Harmonische Schwingungen: Feder- und Fadenpendel, DGL, Energie, Resonanz
Ein lineares Kraftgesetz, eine Differentialgleichung, eine Sinuslösung – und warum das Pendel nur für kleine Winkel mitspielt.
Vorwissen aus den Jahren davor – kurz prüfen
Tippe auf eine Frage, erst selbst antworten, dann vergleichen. Wenn etwas wackelt: zuerst dort nachlesen, sonst stolperst du im neuen Stoff.
Hookesches Gesetz: Was bedeutet die Federkonstante D, und wie misst man sie?
Ableiten von sin und cos mit innerer Funktion – die Kettenregel
Kleinwinkelnäherung sin φ ≈ φ – wie gut ist sie, und in welcher Einheit?
Energieerhaltung: Spannenergie, Lageenergie, Bewegungsenergie?
Kreisbewegung: Was bedeuten ω, T und f, und was ist die Projektion eines Kreispunkts?
Messreihen auswerten: Warum linearisieren, warum Steigung statt Einzelwert?
Was eine Schwingung harmonisch macht
Eine Masse an einer Feder, ein Pendel, eine schwingende Saite, der Strom im Schwingkreis: Alle bewegen sich periodisch um eine Ruhelage. Harmonisch heißt die Schwingung, wenn ihr Zeitverlauf eine Sinusfunktion ist – und das ist genau dann der Fall, wenn die rücktreibende Kraft linear von der Auslenkung abhängt:
$$F = -D\cdot y\qquad\text{(lineares Kraftgesetz: rücktreibend, proportional zur Auslenkung).}$$Das Minuszeichen bedeutet „zur Ruhelage zurück“: Auslenkung nach oben ⇒ Kraft nach unten. Die Konstante $D$ heißt Richtgröße (bei der Feder: Federkonstante). Begriffe, die du sicher brauchst:
- Auslenkung (Elongation) $y(t)$: momentaner Abstand von der Ruhelage; Amplitude $\hat y$: maximale Auslenkung.
- Periodendauer $T$: Zeit für eine volle Schwingung (hin und zurück); Frequenz $f = 1/T$; Kreisfrequenz $\omega = 2\pi f = 2\pi/T$.
- Phase $\omega t + \varphi_0$: „wo im Zyklus“ die Schwingung gerade ist; $\varphi_0$ legt den Zustand bei $t = 0$ fest.
Beim Federpendel (Masse $m$ an einer Feder, senkrecht oder waagerecht) gilt das lineare Gesetz exakt, solange die Feder im Hookeschen Bereich bleibt. Beim senkrechten Federpendel verschiebt die Gewichtskraft nur die Ruhelage; um die neue Ruhelage herum ist die rücktreibende Kraft wieder $-Dy$ – deshalb darf man $g$ beim Federpendel weglassen.
Die Differentialgleichung und ihre Lösung
Newton 2 mit dem linearen Kraftgesetz ergibt die Bewegungsgleichung:
$$m\,\ddot y = -D\,y\qquad\Rightarrow\qquad \ddot y = -\frac{D}{m}\,y = -\omega^2\, y\quad\text{mit}\quad \omega^2 = \frac{D}{m}.$$Das ist eine Differentialgleichung: Sie verknüpft die Funktion $y(t)$ mit ihrer zweiten Ableitung. Gesucht ist eine Funktion, deren zweite Ableitung das $(-\omega^2)$-fache der Funktion selbst ist. Die Sinusfunktion kann das – Nachweis durch zweimaliges Ableiten (Kettenregel!):
$$y(t) = \hat y\sin(\omega t + \varphi_0)\quad\Rightarrow\quad \dot y(t) = \hat y\,\omega\cos(\omega t + \varphi_0)\quad\Rightarrow\quad \ddot y(t) = -\hat y\,\omega^2\sin(\omega t + \varphi_0) = -\omega^2\,y(t).\ \checkmark$$Beim ersten Ableiten liefert die Kettenregel den Faktor $\omega$ (innere Ableitung von $\omega t + \varphi_0$), beim zweiten noch einmal $\omega$ und das Minuszeichen der Cosinus-Ableitung. Ohne Kettenregel stünde da $\ddot y = -y$, und die DGL wäre nur für $\omega = 1$ erfüllt – ein klassischer Punktverlust.
Aus der Lösung folgen Geschwindigkeit und Beschleunigung samt ihren Maximalwerten:
| Größe | Zeitverlauf (für $\varphi_0 = 0$) | Maximalwert | wo? |
|---|---|---|---|
| Auslenkung | $y = \hat y\sin(\omega t)$ | $\hat y$ | Umkehrpunkte |
| Geschwindigkeit | $v = \hat y\,\omega\cos(\omega t)$ | $v_{max} = \hat y\,\omega$ | Ruhelage |
| Beschleunigung | $a = -\hat y\,\omega^2\sin(\omega t)$ | $a_{max} = \hat y\,\omega^2$ | Umkehrpunkte (zur Ruhelage gerichtet) |
$v$ ist um eine Viertelperiode gegen $y$ verschoben (Cosinus statt Sinus), $a$ ist immer das Negative von $y$ mal $\omega^2$. Das Zeigerbild fasst das zusammen: Ein Zeiger der Länge $\hat y$ rotiert mit $\omega$; seine Projektion auf die $y$-Achse ist $y(t)$ – die Schwingung ist die Projektion einer Kreisbewegung (siehe Seite Kreisbewegung).
