\,\mathrm{V}$ und $3{,}5\,\%$ bei $144\,\mathrm{V}$ – der Literaturwert liegt klar im Unsicherheitsintervall. (Hinweis: Der Mittelwert aller $q$ wäre $4{,}0\cdot 10^{-19}\,\mathrm{C}$ und physikalisch bedeutungslos; $e$ ist der Abstand der Stufen, nicht der Durchschnitt.)
c) Fängt das Tröpfchen ein zusätzliches Elektron ein, wächst seine Ladung um $e$ (bei negativer Tröpfchenladung von $n\,e$ auf $(n+1)\,e$). Phänomen: Bei unveränderter Spannung ist die elektrische Kraft $qU/d$ jetzt größer als die Gewichtskraft, das Tröpfchen setzt sich im Mikroskop ruckartig nach oben in Bewegung. Ursache: Die Kraft ist proportional zur Ladung, das Gleichgewicht ist gestört. Gesetz: Für neues Schweben muss $U' = \dfrac{mgd}{q + e}$ gelten, die Spannung ist also zu verringern – von $287\,\mathrm{V}$ ($n = 2$) auf $192\,\mathrm{V}$ ($n = 3$). Dass die Spannung dabei in Sprüngen und nie kontinuierlich nachgeregelt werden muss, ist genau die Beobachtung, mit der Millikan die Quantelung nachwies.
Transfer: Ionentriebwerk
Ein Ionentriebwerk eines Satelliten beschleunigt einfach positiv geladene Xenon-Ionen ($m = 131\,\mathrm{u}$, $1\,\mathrm{u} = 1{,}6605\cdot 10^{-27}\,\mathrm{kg}$) aus der Ruhe mit der Spannung $U = 1{,}20\,\mathrm{kV}$ zwischen zwei Gittern im Abstand $d = 1{,}0\,\mathrm{cm}$. Der Ionenstrom beträgt $I = 2{,}0\,\mathrm{A}$.
- Berechne die Austrittsgeschwindigkeit der Ionen und ihre kinetische Energie in eV und J. Erläutere, warum der Gitterabstand dafür keine Rolle spielt, für die Beschleunigung und die Flugzeit aber schon – berechne beides.
- Ein Ingenieur schlägt vor, statt Xenon Elektronen zu beschleunigen, „weil sie bei gleicher Spannung viel schneller werden“. Berechne das Geschwindigkeitsverhältnis und beurteile den Vorschlag im Hinblick auf den Schub $F = \dot m\cdot v$ (Massenstrom mal Geschwindigkeit).
- 2 Pa) $qU = \tfrac12 mv^2$, $v = \sqrt{2eU/m} = 4{,}20\cdot 10^4\,\mathrm{m/s}$; $E_{\text{kin}} = 1{,}20\,\mathrm{keV} = 1{,}92\cdot 10^{-16}\,\mathrm{J}$
- 3 Pa) $W = F\cdot d = (qU/d)\cdot d = qU$ unabhängig von $d$; $E = 1{,}20\cdot 10^5\,\mathrm{V/m}$, $a = eE/m = 8{,}84\cdot 10^{10}\,\mathrm{m/s^2}$, $t = \sqrt{2d/a} = 4{,}76\cdot 10^{-7}\,\mathrm{s}$ (oder $t = 2d/v$); bei doppeltem $d$: $a$ halb, $t$ doppelt, $v$ gleich
- 3 Pb) $v_e/v_{Xe} = \sqrt{m_{Xe}/m_e} = 489$; Schub: Massenstrom $\dot m = (I/e)\cdot m$ ist bei Elektronen um den Faktor $m_e/m_{Xe} = 1/2{,}39\cdot 10^5$ kleiner, $F = \dot m v$ sinkt um $489$ $\Rightarrow$ Vorschlag untauglich; Xenon: $\dot m = 2{,}72\,\mathrm{mg/s}$, $F = 0{,}114\,\mathrm{N}$