Fadenpendel: harmonisch nur für kleine Winkel
Ein Fadenpendel (Masse $m$ an einem masselosen Faden der Länge $l$) wird um den Winkel $\varphi$ ausgelenkt. Von der Gewichtskraft $mg$ wirkt die Komponente entlang des Fadens nur als Fadenspannung mit; rücktreibend ist allein die Komponente tangential zur Bahn:
$$F = -m\,g\,\sin\varphi .$$Das ist kein lineares Kraftgesetz – $\sin\varphi$ ist nicht proportional zu $\varphi$. Das Fadenpendel schwingt also streng genommen nicht harmonisch. Erst die Kleinwinkelnäherung $\sin\varphi\approx\varphi$ (Bogenmaß) macht es dazu: Mit der Bogenlänge $y = l\varphi$ wird
$$F \approx -m g\,\varphi = -\frac{m g}{l}\,y = -D_{\text{eff}}\,y\qquad\text{mit}\quad D_{\text{eff}} = \frac{mg}{l}\qquad\Rightarrow\qquad T = 2\pi\sqrt{\frac{m}{D_{\text{eff}}}} = 2\pi\sqrt{\frac{l}{g}}.$$Die Masse kürzt sich heraus (schwere und leichte Kugel schwingen gleich schnell), und auch die Amplitude taucht nicht auf – aber nur innerhalb der Näherung. Für $l = 1{,}00\,\mathrm{m}$: $T = 2\pi\sqrt{1{,}00/9{,}81}\,\mathrm{s} = 2{,}006\,\mathrm{s}$. Auf dem Mond ($g = 1{,}62\,\mathrm{m/s^2}$) wäre dasselbe Pendel mit $T = 4{,}9\,\mathrm{s}$ unterwegs.
$g$ aus einer Messreihe bestimmen: Für mehrere Fadenlängen $l$ jeweils 10 Perioden stoppen (das verkleinert den Reaktionsfehler um den Faktor 10), $T$ berechnen, dann $T^2$ gegen $l$ auftragen: Nach $T^2 = \dfrac{4\pi^2}{g}\,l$ liegen die Punkte auf einer Ursprungsgeraden mit Steigung $4\pi^2/g$. Ausgleichsgerade, Steigung $m_G$ ablesen, $g = 4\pi^2/m_G$. Die Fadenlänge ist bis zum Schwerpunkt der Kugel zu messen; ein Fehler dabei zeigt sich als Achsenabschnitt, nicht als falsche Steigung – ein Grund mehr für die Linearisierung.
Energie der Schwingung
Beim Federpendel steckt die Energie abwechselnd in der gespannten Feder (Umkehrpunkte) und in der Bewegung (Ruhelage); beim Fadenpendel wechselt Lageenergie mit Bewegungsenergie. Ohne Reibung bleibt die Gesamtenergie konstant:
$$E = \tfrac12 D\,y^2 + \tfrac12 m\,v^2 = \tfrac12 D\,\hat y^2 = \tfrac12 m\,v_{max}^2 .$$Die beiden rechten Ausdrücke sind die Gesamtenergie an den Umkehrpunkten ($v = 0$, $y = \hat y$) bzw. in der Ruhelage ($y = 0$, $v = v_{max}$). Setzt man $v_{max} = \hat y\omega$ und $\omega^2 = D/m$ ein, sind beide identisch – eine schöne Kontrolle. Wichtig: $E\propto\hat y^2$. Doppelte Amplitude bedeutet vierfache Energie. Zeitlich gilt $E_{Sp}(t) = \tfrac12 D\hat y^2\sin^2(\omega t)$ und $E_{kin}(t) = \tfrac12 D\hat y^2\cos^2(\omega t)$; beide schwingen mit der doppelten Frequenz der Auslenkung (zweimal pro Periode ist die Feder maximal gespannt), und ihre Summe ist wegen $\sin^2 + \cos^2 = 1$ konstant.
Zahlenbeispiel ($m = 0{,}250\,\mathrm{kg}$, $D = 10{,}0\,\mathrm{N/m}$, $\hat y = 4{,}0\,\mathrm{cm}$): $E = \tfrac12\cdot 10{,}0\cdot 0{,}040^2\,\mathrm{J} = 8{,}0\cdot 10^{-3}\,\mathrm{J}$; $v_{max} = \sqrt{2E/m} = 0{,}253\,\mathrm{m/s}$ (gleich $\hat y\omega = 0{,}040\cdot 6{,}32$). Bei $y = 2{,}0\,\mathrm{cm}$ ist $E_{Sp} = 2{,}0\cdot 10^{-3}\,\mathrm{J}$, also $E_{kin} = 6{,}0\cdot 10^{-3}\,\mathrm{J}$ und $v = 0{,}219\,\mathrm{m/s}$. Gleich groß sind beide bei $y = \hat y/\sqrt2 = 2{,}8\,\mathrm{cm}$ – nicht bei der halben Amplitude.
Gedämpfte Schwingung. Mit Reibung (Luftwiderstand, Wirbelstrombremse) verliert die Schwingung Energie. Ist die Reibungskraft proportional zur Geschwindigkeit ($F_R = -k\,v$), nimmt die Amplitude exponentiell ab: $$\hat y(t) = \hat y_0\,e^{-\delta t},$$ in gleichen Zeitabständen um denselben Faktor (nicht um denselben Betrag). Die Periode bleibt bei schwacher Dämpfung praktisch unverändert. Die Energie fällt mit $e^{-2\delta t}$, weil $E\propto\hat y^2$. Ableitung mit Kettenregel: $\dfrac{d}{dt}\hat y_0 e^{-\delta t} = -\delta\,\hat y_0 e^{-\delta t}$ – wieder der innere Faktor.
Erzwungene Schwingung und Resonanz
Wird ein schwingungsfähiges System (Eigenfrequenz $f_0 = \dfrac{1}{2\pi}\sqrt{D/m}$) von außen periodisch mit der Erregerfrequenz $f_E$ angetrieben, schwingt es nach einer Einschwingzeit mit der Erregerfrequenz – aber mit einer Amplitude, die stark von $f_E$ abhängt. Die Resonanzkurve (Amplitude gegen $f_E$) hat ihr Maximum bei $f_E\approx f_0$: Resonanz. Je schwächer die Dämpfung, desto höher und schmaler ist das Maximum.
| Erregerfrequenz | Amplitude | Phasenverschiebung (Schwinger hinter Erreger) |
|---|---|---|
| $f_E \ll f_0$ | klein, etwa gleich der Erregeramplitude | $\approx 0$ – gleichphasig, der Schwinger folgt dem Erreger |
| $f_E = f_0$ | maximal (nur durch Dämpfung begrenzt) | $90^\circ$ ($\pi/2$) – Erreger schiebt immer in Bewegungsrichtung, maximale Energiezufuhr |
| $f_E \gg f_0$ | klein, geht gegen null (Trägheit) | $180^\circ$ ($\pi$) – gegenphasig |
Bei Resonanz überträgt der Erreger in jeder Periode Energie, die bei fehlender Dämpfung immer weiter anwächst – die Resonanzkatastrophe: einstürzende Brücken (Tacoma Narrows 1940 durch Windanregung, Broughton 1831 durch marschierende Soldaten), das singende Weinglas, das mit seiner Eigenfrequenz beschallt zerspringt, die Waschmaschine, die beim Hochlaufen des Schleuderns kurz heftig wackelt (Durchgang durch $f_0$). Gegenmittel: Dämpfung erhöhen, Eigenfrequenz verstimmen (Masse oder Steifigkeit ändern) oder ein Schwingungstilger – eine Zusatzmasse, die gegenphasig schwingt und dem Bauwerk Energie entzieht (Taipei 101: $660$-Tonnen-Pendel). Auch nützlich: Radio-Abstimmung (elektrischer Schwingkreis in Resonanz mit dem Sender), MRT, Musikinstrumente.
Simulation: Federpendel und Fadenpendel – Graphen, Energie, Grenze der Näherung
Links schwingt das Pendel, rechts laufen y(t), v(t) und a(t). Die Balken zeigen Spann-/Lageenergie und Bewegungsenergie. Im Modus Fadenpendel wird die exakte Pendelgleichung numerisch gelöst – die gemessene Periode zeigt, ab wann die Kleinwinkelnäherung versagt.
- Federpendel: Verdopple $m$ bei festem $D$. Vorhersage mit $T = 2\pi\sqrt{m/D}$: $T$ wächst um $\sqrt2$. Prüfe. Dann verdopple $\hat y$ – was passiert mit $T$, $v_{max}$ und $E$? (Isochronie; $E\propto\hat y^2$.)
- Lies in den Graphen ab: Wo ist $v$ maximal, wo $a$? In welcher Beziehung stehen $a(t)$ und $y(t)$ zueinander? Begründe mit $\ddot y = -\omega^2 y$.
- Fadenpendel: Setze $l = 1{,}00\,\mathrm{m}$ und $\varphi_0 = 5^\circ$, dann $20^\circ$, $45^\circ$, $80^\circ$. Notiere jeweils die gemessene Periode und die prozentuale Abweichung von $2\pi\sqrt{l/g}$. Ab welchem Winkel würdest du die Näherung in einer Messung nicht mehr akzeptieren?
- Schalte die Dämpfung ein und lies ab, nach wie vielen Perioden die Amplitude halbiert ist. Prüfe, ob sie nach der doppelten Zeit auf ein Viertel gefallen ist (exponentiell!) und ob sich $T$ ändert.
Herleitung: Periodendauer des Federpendels $T = 2\pi\sqrt{\dfrac{m}{D}}$
Pflicht-Herleitung: vom linearen Kraftgesetz über Newton 2 zur Differentialgleichung, Lösungsansatz einsetzen (mit Kettenregel!), $\omega$ ablesen. Skizze: Feder mit Masse, Ruhelage markiert, Auslenkung $y$ und rücktreibende Kraft $F$ als Pfeile in entgegengesetzte Richtungen. Tippe „Verdecken“ und versuche es zuerst selbst.
- Kraftgesetz: Die Masse $m$ hängt an einer Feder mit Federkonstante $D$. Wird sie um $y$ aus der Ruhelage ausgelenkt, wirkt nach Hooke die rücktreibende Kraft proportional zur Auslenkung und ihr entgegengerichtet (beim senkrechten Pendel ist die Gewichtskraft bereits in der Lage der Ruhelage berücksichtigt).$$ F = -D\,y $$
- Newton 2: Die resultierende Kraft ist gleich Masse mal Beschleunigung, und die Beschleunigung ist die zweite Ableitung der Auslenkung nach der Zeit. Das liefert die Bewegungsgleichung – eine Differentialgleichung für $y(t)$.$$ m\,\ddot y = -D\,y\quad\Rightarrow\quad \ddot y = -\frac{D}{m}\,y $$
- Lösungsansatz: Gesucht ist eine Funktion, deren zweite Ableitung proportional zum Negativen der Funktion ist. Das leistet die Sinusfunktion. Ansatz mit noch unbekannter Kreisfrequenz $\omega$, Amplitude $\hat y$ und Phase $\varphi_0$ (beide durch die Anfangsbedingungen festgelegt).$$ y(t) = \hat y\,\sin(\omega t + \varphi_0) $$
- Zweimal ableiten – Kettenregel: Die innere Funktion $\omega t + \varphi_0$ hat die Ableitung $\omega$; sie erscheint bei jeder Ableitung als Faktor. Beim zweiten Ableiten kommt aus $\cos' = -\sin$ das Minuszeichen.$$ \dot y = \hat y\,\omega\cos(\omega t + \varphi_0),\qquad \ddot y = -\hat y\,\omega^2\sin(\omega t + \varphi_0) = -\omega^2\,y $$
- Einsetzen in die DGL: Die linke Seite $\ddot y = -\omega^2 y$ und die rechte Seite $-\dfrac{D}{m}y$ müssen für alle $t$ gleich sein. Das ist genau dann der Fall, wenn die Vorfaktoren übereinstimmen – die Amplitude $\hat y$ und die Phase kürzen sich heraus.$$ -\omega^2\,y = -\frac{D}{m}\,y\quad\Rightarrow\quad \omega^2 = \frac{D}{m}\quad\Rightarrow\quad \omega = \sqrt{\frac{D}{m}} $$