a) $m_{Xe} = 131\cdot 1{,}6605\cdot 10^{-27}\,\mathrm{kg} = 2{,}175\cdot 10^{-25}\,\mathrm{kg}$, $q = e$. Energiesatz: Die Feldarbeit $eU$ wird zu Bewegungsenergie, $$v = \sqrt{\frac{2eU}{m}} = \sqrt{\frac{2\cdot 1{,}602\cdot 10^{-19}\,\mathrm{C}\cdot 1200\,\mathrm{V}}{2{,}175\cdot 10^{-25}\,\mathrm{kg}}} = 4{,}20\cdot 10^4\,\mathrm{\frac{m}{s}} = 42\,\mathrm{km/s}.$$ Die kinetische Energie ist $E_{\text{kin}} = eU = 1{,}20\,\mathrm{keV} = 1200\cdot 1{,}602\cdot 10^{-19}\,\mathrm{J} = 1{,}92\cdot 10^{-16}\,\mathrm{J}$. Der Gitterabstand kommt nicht vor: Die Kraft $F = eU/d$ ist umgekehrt proportional zu $d$, der Weg ist $d$, die Arbeit $F\cdot d = eU$ bleibt. Beschleunigung und Flugzeit hängen dagegen sehr wohl von $d$ ab: $E = \dfrac{U}{d} = \dfrac{1200\,\mathrm{V}}{0{,}010\,\mathrm{m}} = 1{,}20\cdot 10^5\,\mathrm{V/m}$, $$a = \frac{eE}{m} = \frac{1{,}602\cdot 10^{-19}\,\mathrm{C}\cdot 1{,}20\cdot 10^5\,\mathrm{V/m}}{2{,}175\cdot 10^{-25}\,\mathrm{kg}} = 8{,}84\cdot 10^{10}\,\mathrm{\frac{m}{s^2}},\qquad t = \sqrt{\frac{2d}{a}} = \sqrt{\frac{2\cdot 0{,}010\,\mathrm{m}}{8{,}84\cdot 10^{10}\,\mathrm{m/s^2}}} = 4{,}76\cdot 10^{-7}\,\mathrm{s}.$$ Kontrolle: $a\cdot t = 4{,}20\cdot 10^4\,\mathrm{m/s} = v$ $\checkmark$. Bei doppeltem Gitterabstand wäre die Beschleunigung halb so groß und die Flugzeit doppelt so lang ($0{,}95\,\mathrm{\mu s}$), die Endgeschwindigkeit aber unverändert.
b) Bei gleicher Spannung und gleicher Ladung ist die Energie gleich, also $\tfrac12 m_e v_e^2 = \tfrac12 m_{Xe} v_{Xe}^2$ und $$\frac{v_e}{v_{Xe}} = \sqrt{\frac{m_{Xe}}{m_e}} = \sqrt{\frac{2{,}175\cdot 10^{-25}}{9{,}109\cdot 10^{-31}}} = 489 .$$ Elektronen wären also mit $2{,}05\cdot 10^7\,\mathrm{m/s}$ tatsächlich $489$-mal schneller. Für den Schub zählt aber der Impuls pro Zeit, $F = \dot m\,v$. Der Strom $I = 2{,}0\,\mathrm{A}$ legt die Zahl der Teilchen pro Sekunde fest, $I/e = 1{,}25\cdot 10^{19}\,\mathrm{s^{-1}}$; der Massenstrom ist $\dot m = \dfrac{I}{e}\,m$. Für Xenon: $\dot m = 1{,}25\cdot 10^{19}\,\mathrm{s^{-1}}\cdot 2{,}175\cdot 10^{-25}\,\mathrm{kg} = 2{,}72\cdot 10^{-6}\,\mathrm{kg/s}$ und $F = \dot m\,v = 2{,}72\cdot 10^{-6}\,\mathrm{kg/s}\cdot 4{,}20\cdot 10^4\,\mathrm{m/s} = 0{,}114\,\mathrm{N}$ – wenig, aber über Monate wirksam. Bei Elektronen ist der Massenstrom um den Faktor $m_e/m_{Xe} = 1/(2{,}39\cdot 10^5)$ kleiner, die Geschwindigkeit nur um den Faktor $489$ größer. Der Schub $F = \dot m v \propto m\cdot\sqrt{1/m} = \sqrt m$ sinkt also um den Faktor $\sqrt{m_{Xe}/m_e} = 489$ auf etwa $0{,}23\,\mathrm{mN}$. Der Vorschlag ist untauglich: Bei vorgegebenem Strom und gegebener Spannung bringt das schwerste Ion den meisten Schub – genau deshalb nimmt man Xenon. (Außerdem würde sich der Satellit durch den Verlust negativer Ladung positiv aufladen und die Elektronen zurückziehen.)
Ein Elektron und ein Proton werden aus der Ruhe mit derselben Spannung $U$ beschleunigt. Welche Aussage ist richtig?
In einer Braunschen Röhre wird die Beschleunigungsspannung $U_B$ vervierfacht, Ablenkspannung und Geometrie bleiben gleich. Wie ändert sich die Ablenkung $y(l)$ am Ende der Ablenkplatten?
Meine Notizen zu „Bewegung geladener Teilchen im elektrischen Feld“
Wird automatisch auf diesem Gerät gespeichert. Über die Übersichtsseite kannst du alle Notizen als Datei sichern.