- Periodendauer: Die Sinusfunktion wiederholt sich, wenn die Phase um $2\pi$ gewachsen ist, also nach $\omega T = 2\pi$. Daraus folgt $T$; sie hängt nur von $m$ und $D$ ab, nicht von der Amplitude.$$ T = \frac{2\pi}{\omega} = 2\pi\sqrt{\frac{m}{D}} $$
Formeln, die du sicher können musst
| Größe / Gesetz | Formel | Was sie sagt · wann sie gilt |
|---|---|---|
| Lineares Kraftgesetz | $F = -D\,y$ | Kennzeichen der harmonischen Schwingung; rücktreibend, $\propto$ Auslenkung |
| Differentialgleichung | $\ddot y = -\omega^2\,y,\quad \omega^2 = \dfrac{D}{m}$ | aus $m\ddot y = -Dy$; Lösung durch Einsetzen prüfen (Kettenregel) |
| Lösung | $y(t) = \hat y\,\sin(\omega t + \varphi_0)$ | $\hat y$, $\varphi_0$ aus Anfangsbedingungen; $\omega = 2\pi/T = 2\pi f$ |
| Geschwindigkeit, Beschleunigung | $v = \hat y\omega\cos(\omega t),\quad a = -\hat y\omega^2\sin(\omega t)$ | $v_{max} = \hat y\omega$ (Ruhelage), $a_{max} = \hat y\omega^2$ (Umkehrpunkt) |
| Federpendel | $T = 2\pi\sqrt{\dfrac{m}{D}}$ | unabhängig von $\hat y$ und $g$; Isochronie |
| Fadenpendel | $T = 2\pi\sqrt{\dfrac{l}{g}}$ | nur für kleine Winkel ($\sin\varphi\approx\varphi$); unabhängig von $m$; $D_{\text{eff}} = mg/l$ |
| Energie | $E = \tfrac12 D\hat y^2 = \tfrac12 m v_{max}^2$ | $E\propto\hat y^2$; $E_{Sp}\leftrightarrow E_{kin}$ mit doppelter Frequenz |
| Linearisierung | $T^2 = \dfrac{4\pi^2}{g}\,l$ | $T^2$ gegen $l$ auftragen, Steigung $4\pi^2/g$ ⇒ $g = 4\pi^2/m_G$ |
| Dämpfung | $\hat y(t) = \hat y_0\,e^{-\delta t}$ | Reibung $\propto v$: Amplitude fällt exponentiell, $T$ nahezu konstant; $E\propto e^{-2\delta t}$ |
Typische Fehler – und wie du die Punkte holst
- Nachweis der Lösung: $\ddot y = -\hat y\sin(\omega t)$ geschrieben – das $\omega^2$ fehlt, weil die Kettenregel vergessen wurde.Jede Ableitung von $\sin(\omega t)$ bringt den inneren Faktor $\omega$: $\dot y = \hat y\omega\cos(\omega t)$, $\ddot y = -\hat y\omega^2\sin(\omega t)$. Erst dann ergibt der Vergleich mit $-\frac{D}{m}y$ das Ergebnis $\omega^2 = D/m$. Dasselbe gilt für $e^{-t/\tau}$ und $e^{-\delta t}$.
- $T = 2\pi\sqrt{l/g}$ für ein Pendel mit $45^\circ$ Amplitude benutzt – ohne Kommentar.Die Formel gilt nur unter $\sin\varphi\approx\varphi$. Bei $45^\circ$ ist die echte Periode $4\,\%$ länger, bei $20^\circ$ noch $0{,}8\,\%$. In der Klausur: Näherung benennen, Bedingung „kleine Winkel (unter etwa $10^\circ$)“ dazuschreiben, bei großen Winkeln auf die Abweichung hinweisen.
- „Bei doppelter Amplitude dauert die Schwingung doppelt so lange“ oder „schwingt doppelt so schnell“.Isochronie: $T$ hängt beim harmonischen Oszillator nicht von $\hat y$ ab – längerer Weg und größere Geschwindigkeit ($v_{max} = \hat y\omega$) heben sich auf. Was sich ändert: $v_{max}$ und $a_{max}$ verdoppeln sich, die Energie vervierfacht sich.
- $g$ aus einem einzigen Wertepaar $(l, T)$ berechnet, obwohl eine Messreihe vorlag; oder $T$ gegen $l$ aufgetragen und eine Kurve „durch die Punkte“ gezeichnet.Linearisieren: $T^2$ gegen $l$, Ausgleichsgerade (Punkte nicht verbinden), Steigung $m_G = 4\pi^2/g$. Vorteil benennen: Zufallsfehler mitteln sich, ein systematischer Längenfehler erscheint als Achsenabschnitt. Mehrere Perioden stoppen, nicht eine.
- Energie: „Bei halber Amplitude ist die Hälfte der Energie Bewegungsenergie“ oder $E = \tfrac12 D\hat y$ (ohne Quadrat).$E_{Sp} = \tfrac12 Dy^2$ ist quadratisch: bei $y = \hat y/2$ sind nur $25\,\%$ Spannenergie, $75\,\%$ Bewegungsenergie. Gleichstand bei $y = \hat y/\sqrt2 = 0{,}71\,\hat y$. Einheitencheck: $\mathrm{N/m\cdot m^2 = N\,m = J}$.
- Gedämpfte Schwingung als „Amplitude nimmt pro Periode um 1 cm ab“ beschrieben oder „die Schwingung wird langsamer“.Bei geschwindigkeitsproportionaler Reibung fällt die Amplitude exponentiell – pro Periode um denselben Faktor ($\hat y(t) = \hat y_0 e^{-\delta t}$), nie um denselben Betrag; $T$ bleibt bei schwacher Dämpfung praktisch gleich. Linear abnehmend wäre sie nur bei konstanter Gleitreibung.
- Resonanz: „Der Schwinger schwingt mit seiner Eigenfrequenz, egal wie der Erreger läuft“ oder Phasenverschiebung bei Resonanz mit $0$ oder $180^\circ$ angegeben.Nach dem Einschwingen schwingt das System mit der Erregerfrequenz; nur die Amplitude ist bei $f_E\approx f_0$ maximal. Phase: unterhalb $f_0$ gleichphasig, bei $f_0$ genau $90^\circ$ (Energiezufuhr maximal), weit oberhalb gegenphasig.
- Erläutern (warum harmonisch, warum Fadenpendel nur näherungsweise, Resonanzkatastrophe, Energieumwandlung): Phänomen → Ursache (Kraftgesetz) → Bedingung (linear, kleine Winkel, $f_E\approx f_0$); Fachbegriffe Rückstellkraft, Richtgröße, Isochronie, Eigenfrequenz, Phasenverschiebung.
- Zeigen / Leiten Sie her ($T = 2\pi\sqrt{m/D}$, $T = 2\pi\sqrt{l/g}$, $v_{max} = \hat y\omega$, Lösung der DGL): Skizze mit Kräften, Newton 2, Ansatz, beide Ableitungen mit Kettenregel ausgeschrieben, Koeffizientenvergleich, Schlusssatz; beim Fadenpendel die Näherung an der richtigen Stelle einführen.
- Berechnen / Bestimmen ($T$, $f$, $\omega$, $v_{max}$, $E$, $g$ aus Messreihe, Zeitpunkt für eine Auslenkung): Bogenmaß im Taschenrechner, SCI-3, Einheiten, bei Messreihe Linearisierung mit Diagramm und Steigung, Unsicherheit über relative Fehler.
- Beurteilen (Messverfahren, Näherung, Gefahr durch Resonanz, Aussage eines Mitschülers): Bedingung prüfen (Winkel, Dämpfung, $f_E$ vs. $f_0$), Zahlen nennen (Abweichung in Prozent), Alternative vorschlagen (mehr Perioden stoppen, Schwingungstilger).
5 harte Fragen – hast du es wirklich verstanden?
Offene Aufgaben auf Papier lösen (Zeit stoppen!), erst dann die Lösung aufdecken und ehrlich Punkte geben. Die Ergebnisse werden auf diesem Gerät gespeichert.
Federpendel: Herleitung und Kinematik
An einer Feder mit $D = 10{,}0\,\mathrm{N/m}$ hängt ein Körper der Masse $m = 0{,}250\,\mathrm{kg}$. Er wird um $\hat y = 4{,}0\,\mathrm{cm}$ nach unten ausgelenkt und zur Zeit $t = 0$ losgelassen.
- Zeige durch Einsetzen, dass $y(t) = \hat y\cos(\omega t)$ die Bewegungsgleichung $m\ddot y = -Dy$ löst, und leite daraus $T = 2\pi\sqrt{m/D}$ her. Begründe, warum hier der Cosinus der passende Ansatz ist.
- Berechne $T$, $v_{max}$ und $a_{max}$ sowie die Gesamtenergie der Schwingung.
- Bestimme den ersten Zeitpunkt nach dem Loslassen, zu dem die Auslenkung nur noch halb so groß ist wie die Amplitude, und die Geschwindigkeit in diesem Moment.
- 4 Pa) $\dot y = -\hat y\omega\sin(\omega t)$, $\ddot y = -\hat y\omega^2\cos(\omega t) = -\omega^2 y$ (Kettenregel sichtbar); Einsetzen: $-m\omega^2 y = -Dy$ ⇒ $\omega^2 = D/m$ ⇒ $T = 2\pi/\omega = 2\pi\sqrt{m/D}$; Cosinus, weil bei $t = 0$ die Auslenkung maximal und $v = 0$ ist (Start aus der Ruhe am Umkehrpunkt)
- 3 Pb) $\omega = 6{,}32\,\mathrm{s^{-1}}$, $T = 0{,}993\,\mathrm{s}$; $v_{max} = \hat y\omega = 0{,}253\,\mathrm{m/s}$; $a_{max} = \hat y\omega^2 = 1{,}60\,\mathrm{m/s^2}$; $E = \tfrac12 D\hat y^2 = 8{,}0\cdot 10^{-3}\,\mathrm{J}$ (Kontrolle $\tfrac12 mv_{max}^2$)
- 3 Pc) $\cos(\omega t) = \tfrac12$ ⇒ $\omega t = \pi/3$ ⇒ $t = T/6 = 0{,}166\,\mathrm{s}$; $v = \hat y\omega\sin(\pi/3) = 0{,}219\,\mathrm{m/s}$ (oder über Energie: $\tfrac12 mv^2 = E - \tfrac12 D(\hat y/2)^2$)
a) Ansatz $y(t) = \hat y\cos(\omega t)$. Ableiten mit der Kettenregel (innere Ableitung $\omega$): $$\dot y(t) = -\hat y\,\omega\sin(\omega t),\qquad \ddot y(t) = -\hat y\,\omega^2\cos(\omega t) = -\omega^2\,y(t).$$ Einsetzen in $m\ddot y = -Dy$: $-m\omega^2 y = -Dy$. Das gilt für alle $t$ genau dann, wenn $m\omega^2 = D$, also $\omega = \sqrt{D/m}$. Die Periode folgt aus $\omega T = 2\pi$: $T = \dfrac{2\pi}{\omega} = 2\pi\sqrt{\dfrac{m}{D}}$, was zu zeigen war. Der Cosinus passt zu den Anfangsbedingungen: Bei $t = 0$ ist $y(0) = \hat y$ (maximale Auslenkung, der Körper wird am Umkehrpunkt losgelassen) und $\dot y(0) = 0$ (aus der Ruhe). Ein Sinus-Ansatz hätte $y(0) = 0$ und $v(0) = v_{max}$ – das wäre ein Start in der Ruhelage mit Anstoß. (Allgemein: $\hat y\sin(\omega t + \varphi_0)$ mit $\varphi_0 = \pi/2$.)
b) $\omega = \sqrt{\dfrac{D}{m}} = \sqrt{\dfrac{10{,}0\,\mathrm{N/m}}{0{,}250\,\mathrm{kg}}} = 6{,}32\,\mathrm{s^{-1}}$, $T = \dfrac{2\pi}{\omega} = 0{,}993\,\mathrm{s}$ (also $f = 1{,}01\,\mathrm{Hz}$).
$v_{max} = \hat y\,\omega = 0{,}040\,\mathrm{m}\cdot 6{,}32\,\mathrm{s^{-1}} = 0{,}253\,\mathrm{m/s}$ beim Durchgang durch die Ruhelage.
$a_{max} = \hat y\,\omega^2 = 0{,}040\,\mathrm{m}\cdot 40{,}0\,\mathrm{s^{-2}} = 1{,}60\,\mathrm{m/s^2}$ an den Umkehrpunkten (Kontrolle: $a_{max} = F_{max}/m = D\hat y/m = 10\cdot 0{,}04/0{,}25 = 1{,}6\,\mathrm{m/s^2}$).
$E = \tfrac12 D\hat y^2 = \tfrac12\cdot 10{,}0\,\mathrm{N/m}\cdot(0{,}040\,\mathrm{m})^2 = 8{,}0\cdot 10^{-3}\,\mathrm{J}$; Kontrolle: $\tfrac12 m v_{max}^2 = \tfrac12\cdot 0{,}250\cdot 0{,}253^2\,\mathrm{J} = 8{,}0\cdot 10^{-3}\,\mathrm{J}$ – stimmt.
c) Bedingung $y = \hat y/2$: $\cos(\omega t) = \tfrac12$, kleinste positive Lösung $\omega t = \dfrac{\pi}{3}$ (Bogenmaß!), also $t = \dfrac{\pi}{3\omega} = \dfrac{\pi}{3\cdot 6{,}32\,\mathrm{s^{-1}}} = 0{,}166\,\mathrm{s}$ – das ist genau $T/6$, nicht $T/8$, wie man bei „halber Strecke“ vermuten könnte: Nahe dem Umkehrpunkt ist der Körper langsam. Geschwindigkeit: $v = \dot y = -\hat y\omega\sin(\omega t) = -0{,}253\,\mathrm{m/s}\cdot\sin\dfrac{\pi}{3} = -0{,}219\,\mathrm{m/s}$ (Betrag $0{,}219\,\mathrm{m/s}$, Richtung zur Ruhelage). Kontrolle über die Energie: $\tfrac12 m v^2 = E - \tfrac12 D(\hat y/2)^2 = 8{,}0\cdot 10^{-3} - 2{,}0\cdot 10^{-3}\,\mathrm{J} = 6{,}0\cdot 10^{-3}\,\mathrm{J}$, also $v = \sqrt{2\cdot 6{,}0\cdot 10^{-3}/0{,}250}\,\mathrm{m/s} = 0{,}219\,\mathrm{m/s}$ – bei halber Auslenkung sind bereits $75\,\%$ der Energie Bewegungsenergie.
Fadenpendel: g aus einer Messreihe
Mit einem Fadenpendel (Amplitude etwa $5^\circ$) wird für verschiedene Fadenlängen die Zeit für 10 Schwingungen gestoppt (Unsicherheit $\pm 0{,}2\,\mathrm{s}$):
| $l$ in m | 0,400 | 0,600 | 0,800 | 1,000 | 1,200 |
|---|---|---|---|---|---|
| $10\,T$ in s | 12,7 | 15,6 | 18,0 | 20,1 | 22,0 |
- Leite her, dass das Fadenpendel für kleine Winkel harmonisch schwingt, und zeige $T = 2\pi\sqrt{l/g}$. Benenne die Näherung und ihre Bedingung.
- Bestimme $g$ aus der gesamten Messreihe durch Linearisierung und vergleiche mit dem Literaturwert.
- Gib die relative Unsicherheit von $g$ an, die sich allein aus der Zeitmessung bei $l = 1{,}000\,\mathrm{m}$ ergibt, und beurteile, ob eine Amplitude von $40^\circ$ das Ergebnis nennenswert verfälscht hätte (die exakte Periode ist dann $3{,}1\,\%$ länger).
- 3 Pa) Skizze mit $mg$, Zerlegung in Faden- und Tangentialrichtung; rücktreibend $F = -mg\sin\varphi$; Kleinwinkelnäherung $\sin\varphi\approx\varphi$ (Bogenmaß, $\varphi \lesssim 10^\circ$) und $y = l\varphi$ ⇒ $F = -\dfrac{mg}{l}y$ – linear ⇒ harmonisch; $D_{\text{eff}} = mg/l$ ⇒ $T = 2\pi\sqrt{m/D_{\text{eff}}} = 2\pi\sqrt{l/g}$
- 3 Pb) $T^2 = (4\pi^2/g)\,l$: $T^2$-Werte $1{,}61$; $2{,}43$; $3{,}24$; $4{,}04$; $4{,}84\,\mathrm{s^2}$; Ausgleichsgerade durch den Ursprung, Steigung $m_G \approx 4{,}03\,\mathrm{s^2/m}$; $g = 4\pi^2/m_G = 9{,}80\,\mathrm{m/s^2}$
- 1 Pb) Abweichung vom Literaturwert $9{,}81$: $-0{,}1\,\%$ – sehr gute Übereinstimmung
- 3 Pc) $T = 2{,}01\,\mathrm{s}$ mit $\Delta T = 0{,}02\,\mathrm{s}$ (1 %); $g\propto T^{-2}$ ⇒ $\Delta g/g = 2\Delta T/T = 2\,\%$ ⇒ $g = (9{,}77\pm 0{,}20)\,\mathrm{m/s^2}$; bei $40^\circ$: $T$ um $3{,}1\,\%$ zu lang ⇒ $g$ um $6\,\%$ zu klein ($\approx 9{,}2$), größer als die Messunsicherheit ⇒ Näherung wäre unzulässig
a) Skizze: Faden der Länge $l$, Kugel um $\varphi$ ausgelenkt, Gewichtskraft $mg$ senkrecht nach unten, zerlegt in eine Komponente entlang des Fadens ($mg\cos\varphi$, wird von der Fadenkraft kompensiert) und eine Komponente tangential zur Bahn ($mg\sin\varphi$, zur Ruhelage gerichtet). Rücktreibende Kraft: $F = -mg\sin\varphi$. Das ist nicht proportional zur Auslenkung – also zunächst keine harmonische Schwingung. Für kleine Winkel gilt die Näherung $\sin\varphi\approx\varphi$ (Bogenmaß; bei $5^\circ$ Fehler $0{,}1\,\%$, bei $10^\circ$ $0{,}5\,\%$). Mit der Bogenlänge $y = l\varphi$ wird $$F\approx -mg\,\varphi = -\frac{mg}{l}\,y = -D_{\text{eff}}\,y,\qquad D_{\text{eff}} = \frac{mg}{l}.$$ Das ist ein lineares Kraftgesetz, die Schwingung ist (näherungsweise) harmonisch, und mit $T = 2\pi\sqrt{m/D}$ folgt $$T = 2\pi\sqrt{\frac{m}{mg/l}} = 2\pi\sqrt{\frac{l}{g}},$$ unabhängig von $m$ und von der Amplitude – gültig für kleine Winkel, was zu zeigen war.
b) Linearisierung: $T^2 = \dfrac{4\pi^2}{g}\,l$ ist eine Ursprungsgerade in $T^2$ gegen $l$. Aus den Messwerten ($T = 10T/10$):
| $l$ in m | 0,400 | 0,600 | 0,800 | 1,000 | 1,200 |
|---|---|---|---|---|---|
| $T$ in s | 1,27 | 1,56 | 1,80 | 2,01 | 2,20 |
| $T^2$ in $\mathrm{s^2}$ | 1,61 | 2,43 | 3,24 | 4,04 | 4,84 |
Die Punkte liegen auf einer Geraden durch den Ursprung (Achsenabschnitt $\approx 0{,}01\,\mathrm{s^2}$, vernachlässigbar) – das Gesetz $T^2\propto l$ ist bestätigt. Steigung der Ausgleichsgeraden (rechnerisch mit $\bar l = 0{,}800\,\mathrm{m}$, $\overline{T^2} = 3{,}23\,\mathrm{s^2}$): $m_G = \dfrac{\sum(l-\bar l)(T^2-\overline{T^2})}{\sum(l-\bar l)^2} = \dfrac{1{,}612}{0{,}400}\,\mathrm{s^2/m} = 4{,}03\,\mathrm{s^2/m}$ (grafisch: z. B. zwischen $l = 0{,}4$ und $1{,}2\,\mathrm{m}$ steigt $T^2$ um $3{,}23\,\mathrm{s^2}$, also $4{,}04\,\mathrm{s^2/m}$). Damit $$g = \frac{4\pi^2}{m_G} = \frac{39{,}48}{4{,}03\,\mathrm{s^2/m}} = 9{,}80\,\mathrm{m/s^2}.$$ Relative Abweichung vom Literaturwert: $\dfrac{9{,}80 - 9{,}81}{9{,}81} = -0{,}1\,\%$ – die Messung stimmt innerhalb der Unsicherheit mit $9{,}81\,\mathrm{m/s^2}$ überein.
c) Bei $l = 1{,}000\,\mathrm{m}$: $10T = (20{,}1\pm 0{,}2)\,\mathrm{s}$, also $T = (2{,}010\pm 0{,}020)\,\mathrm{s}$, relative Unsicherheit $1{,}0\,\%$. Wegen $g = 4\pi^2 l/T^2\propto T^{-2}$ verdoppelt sich die relative Unsicherheit: $\dfrac{\Delta g}{g} = 2\cdot\dfrac{\Delta T}{T} = 2{,}0\,\%$. Aus diesem einen Wertepaar: $g = \dfrac{4\pi^2\cdot 1{,}000}{2{,}010^2}\,\mathrm{m/s^2} = 9{,}77\,\mathrm{m/s^2}$, also $g = (9{,}77\pm 0{,}20)\,\mathrm{m/s^2}$ – der Literaturwert liegt im Intervall. (Das Stoppen von 10 Perioden statt einer ist genau deshalb wichtig: Mit $\pm 0{,}2\,\mathrm{s}$ auf eine einzige Periode wären es $20\,\%$.)
Beurteilung der Amplitude: Bei $40^\circ$ ist die wahre Periode um $3{,}1\,\%$ länger als $2\pi\sqrt{l/g}$. Wertet man trotzdem mit der Näherungsformel aus, erhält man $g = 4\pi^2 l/T^2$ mit einem um $3{,}1\,\%$ zu großen $T$, also ein um $2\cdot 3{,}1\,\% \approx 6\,\%$ zu kleines $g$: etwa $9{,}2\,\mathrm{m/s^2}$ statt $9{,}8$. Dieser systematische Fehler ist dreimal so groß wie die Messunsicherheit von $2\,\%$ und würde das Ergebnis deutlich verfälschen – ein Pendel mit $40^\circ$ Amplitude ist für diese Messung ungeeignet; bei $5^\circ$ ($0{,}05\,\%$) ist die Näherung dagegen völlig unproblematisch.
Transfer: Fahrzeugfederung, Dämpfung und Resonanz
Ein Auto ($m = 1200\,\mathrm{kg}$) steht auf vier Federn mit je $D_1 = 20\,\mathrm{kN/m}$, die parallel wirken (Gesamtfederkonstante $D = 4D_1$). Nach einer Bodenwelle schwingt die Karosserie vertikal; ohne Stoßdämpfer würde die Amplitude nur durch Luft- und Lagerreibung abnehmen, mit Stoßdämpfern halbiert sie sich alle $1{,}5\,\mathrm{s}$.
- Berechne die Eigenfrequenz $f_0$ der Karosserieschwingung. Erläutere, warum sich die Schwingung mit Stoßdämpfern als $\hat y(t) = \hat y_0 e^{-\delta t}$ beschreiben lässt, und bestimme $\delta$.
- Das Auto fährt über eine Straße mit regelmäßigen Querrillen im Abstand $10\,\mathrm{m}$. Bei welcher Geschwindigkeit ist mit Resonanz zu rechnen? Erläutere, was dann ohne Stoßdämpfer passieren würde und mit welcher Phasenverschiebung die Karosserie dabei schwingt.
- Ein Mitschüler meint, man könne Resonanz einfach vermeiden, indem man die Federn weicher macht. Beurteile den Vorschlag.
- 3 Pa) $D = 80\,\mathrm{kN/m}$, $\omega_0 = \sqrt{D/m} = 8{,}16\,\mathrm{s^{-1}}$, $f_0 = 1{,}30\,\mathrm{Hz}$; Dämpfungskraft $\propto v$ ⇒ exponentielle Abnahme der Amplitude (gleicher Faktor pro Zeitintervall); $e^{-\delta\cdot 1{,}5\,\mathrm{s}} = \tfrac12$ ⇒ $\delta = \ln 2/1{,}5\,\mathrm{s} = 0{,}46\,\mathrm{s^{-1}}$
- 3 Pb) Erregerfrequenz $f_E = v/10\,\mathrm{m}$; Resonanz bei $f_E = f_0$ ⇒ $v = 13{,}0\,\mathrm{m/s} = 47\,\mathrm{km/h}$; ohne Dämpfung wächst die Amplitude mit jeder Rille (Resonanzkatastrophe: Bodenkontakt verloren, Bauteile überlastet); Phasenverschiebung $90^\circ$ – Erregung immer in Bewegungsrichtung, maximale Energiezufuhr
- 2 Pc) Weichere Federn senken nur $f_0$ ($f_0\propto\sqrt D$) – Resonanz tritt dann bei kleinerer Geschwindigkeit auf, bleibt aber; außerdem größere statische Einfederung; wirksam ist Dämpfung (Stoßdämpfer), die die Resonanzamplitude begrenzt
a) Vier parallele Federn: $D = 4\cdot 20\,\mathrm{kN/m} = 80\,\mathrm{kN/m} = 8{,}0\cdot 10^4\,\mathrm{N/m}$. Eigenkreisfrequenz $\omega_0 = \sqrt{\dfrac{D}{m}} = \sqrt{\dfrac{8{,}0\cdot 10^4\,\mathrm{N/m}}{1200\,\mathrm{kg}}} = 8{,}16\,\mathrm{s^{-1}}$, also $f_0 = \dfrac{\omega_0}{2\pi} = 1{,}30\,\mathrm{Hz}$ und $T_0 = 0{,}770\,\mathrm{s}$ – die typische „Wipp-Frequenz“ einer Karosserie.
Ein Stoßdämpfer presst Öl durch enge Kanäle; die Reibungskraft ist dabei proportional zur Geschwindigkeit, $F_R = -k\,v$. Bei einer solchen geschwindigkeitsproportionalen Dämpfung verliert die Schwingung in jeder Periode denselben Bruchteil ihrer Energie, die Amplitude nimmt also in gleichen Zeitabständen um denselben Faktor ab – das ist die Kennzeichnung einer Exponentialfunktion: $\hat y(t) = \hat y_0 e^{-\delta t}$. Aus der Halbierung nach $1{,}5\,\mathrm{s}$: $e^{-\delta\cdot 1{,}5\,\mathrm{s}} = \tfrac12$ ⇒ $\delta = \dfrac{\ln 2}{1{,}5\,\mathrm{s}} = 0{,}46\,\mathrm{s^{-1}}$. Nach $3\,\mathrm{s}$ ist die Amplitude auf ein Viertel, nach etwa $5\,\mathrm{s}$ auf ein Zehntel gefallen; die Periode bleibt dabei praktisch $T_0$.
b) Jede Rille gibt der Karosserie einen Stoß; bei der Geschwindigkeit $v$ und dem Rillenabstand $s = 10\,\mathrm{m}$ ist die Erregerfrequenz $f_E = \dfrac{v}{s}$. Resonanz bei $f_E = f_0$: $$v = f_0\cdot s = 1{,}30\,\mathrm{s^{-1}}\cdot 10\,\mathrm{m} = 13{,}0\,\mathrm{m/s} = 47\,\mathrm{km/h}.$$ Bei dieser Geschwindigkeit trifft jeder Stoß die Karosserie genau im Takt ihrer Eigenschwingung. Ohne Stoßdämpfer wird in jeder Periode Energie zugeführt und fast keine abgeführt: Die Amplitude wächst von Rille zu Rille weiter an (Resonanzkatastrophe) – die Räder verlieren den Bodenkontakt, Federn und Aufhängung werden überlastet, das Fahrzeug wird unkontrollierbar. Die Phasenverschiebung zwischen Erreger (Straße) und Karosserie beträgt bei Resonanz $90^\circ$ ($\pi/2$): Die Karosserie läuft eine Viertelperiode hinterher, sodass die Anregung stets in Richtung der momentanen Bewegung wirkt – genau dann ist die Energiezufuhr pro Periode maximal. Mit Stoßdämpfern wird die Amplitude auf einen endlichen Wert begrenzt, bei dem die pro Periode zugeführte Energie gleich der durch Dämpfung abgeführten ist.
c) Weichere Federn verkleinern $D$ und damit $f_0 = \dfrac{1}{2\pi}\sqrt{D/m}$ – bei einem Viertel der Federkonstante halbiert sich $f_0$. Die Resonanz verschwindet dadurch aber nicht, sie wandert nur zu einer anderen Geschwindigkeit ($v_{res} = f_0 s$ wird kleiner, bei einem Viertel von $D$ etwa $23\,\mathrm{km/h}$), die auf einer Landstraße genauso vorkommt. Zudem sinkt die Karosserie statisch um $mg/D$ tiefer ein und schlägt bei Beladung durch. Der Vorschlag ist also ungeeignet. Wirksam gegen Resonanz ist nicht das Verschieben der Eigenfrequenz, sondern die Dämpfung: Stoßdämpfer begrenzen die Resonanzamplitude und verbreitern die Resonanzkurve, sodass bei keiner Geschwindigkeit eine gefährliche Amplitude entsteht. (Aus demselben Grund setzt man bei Brücken und Hochhäusern Schwingungstilger ein statt nur die Steifigkeit zu ändern.)
Ein Federpendel schwingt mit $T = 2{,}0\,\mathrm{s}$. Die Amplitude wird verdoppelt. Was gilt dann für Periodendauer $T$ und Maximalgeschwindigkeit $v_{max}$?
Ein Fadenpendel wird von der Erde ($g = 9{,}81\,\mathrm{m/s^2}$) auf den Mond ($g = 1{,}62\,\mathrm{m/s^2}$) gebracht und mit derselben kleinen Amplitude angestoßen. Was ändert sich?
Meine Notizen zu „Harmonische Schwingungen: Feder- und Fadenpendel, DGL, Energie, Resonanz“
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